Ärzteportraits

MIT HERZ UND HIRN IM MOORHEILBAD 

Ein Wiener mit burgenländischen Wurzeln ist Primar Dr. Johannes Püspök. Seit 30 Jahren werkt Püspök im Moorheilbad Harbach, einem idyllischen Fleckchen zwischen Mandelstein und Nebelstein im Waldviertel. Die kräftige Mischung aus prächtiger Natur, klarer Luft und heilkräftigem Hochmoor sind nicht bloß für Diabetiker bekömmlich.
 
Noch während des Studiums wurde der Arzt, Allgemeinmediziner und studierter Pädiater, für das Krankenhaus in Waidhofen an der Thaya angeworben. Ein Jahr im Unfallkrankenhaus Meidling zu Gange, gelang Püspök der Sprung zum gefragten Fachmann in Wundversorgung und Gips in Waidhofen – damals mit bloß 12 Ärzten und 250 Betten ein höchst intensiver Arbeitsalltag. In Kenntnis der Böhlerschule versorgte Püspök mit Leidenschaft, was ihm die anderen Ärzte mit Freuden überließen. Waidhofen folgte Zwettl und bald der Ruf nach Harbach – in die neu eröffnete Kuranstalt. Ab dem 1. Jänner 1981 pendelte Johannes Püspök von Zwettl für Untersuchungen der Kurpatienten ins Moorheilbad. In 25 Jahren Jahren wuchs die Institution von 180 auf 600 Betten an, rund 11.000 Patienten reisen heute jährlich zur Therapie an. Längst ist das Moorheilbad Harbach für die erfolgreiche Diabetes-Therapie bekannt. Was 1987 mit 26 Betten als Sonderkrankenanstalt in Harbach begann, wird seit 2009 im neu errichteten Lebensressort Ottenschlag – 200 Betten – fortgesetzt. Johannes Püspök, nunmehr ärztlicher Direktor beider Häuser, fährt täglich zwischen Harbach und Ottenschlag hin und her – betreut die Abteilungen für Stoffwechselerkrankungen und orthopädische Rehabilitation. „Ich mache als Pädiater in meiner Ordination in Waidhofen weiter, doch in Harbach und Ottenschlag habe ich so viele Betten und administrative Arbeit, dass ich die ärztliche Betreuung meinen Mitarbeitern überlassen muss.“ Doch der Primar ist höchst zufrieden und bescheiden: „Ich hatte großes Glück - in meinem Leben wurden mir die Dinge geboten, die mir wirklich Spaß machen. Wer mit Herz und Hirn im Beruf ist, wird immer die Möglichkeit haben, genau dort zu arbeiten, wo er hinpasst“.
 
Sein persönlicher Eindruck in über 23 Jahren Diabetes-Betreuung: „Die Betreuungslinie hat sich nachhaltig verbessert. 1987 haben wir ein Schulungssystem aus Minneapolis übernommen, das war ein Novum. Damals hatten wir noch das Zeitalter der Kohlehydrate-Vermeidung in der Diät. Von den Medikamenten, die es heute gibt, war keine Rede.“ Johannes Püspök erinnert sich auch mit Schrecken daran, wie wenig die niedergelassenen Ärzte über Diabetes und dessen Behandlung wussten. „Damals wurde einmal im Quartal der Nüchternblutzucker gemessen. Diabetes Typ 2 war bloß der Alterszucker, wurde belächelt und auf die leichte Schulter genommen.“ Heute ist Johannes Püspök schon beinahe selbst über den Fortschritt in der Behandlung beeindruckt: „Die Wertigkeit der Diabetes-Erkrankung hat sich in den Köpfen und Herzen völlig geändert – auch in der Wahrnehmung von Politikern. Es gibt Medikamente und Insuline für alle Lebenslagen, es gibt Betreuungsgesellschaften und Disease-Management-Programme.“ Doch besser kann und soll es freilich immer noch werden.
 
Wie entscheidend eine Therapie in einer Kurheilanstalt für die Patienten ist, kann Johannes Püspök aus drei Dekaden Erfahrung beurteilen: „Die Entfernung aus dem häuslichen Milieu ist für die körperliche Genesung und das soziale Wohlbefinden immens wichtig. Die Patienten lernen bei uns, auf sich zu achten.“
Das Moorheilbad Harbach - www.moorheilbad-harbach.at – wird nicht allein als Kurheilanstalt für Vertragspatienten genutzt, das Haus bietet u.a. spezielle Gesundheitsprogramme (z.B. Xundwärts Vitalitätsprogramm, aktuell die 30-Jahre-Jubiläumswoche) und Kurzurlaubsmöglichkeiten.
 
Das bisschen Freizeit, das sich der Primar gönnt, verbringt er mit Lesen und Sport. Seine vier Kinder sind erwachsen und außer Haus, mit seiner Ehefrau genießt Johannes Püspök die Freuden des Golfsports und Tennis – schwingt das Racket mit einer seit Jahren bestehenden Freundesrunde. „Das sind die Aktivitäten, wo ich zu mir finden und abschalten kann.“
Lange, intensive Spaziergänge mit dem Familienhund, einem Border Collie, gehören freilich dazu. Kommt Johannes Püspök auch noch zum Lesen, dann lieber gleich zu etwas „Trivialliteratur“, wie er es nennt. Zuletzt hat er die „Archive des Vatikan“ studiert und sich von der riesenhaften Verantwortung über mehr als 800 Betten abgelenkt.
Wenn Johannes Püspök einmal nicht mehr ist, wünscht er sich kein Denkmal, bloß: „Von meinen Freunden die Erinnerung an schöne gemeinsame Erlebnisse und von den Ärzten vielleicht das eine oder andere Mal: ‚Das hätte der alte Chef aber so gemacht’“.