Typ 2

Herzinsuffizienz und Diabetes

Sowohl Diabetes mellitus als auch Herzinsuffizienz sind häufige Erkrankungen, die zudem oft beim gleichen Patienten auftreten. Während der Diabetes von den Diabetologen betreut wird, ist die Herzinsuffizienztherapie in der Hand des Kardiologen. Wenige Ärzte spezialisieren sich auf beide Wissensgebiete.
 
Nicht unerwartet ist es daher, dass es relativ wenige Daten zu diesem gemeinsamen Thema gibt, die Daten sind zudem inkonklusiv, was Kontroversen fördert. Damit besteht ein interessantes Forschungsgebiet, das für Diabetologie und Kardiologie sehr wichtig ist. Die klinische Bedeutung wird dadurch unterstrichen, dass die Herzinsuffizienz eine maligne Erkrankung ist: Es besteht kürzeres Überleben als bei den meisten Malignomen. Epidemiologisch ist gesichert, dass bei bestehender Herzinsuffizienz die Diabetesprävalenz etwa zweifach erhöht ist, aber auch die Rate an Neuerkrankungen (Inzidenz) erhöht ist. Herzinsuffizienz ist also diabetogen. Umgekehrt bestehen verlässliche Daten, dass bei bereits bestehendem Diabetes Herzinsuffizienz etwa 2,5-fach und KHK etwa 2-fach erhöht ist. Aus der gemeinsamen Betrachtung dieser beiden Zahlen geht hervor, dass die Hauptursache für die Herzinsuffizienz bei Diabetes die KHK sein muss. Wesentlich ist, dass bereits im prädiabetischen Vorstadium, zum Beispiel bei metabolischem Syndrom, die Gefahr für Herzinsuffizienz besteht. Adipositas und Hypertonie sind zwei Facetten, die das Risiko für Herzinsuffizienz jeweils etwa verdoppeln. Umgekehrt ist bei bestehender Herzinsuffizienz ohne bisher bekannten Diabetes häufig auch ein metabolisches Syndrom und insbesondere eine Insulinresistenz zu beobachten. Es besteht also ein Teufelskreis zwischen metabolischem Syndrom und Herzinsuffizienz.
 
Gemeinsame Therapieform
 
Für die medizinische Praxis ist es nun wichtig, die Diabetestherapie bei Herzinsuffizienz und die Herzinsuffizienztherapie bei Diabetes zu überlegen. Viele Kontroversen betrafen in den letzten Jahren die Diabetestherapie bei Herzinsuffizienz; insbesondere für Metformin und Glitazone. Werden die vorhandenen Daten kritisch durchleuchtet, muss man aber feststellen, dass Beobachtungsstudien, sowohl aus Kanada als auch aus den USA, zeigen, dass metformintherapierte Patienten mit Herzinsuffizienz eine bessere Prognose haben als solche, die sulfonylharnstoff- und insulinbehandelt sind. Daraus ergibt sich einerseits, dass eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung beim herzinsuffizienten Patienten mit Diabetes durchaus gerechtfertigt ist und Metformin nicht absolut kontraindiziert ist. Andererseits brauchen wir prospektive Studien, um diese Frage besser zu klären.
Aus der Substanzgruppe der Glitazone ist festzuhalten, dass sowohl Pioglitazon als auch Rosiglitazon eine erhöhte Inzidenz von Herzinsuffizienz bedingen. Glücklicherweise ist diese Herzinsuffizienz aber äußerst benigne (Lago et al, Lancet 2007). Darüber hinaus hat Pioglitazon eindeutig in der PROACTIVE-Studie bewiesen, dass atherosklerotische, also auch KHK-Endpunkte, verhindert werden. Somit ist Pioglitazon als günstig einzustufen zur Behandlung der Herzinsuffizienzursache KHK (siehe oben).
 
Die letzte zu klärende Frage ist damit noch die Herzinsuffizienztherapie bei Diabetes. Hier ist festzuhalten, dass Betablocker heute bei Diabetes wesentlich besser beurteilt werden, vor allem weil sie auch die Diabetesinzidenz herabsetzen, wie zum Beispiel in der COMET-Studie gezeigt wurde
 
Autor:
Prim. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz Drexel, Abteilung für Innere Medizin & Kardiologie, VIVIT Institut am Universitären Lehrkrankenhaus, Feldkirch, Private Universität im Fürstentum Liechtenstein, Triesen, FL, Drexel University College of Medicine, Philadelphia, PA, USA
 
Quelle: www.universimed.com