Unser Leben

Junger Wiener Forscher bekam gleich zwei Preise für Diabetes-Projekt

Actos und Galvus verbessern Werte bei nierentransplantierten Patienten

In Österreich bekommen pro Jahr etwa 500 Menschen eine neue Niere transplantiert. Alleine am Wiener AKH sind es pro Jahr etwa 200, insgesamt werden dort rund 1.000 Patienten nach Nierentransplantationen betreut. Viele von ihnen bekommen nach der Verpflanzung Probleme mit ihren Zuckerwerten, manche werden sogar Diabetiker. Diesem bisher kaum beachteten Fakt widmete der Wiener Nephrologe Dr. Johannes Werzowa seine Untersuchungen und wurde prompt ausgezeichnet. Von der ÖDG mit dem Abstract-Preis und von der Austro Transplant mit dem Jungforscherpreis des Jahres.

Prim. Univ. Doz. Dr. Raimund Weitgasser von der ÖDG überreicht Dr. Johannes Werzowa den Abstract-Preis„Man muss wissen, dass einerseits bei Transplantierten ein erhöhtes Risiko für Glukoseintoleranz und Diabetes besteht und andererseits, dass der Diabetes bei diesen Patienten viel rascher verläuft – anders gesagt, die Uhr tickt schneller, Spätschäden mit erhöhter Morbidität und Mortalität kommen viel rascher“, erklärt Dr. Johannes Werzowa die Basisüberlegungen für seine Untersuchungen. Kongeniale Hilfe hatte er dabei von Oberarzt Dozent Dr. Marcus Säemann vom gleichen Institut an der MedUni Wien, der genau weiß, wovon er spricht: er ist selbst seit 1982 insulinpflichtiger Diabetiker und hat als gelernter Nephrologe besonders die Zuckerkrankheit im Focus.

Für die Untersuchung wurden transplantierte Patienten mit gestörter Glukosetoleranz in einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie in drei Gruppen gesplittet. Bei allen drei Gruppen wurde in Sachen Lifestyle interveniert. Die eine Gruppe bekam nur Placebos (Scheinmedikamente), die zweite Gruppe wurde mit dem Sensitizer Actos behandelt und die dritte Gruppe mit dem Gliptin Galvus.

Das ganze Prozedere dauerte drei Monate und brachte folgende beachtliche Ergebnisse:
Der Langzeitwert HbA1c verbesserte sich unter Vildagliptin (Galvus) um 0,1 Prozent und unter Pioglitazon (Actos) um fast 0,2 Prozentpunkte, während er in der Kontrollgruppe um 0,1 Prozent anstieg.

Beim oralen Glukosetoleranztest (OGTT) war mit der Galvus-Therapie der Blutzuckerwert nach zwei Stunden um 20 mg/dl besser und unter einer Therapie mit Actos sogar um 23 mg/dl besser, während er in der Placebo-Gruppe gleich blieb.

Dr. Johannes Werzowa wird mit dem Jungforscherpreis von Austro Transplant ausgezeichnetDer Nüchternblutzucker (NBZ) verbesserte sich – vermutlich auch durch die Lifestyle-Intervention - in allen drei Gruppen. Am meisten unter Actos (um 11mg/dl), um 4mg/dl in der Placebo-Gruppe und um 3 mg/dl unter Galvus.

„Unter dem Sensitizer Actos ist die Insulinresistenz gesunken und die Wirksamkeit des Insulins angestiegen. Und unter Galvus wurde die Ausschüttung des Insulins forciert“, erklärt Dr. Werzowa. Und Dr. Säemann ergänzt: „Interessant war auch herauszufinden, dass Cortisonbehandelte – und das sind Transplantierte meist – ihre Zuckerspitzen nicht in der Früh sondern erst am Nachmittag haben.“

Die genauen wissenschaftlichen Ergebnisse sollen jetzt auch auf Fachkongressen präsentiert und in Fachzeitschriften veröffentlicht werden.

„Hier steckt die Forschung noch in den Anfängen,“ sind die beiden engagierten Forscher aus dem Wiener AKH überzeugt, hier auch weltweite Aufmerksamkeit zu bekommen. Das nächste Forschungsprojekt steht jedenfalls schon an: kontinuierliche Glukosemessung bei Nierentransplantierten. Wir werden darüber berichten.