Diabetes Austria
Unser Leben
Statt Streifen-Krieg nur Sturm im Wasserglas

BZ-Streifen im Burgenland: Jeder Patient bekommt weiter so viele, wie er braucht

Von Peter P. Hopfinger
 
Große Aufregung unter den Menschen mit Diabetes im Burgenland. Mitte Mai flatterte vielen von ihnen ein Schreiben der burgenländischen Gebietskrankenkasse in den Postkasten, der nichts Gutes verhieß. Von einer Mengenbeschränkung bei der Ausgabe von Blutzucker-Messstreifen war da die Rede. Verständlich, dass vor allem ältere insulinpflichtige Menschen ratlos waren, wie sie in Zukunft eine ausreichende Anzahl von Messungen durchführen oder gar selbst finanzieren sollten. Doch jetzt kommt die Entwarnung. Niemand, der wirklich häufig messen muss, wird auf Messstreifen verzichten oder sie gar selbst bezahlen müssen, versichert die BGKK.
 
Die 1939 geborene Ingrid Sctolla war entsetzt, als sie das Schreiben der BGKK las:„In den letzten Jahren musste die BGKK einen rasanten Anstieg im Verbrauch der Blutzucker-Messstreifen feststellen“, hieß es da und weiter: „Die Anzahl der verordneten Teststreifen pro Patient unter der Berücksichtigung der jeweiligen Therapie liegt bei den BGKK-Versicherten weit über den Werten, die die ÖDG (Österreichische Diabetes Gesellschaft) als Zahl der notwendigen Kontrollmessungen veröffentlicht hat.“...“Aus diesem Grund wird...ab 1. Mai 2010 eine Mengenbeschränkung bei den Blutzucker-Messstreifen erfolgen.“
 
 
In der Folge listet die BGKK die Maximalmenge für den Bedarf von drei Monaten penibel auf:
 
• Bei Einstellung mit Diät gibt es grundsätzlich gar keine Streifen. Die frühzeitige Therapieführung und die damit verbundenen Messungen sollen durch den Hausarzt durchgeführt werden.
 
• Bei einer oralen Therapie bewilligt die BGKK 200 Streifen pro Quartal. Hier empfiehlt die ÖDG nur rund 150.
 
• Und bei Patienten mit Insulintherapie bewilligt die Kasse des östlichsten Bundeslandes 350 Streifen pro Quartal, obwohl von der ÖDG nur 225 bis maximal 315 für drei Monate empfohlen werden.
 
Der entscheidende Satz steht nach dieser Auflistung und ist – obwohl fettgedruckt und unterstrichen – doch etwas sperrig und nicht leicht verständlich:
 
„Darüber hinausgehende Mengen sind durch ihre(n) Ärztin/Arzt medizinisch zu begründen und an den chefärztlichen Dienst der BGKK zu übermitteln. Eine entsprechende Information erging bereits vorab an alle burgenländischen Ärzte.
Für eventuelle Fragen steht ihnen Frau Fertsak unter der Telefonnummer 02682608/DW 2004 zur Verfügung.“
 
Nach Rücksprache mit dem stellvertretenden Chefarzt der BGKK, Dr. Werner Krischka, klärten sich die Wolken, die den verständlichen Spargedanken verdunkelten, blitzartig.
„Wir haben durchschnittlich 2.500 Messstreifen pro Quartal verordnet, in einem Fall waren es sogar 10.000 – der Mensch müsste mehr als 20 mal pro Tag messen“, erzählt Dr. Krischka aus der Praxis. „Natürlich soll kein einziger Patient, bei dem das sinnvoll ist, auf eine einzige Messung verzichten müssen und wenn wer 800 oder sogar 1.000 Streifen pro Quartal braucht und sein Arzt das auch begründen kann, wird er sie natürlich bekommen.“
 
Es liegt also am behandelnden Arzt, der von der BGKK bereits verständigt wurde, dass er den Anforderungsschein für die Blutzucker-Messstreifen mit der entsprechenden Begründung (z.B. FIT-Patient oder Patient verwendet Insulinpumpe) versieht. Dann sollte der ausreichenden Versorgung mit Messstreifen auch in Zukunft nichts im Weg stehen.
 
Für etwaige Verzögerungen oder Missverständnisse bei dieser jetzigen Maßnahme bittet man seitens der BGKK schon jetzt um Verständnis, aber unter uns: wenn man von 10.000 Streifen pro Quartal hört und selbst FIT-Patient ist, der zwischen vier und sechs Mal täglich misst, dann ahnt man schon – da besteht Einigkeit mit Dr. Krischka – dass damit zumindest eine ganze Familie durchgemessen wurde. Und das kann verständlicherweise nicht im Rahmen der Therapie für einen einzelnen Patienten stattfinden.
 
 
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Schreiben auch Sie uns Ihre Meinung!

Nadeln: Immer neu oder eine pro Ampulle?

Einfach oder mehrfach – das war die Frage in Bezug auf Lanzetten und Pennadeln, die wir im Hochsommer an Sie stellten. Zahlreiche Reaktionen bewiesen uns nicht nur, dass unsere Seiten und Newsletter auch im Hochsommer konsumiert werden. Unterschiedlicher könnte der Umgang mit den Stechgeräten freilich nicht sein. Von „jedes mal wechseln“ bis zu „eine Nadel pro Ampulle“ reicht das Spektrum. Auch Sie können sich noch an unserer Umfrage beteiligen. Schicken Sie uns einfach formlos ein paar Zeilen über Ihren persönlichen Umgang mit Lanzetten und Nadeln an office@diabetes-austria.com
  
 
 
Sparsam: bei Typ 2 zahlt die Kasse wenig
Da ich seit 1980 Diabetes 2 und keine Unterstützung von der GKK habe, muss ich die Teststreifen, Lanzetten, Messgerät selber besorgen. Auch jetzt da ich seit Juni 2010 probeweise auf Insulin umgestellt wurde, muß ich auch die Nadeln selber besorgen. Daher verwende ich die Lanzetten und die Nadel etwa fünf mal, danach tut das Stechen etwas weh. Walz Norbert
PS. Jetzt gibt es ja Messgeräte gratis, aber die Messstreifen haben ja ihren Preis. ;)
 
Folgsam: als Reisender achtet man auf Hygiene
Ich persönlich halte mich an die Anweisungen meiner Diabetesbetreuer in der Strohgasse und ich finde das richtig. Ich reise gerne, auch in nicht so „saubere“ Länder. Daher glaube ich dass es aus hygienischen (und auch physischen ) schon wichtig ist, jedes mal die Lanzette und die Spritzennadel zu tauschen. Richard Weiß
 
Lanzetten bis zu zehn Mal
Verwende die Lanzetten bis zu 10 mal, Nadeln ein zweites Mal, wenn die Nadel durch das Aufstecken der inneren Schutzhülse nicht beschädigt wird. Albrecht Rietsch
 
Eine Nadel/Ampulle, eine Lanzette/50er-Packung
Ich verwende seit ca. 10 Jahren eine Nadel pro Ampulle und eine Lanzette für eine 50er Packung Teststreifen. Bis jetzt ohne negativen Folgen. Auch ich verdächtige eine beabsichtige Umsatzsteigerung. Genauso wie es ohne Hilfsmittel nicht möglich ist, eine Ampulle ganz leer zu kriegen. Ich lege dann zum Schluss noch etwas hinein um den Kolben ganz nach unten drücken zu können. Herbert Röhrs
 
Einmal täglicher Wechsel
Die Nadel wechsle ich einmal täglich am Morgen, ich spritze dreimal täglich. Nächster Wechsel am nächsten Morgen. Ich spritze seit 2004 und habe keinerlei Hautprobleme damit. Die bevorzugten Stellen sind die Oberschenkel und weniger der Bauch, aber doch auch.
Wenn ich auswärts esse, spritze ich am Tisch durch den Hosenstoff, das aber nur in eher seltenen Fällen. Auch hier hatte ich noch nie Probleme.
Die Lancetten wechsle ich noch seltener, einmal wöchentlich ist schon viel. Zum Glück habe ich keine besonders empfindlichen Fingerkuppen.
Jedoch verwende ich auch drei separate Sets zum Blutzuckermessen, eines zuhause für die übliche Messung, eines in der Handtasche für unterwegs und eines am Nachttisch für Kontrollen in der Nacht, wenn es mir gefühlsmässig nötig erscheint. Das hat sich als sehr praktisch erwiesen. Diese sind jedoch alle von der gleichen Marke, da ich ja auch die Teststreifen nur für eine bestimmte Marke kostenlos bekomme. Ich hoffe, mit meinen Erfahrungen geholfen zu haben Elfriede Hitz Wien
 
Unbedingt jedesmal wechseln
Meinem Sohn wurde im Krankenhaus beigebracht, die Nadeln und Lanzetten öfters zu verwenden. Es hat viel Arbeit gekostet, ihm das wieder abzugewöhnen. Wenn man die mikroskopischen Bilder nach Gebrauch sieht, macht es sehr viel Sinn, beides nach einmaligem Gebrauch wegzuwerfen.
Man ist mit Diabetes schon gestraft genug. Infektionen und unnötige Verletzungen an den Einstichstellen sollte man vermeiden. Das wäre sparen am falschen Platz.
Schließlich muss man sich ein Leben lang mehrmals täglich stechen. Außerdem habe ich bei der Krankenkassenabrechnung gesehen, dass der Kostenfaktor nicht so groß ist. Da gibt es sicher genügend Einsparungspotential an anderer Stelle.
Karin Siebert-Gulle Bakteriologie, Mykologie und Hygiene Department für Pathobiologie Veterinärmedizinische Universität Wien
 
Geschäftemacherei
Zu der im Newsletter gestellten Frage, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich eine Lanzette bis zu 10x verwende, und dies schon über Jahre. Ich habe weder Entzündungen bekommen noch schmerzt der mehrmalige Gebrauch kaum mehr als eine neue Lanzette. Meiner Meinung nach ist es nur eine Geschäftemacherei der Pharmaindustrie. Alois Paul Jormannsdorf
 
 
  
 
v.l.n.r. ungebrauchte Nadel, nach einmaliger Verwendung, nach mehrmaliger Verwendung
 
 
Höchstens fünf Mal
Also, es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass da auch ein gewisses Gewinnstreben der Lieferanten dahintersteht. Ich selber habe festgestellt, dass ich eine Nadel schon bis zu 5x verwenden kann, mehr allerdings nicht, denn dann scheint diese stumpf zu werden und durchdringt die Haut nur mehr schlecht.
Aber auch aufgrund der so unterschiedlichen Aussagen von Lieferanten, Ärzten, Kassen usw. fällt es nicht leicht, jetzt einer Aussage Glaube zu schenken, denn auch wenn die Kassen vordergründig erst einmal bezahlen - im Endeffekt zahlen doch immer wieder die Versicherten selbst. Rudolf Ritt
 
Diabetes-Luxus – Nadeln und Lanzetten nur einmal
Ich verwende Nadeln und Lanzetten nur einmal (Ausnahme: Ich esse auswärts und muss nachspritzen, weil mein Appetit größer ist als ich ursprünglich annahm). Allerdings war ich eine Zeitlang verunsichert, weil mein Versicherung mir nahelegte, nicht für jede Insulininjektion eine neue Nadel zu nehmen.
 
Meine Meinung ist: Wenn ich mir schon mindestens 5mal pro Tag in den Finger und weitere 5mal in Bauch bzw. Oberschenkel stechen muss, dann wenigstens möglichst schmerzfrei. Das ist mein persönlicher Diabetes - Luxus. Waltraud Nießner Villach
 
Einmal pro Tag und einmal pro Woche
Ich verwende die Nadeln auch mehrmals und wechsle sie jeden Abend - an einem normalen Tag verwende ich sie also 5 - 6 Mal. Die Lanzetten wechsle ich auch täglich - sprich nach ca. 5 - 7 Messungen. Beim Langzeit-Insulin Lantus verwende ich eine Nadel immer eine Woche lang - 7 Injektionen. Bisher hatte ich noch keinerlei Probleme damit - habe aber schon überlegt, die Nadeln häufiger zu wechseln aufgrund der ständigen Hinweise auf eurer Website ... Ich verspüre beim Stechen keinerlei Schmerzen - wenn eine Nadel mal Schwierigkeiten macht, dann wird sie natürlich sofort gewechselt. Markus Preisinger
 
Nadelkontrolle und Wechsel der Spritzstellen
Also auch ich muss gestehen dass ich die Nadeln / Lanzetten auch nicht nach Einmalgebrauch entsorge. Die Nadeln beim Pen für das Bolusinsulin werden nach 3-maligem Gebrauch entsorgt, die Lanzetten spätestens nach 4-maligem Gebrauch.
 
Die Nadeln für den Pen Basisinsulin kommen nach 2-maligem Gebrauch weg
Allerdings entferne ich die Nadeln nach jedem Spritzen vom Pen. Stelle ich dabei fest dass die Nadel etwas krumm geworden ist wird sie immer entsorgt. Bisher habe ich an den Spritzstellen keine Veränderungen was auch am konsequenten Wechsel der Spritzstellen liegen dürfte. Schöne Grüße aus Deutschland. Oskar Helmer
 
Nadelwechsel nach Bedarf
Ich habe Diabetes Typ2 (Medikamente) und verwende eine Lanzette ca. 4-5mal. Sollte der Einstich aber zu schmerzen beginnen, wechsle ich die Lanzette auch früher. Norbert Heger Wien
 

Internationaler Vergleich

Übrigens: auch international sind die Gewohnheiten beim Wechseln durchaus unterschiedlich. In einer Umfrage aus dem Jahr 2004 (neuere Daten liegen leider nicht vor) erhoben Wissenschafter den Anteil der Diabetiker, die ihre Pen-Nadeln mehrfach verwenden. Obwohl Österreich nicht extra ausgewiesen wurde, kann man davon ausgehen, dass das Verhalten ähnlich wie bei den Kollegen aus Deutschland ist.
 
Anteil der Diabetiker, die ihre Nadeln mehrfach verwenden:
 
Frankreich           13 %
Holland                22 %
Italien                   23 %
England                65 %
Spanien                81 %
Deutschland          93 %
 
(Quelle: Roper Western Europe Diabetes Patient Survey 2004 from GfK Health Care)
 
 
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Mobile Diabetikerschulung in Vorarlberg

Ärzte und Berater kommen in die Gemeinden

Von Harald Frohnwieser
 
Vom Bregenzerwald bis zum Bodensee: Seit dem Frühjahr 2007 kommen Diabetikerberater und Ärzte in kleine Gemeinden Vorarlbergs, um pro Jahr bis zu 200 Diabetiker gezielt zu schulen. Im Diabetes Austria-Gespräch erzählt der aus München stammende Sportwissenschafter Stephan Schirmer von der aks Gesundheitsvorsorge GmbH, die die Schulungen von Bregenz aus organisiert, warum es dieses Projekt gibt, über welche Themen informiert wird und wo man über diese Schulungen informiert wird.
 
Diabetes Austria: Warum wurde dieses Projekt ins Leben gerufen?
Stephan Schirmer: Das Hauptproblem damals war, dass es für das Angebot an Schulungen viel zu viele Diabetiker Typ 2 in Vorarlberg gab. Dazu kam, dass sich viele Patienten nicht motivieren konnten, in eines der schulenden Spitäler zu fahren, da das sehr häufig eine Stunde Autofahrt bedeutet hätte. Wir gehen daher direkt vor Ort in die Dörfer und Gemeinden und zeigen den Patienten, wie sie mit ihrem Diabetes leben und umgehen können. Durch dieses wohnortnahes Angebot können wir die Anreise auch gleich mit den Teilnehmern thematisieren: Wer ist aktiv, also mit dem Rad oder zu Fuß gekommen? Zusätzlich legen wir großen Wert darauf, dass pro Schulung nicht mehr als zwölf Teilnehmer anwesend sind, denn nur so können wir auf die individuellen Probleme der TeilnehmerInnen wirklich adäquat eingehen.
 
 
Wer hält die Schulungen?
Aktuell arbeiten wir mit zwei Schulungsteams und einigen Reserveleuten. Die Teams bestehen aus einem spezialisierten Arzt, einem Diabetesberater und einer Ernährungsberaterin. Meistens sind zwei der Fachpersonen gleichzeitig vor Ort. Speziell im Bewegungsbereich haben wir unsere Teams nochmals intensiv geschult.
 
Wo finden diese Schulungen statt?
Die Gemeinden stellen uns die Räumlichkeiten zur Verfügung. Das kann direkt im Gemeindeamt sein oder in einem Feuerwehrheim oder in einer Schule, das ist ganz unterschiedlich.
Wie erfährt ein Diabetiker am Land von diesen Schulungen?
Das übernimmt die jeweils zuständige Gemeinde, indem sie Plakate aufhängt. Außerdem liegen unsere Schulungsfolder bei jedem Arzt in Vorarlberg auf. Die Ärzte werden von uns auch regelmäßig informiert, wann und wo eine Schulung stattfindet.
 
Wie erfährt ein Diabetiker am Land von diesen Schulungen?
 
Das übernimmt die jeweils zuständige Gemeinde, indem sie Plakate aufhängt. Außerdem liegen unsere Schulungsfolder bei jedem Arzt in Vorarlberg auf. Die Ärzte werden von uns auch regelmäßig informiert, wann und wo eine Schulung stattfindet.
 
Wer übernimmt die Kosten für diese Schulungen?
Die Kosten werden vom Land Vorarlberg übernommen. Die Teilnahme ist für die Diabetiker gratis.
 
Was genau passiert in den Schulungen?
Ganz wichtig für uns ist, dass die Leute nicht nur zwei Stunden lang dasitzen und zuhören sollen. Wir vermeiden Fachchinesisch und wollen, dass sie mitmachen und Fragen stellen. Über ihre Spritzen zum Beispiel, über ihr Messgerät oder über ihre Ernährung. Manchmal will auch jemand wissen auf was man achten soll, wenn man als Diabetiker ins Ausland fährt. Wir haben auch ein Bewegungsprogramm installiert – wie kommt der Diabetiker zum Sport und wie viel Sport ist sinnvoll. Wir klären in diesem Fall zum Beispiel auf, dass ein Mal joggen pro Woche gar nichts bringt. Es gibt auch Kaffee und Diabetikerkuchen.
 
Was raten Sie den Patienten?
Wir raten ihnen zur täglichen Bewegung. Denn: Spazierengehen ist für einen Diabetiker, der ja meist zu viele Kilos hat, ein Hochleistungssport. Da reicht oft schon eine halbe Stunde am Tag.
 
Veranstalten Sie auch Wanderungen?
Nein, wir organisieren keine Wandertage. Aber wir haben vor, schon in diesem Herbst zwei Bewegungsgruppen ins Leben zu rufen. Die werden zwar am Anfang von uns etwas angeschoben, sollen dann aber wie eine Selbsthilfegruppe eigenständig agieren und sich selber tragen. Wichtig ist, dass man miteinander aktiv ist und sich über die Krankheit austauscht.
 
Werden Diabetiker bei Ihnen auch richtig eingestellt?
Nein, das ist ausschließlich ausgebildeten Ärzten vorbehalten.
 
Kommen ausschließlich Diabetiker in die Schulungen?
Nein, auch die Angehörigen sind dazu eingeladen. Denn es bringt nichts, einen Mann, der noch nie selber gekocht hat, über eine vernünftige Ernährung aufzuklären. Diabetes ist auch ein Familienthema, denn gerade wenn es ums Essen oder um die Gesundheit geht, ist meist die Ehegattin des Diabetikers zuständig.
 
In Vorarlberg gibt es auch viele türkischstämmige Mitmenschen, die kaum Deutsch sprechen. Gibt es auch für sie solche Schulungen?
Wir veranstalten Info-Abende in türkischer Sprache. Das kommt extrem gut an, auch wenn häufig statt den Betroffenen die Angehörigen kommen – die Tochter für die Mutter oder die Ehefrau für ihren Mann.
 
Leisten Sie auch Präventionsarbeit?
Jein. Wir gehen zwar auch in Schulen, vermeiden es aber, über Krankheiten zu reden. Denn einem Kind, das viel zu wenig Bewegung macht und sich ungesund ernährt, ist es egal, ob es in fünf oder zehn Jahren Diabetes bekommt. Aber wir wollen ihnen vermitteln, dass Bewegung und gesundes Essen durchaus Spaß machen können.
 
Gibt es diese Art von Schulungen, wie Sie sie machen, nur in Vorarlberg?
Nein, die Tiroler fahren auch in die Dörfer und machen das sogar schon länger als wir. Bevor wir unser Projekt gestartet haben, haben wir uns mit ihnen zusammen gesetzt um von ihren Erfahrungen zu lernen.
 
Hat Diabetes in den letzten Jahren Vorarlberg zugenommen?
Wir befinden uns im Vergleich zu den anderen Bundesländern zwar im unteren Level, aber leider ist auch bei uns die Zahl der an Diabetes Erkrankten im Steigen. Deshalb ist es uns so wichtig, ein positives Erlebnis zu vermitteln: Ich kann meinen Diabetes unheimlich gut beeinflussen und kann den Schweregrad zurück führen, wenn ich mich vernünftig verhalte. Diabetes ist keine Sackgasse, es heißt nicht, dass ich mich, wenn ich daran erkrankt bin, mein Leben lang Insulin spritzen muss.
 
Fotos: Thomas Frohnwieser
 
 
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Helfen Sie Beatrix Mühlbacher auf einen lebenswerten Weg!

EIN LEBEN OHNE LEICHTIGKEIT

Ein Beserlpark in Wien Simmering. Beatrix Mühlbacher kommt beinahe jeden Tag in das kleine Grünareal. Allzu gern verlässt die 48jährige Wienerin ihre benachbarte Gemeindewohnung sonst nicht mehr, die depressiven Verstimmungen sind oft zu stark.
Mit ihrer 5-jährigen Katze Lucky, die noch mehr Schmuseeinheiten verteilt, wenn es ihrem Frauchen wieder schlechter geht, teilt Mühlbacher die Wohnung. „Meine Katze spürt das einfach“, weiß das Frauerl, eine gelernte Zuckerbäckerin und seit mehr als vier Jahren Diabetikerin Typ 2.
Ihren ursprünglichen Beruf hat Beatrix Mühlbacher die vergangenen Jahre schon gar nicht mehr ausgeübt, war stattdessen in einem Gastronomiebetrieb tätig – von der Buchhaltung bis zu Lieferungen erledigte sie so gut wie alles, arbeitete bis zu 80 Stunden pro Woche. Immer öfter Herzrasen, Angstzustände: „Meine Herzbefunde füllen ganze Mappen“.
 
Schuften, um das Überleben zu sichern. Die Alleinerzieherin musste ihren Sohn nicht bloß finanziell unterstützen. Der junge Mann, heute 24, war Lehrling eines Rauchfangkehrers und kam über einen älteren Gesellen zu seinem ersten Joint. Dabei blieb es nicht. Die Neugier zu groß, der Appetit auf synthetische Abenteuer immens – Ecstasy, Kokain, Heroin. Der Fernseher und andere Habseligkeiten verschwanden aus der Wohnung. Mühlbacher wurde stutzig und forderte eine Erklärung: „Mein Sohn hat unter Tränen zugegeben, dass er Drogen nimmt“. Gespritzt hat er die Substanzen nie, aber gesnieft.
Der 17-Jährige wurde süchtig, überfiel im Rausch sogar einen Nachbarn, der nur den Müll runter brachte und überhaupt kein Geld bei sich hatte – und den jungen Mann freilich kannte. Untersuchungshaft, statt Gefängnisstrafe ein verordneter Entzug.
„Ich habe viel mit meinem Sohn geredet, er sagte: ‚Mama, bei dir hat es mir nie an etwas gefehlt’. Er hat trotz all seiner Probleme immer Respekt vor mir gehabt.“
 
Beatrix Mühlbacher war immer die Starke. Der Kindesvater verließ die Familie als der Sohn gerade mal fünf Monate alt war – zu anstrengend und lästig. Mühlbacher pflegte und liebte ihr Kind, arbeitete bis zum Umfallen, um sich und den Kleinen gut über die Runden zu bringen.
Ein schönes Leben jenseits von Pflichten hat sie nicht gekannt: „Meinem Lebensgefährten waren die Probleme mit meinem Sohn zu viel, er war ein schwerer Alkoholiker. Ich habe mich von ihm getrennt, denn ich habe meinen Sohn geboren und kann ihn doch nicht einfach fallen lassen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als dem eigenen Kind zuzusehen, wie es verfällt.“
Die Stärke wich aus Mühlbachers Körper, als sie endlich loslassen durfte und ihr Sohn auf Therapie war. „Da hat die Psyche und mein Körper Tribut gefordert. Denn wenn man stark sein muss, dann ist man es. Und als mein Sohn in Sicherheit war, begannen die Herzprobleme von neuem.“ Panikattacken und Depressionen, Hilfe vom psychosozialen Dienst. Heute nimmt Beatrix Mühlbacher zusätzlich zu ihren Diabetes-Medikamenten (Glucophage, Mixtard, NovoMix) noch das Antidepressivum Seroxat.
 
In all den Jahren reich an Sorgen hat sich Mühlbacher viele Kilos „angefressen“ - „Ich habe Süßigkeiten in mich rein gestopft“. Sie ist rund um den Bauch, ihre Zähne sind nicht mehr gut.
Heute steht der Sohn wieder auf eigenen Füßen - ist gesund, hat einen Job, eine Frau und eine 3-jährige Tochter, die er von Anfang an gewickelt, gefüttert und mit viel Liebe versorgt hat. „Meine Enkelin ist ein richtiges Papa-Mädchen.“ Und die große Liebe ihrer Großmutter Beatrix Mühlbacher.
So schön die Wendung ihrer Lebensgeschichte auch hätte sein können, es wurde nicht besser und schon gar nicht leichter.
„Erst dachte ich an eine übergangene Grippe, trank acht Liter Wasser pro Tag, war müde und habe alles erbrochen. Ich wollte bloß ein Medikament von meinem praktischen Arzt, weil ich arbeiten gehen musste.“ Doch der Mediziner überwies Beatrix Mühlbacher ins Krankenhaus Lainz.
Der damalige Chef wollte Mühlbacher die Krankheit nicht glauben und nahm den Krankenstand als Affront. „Das machst du mir zu Fleiß“, ließ er seine Angestellte wissen. „Die Ernährungsberaterin im Spital war sehr überrascht, dass ich die Diagnose so gefasst aufnehme. Aber ich habe das 2006 gar nicht behirnt. Es wird mir erst heute so langsam bewusst, dass ich diese Krankheit habe. Ich weiß, mit dem Diabetes kann ein Mensch gut leben, aber wenn ich die Pens sehe, könnte ich weinen.“
 
Vor kurzer Zeit musste Beatrix Mühlbacher wieder ins Krankenhaus, diesmal ins Kaiser-Franz-Josef-Spital. Ihre Zuckerwerte waren schlecht, großflächige Hautinfektionen an ihren Armen wollten nicht heilen. „Jetzt ist mir die chronische Erkrankung erst richtig bewusst. Ich würde mich wirklich gerne mit viel Gemüse und Vollkornprodukten gut ernähren, aber mir fehlt das Geld.“
Nach Abzug ihrer Lebenserhaltungskosten, wie Miete und Strom, bleiben Beatrix Mühlbacher gerade mal 400 Euro. Viel zu wenig, um in der Großstadt Wien ein Monat lang einigermaßen normal leben zu können. Mit dem Pensionsvorschuss vom Arbeitsamt hält sich die Diabetikerin nur schlecht am Leben, ist längst an der Armutsgrenze angekommen. Mühlbacher kauft ihre Lebensmittel zumeist im Sozialsupermarkt in Favoriten. „Das ist schon sehr günstig, aber es gibt halt wenig Angebot und kaum Gemüse.“ Bei Tierarztkosten hat ihr die Tierecke der „Kronenzeitung“ geholfen. Mit seinem Job als Hilfsgärtner, kann Mühlbachers Sohn der Mutter kaum finanziell unter die Arme greifen.
Die Panikattacken sind gewichen, doch die Depression macht Mühlbacher ihr karges Leben zusätzlich schwer. Die Diabetikerin hat gravierende Schlafstörungen, schläft keine Nacht mehr durch. „Ich weiß, ich sollte eine Psychotherapie machen, aber ich habe gehört, dass die Wartezeit für einen Platz auf Krankenschein sehr lange ist.“
Zumindest hat Mühlbacher bei ihrem Hausarzt einen Kuraufenthalt für Diabetiker beantragt. Es bleibt zu wünschen, dass gerade ein Mensch, der so wenig Leichtigkeit und Freude im Leben gehabt hat, bald auf Kur fahren darf. Nicht viele soziale Kontakte sind Beatrix Mühlbacher geblieben, sie hat niemanden, mit dem sie über ihren Diabetes reden kann. Von der Kur erhofft sie sich Gleichgesinnte für Gespräche, Tipps, vielleicht sogar Freundschaften.
 
Das Verhältnis zu ihrer Schwiegertochter und dem Sohn ist gut und sehr familiär: „Meine Schwiegertochter kann sehr gut zuhören, mein Sohn drückt mich zu sich, aber er hält meine Probleme halt nicht so gut aus.“
Die kleine Familie und Lucky, die Katze, sind der Halt für Beatrix Mühlbacher. Im kleinen Simmeringer Beserlpark strickt sie Wollsocken für ihren Sohn – zum Interview trägt sie einen selbst gestrickten Pullover und hat auch Tischdeckchen mitgebracht. Handarbeiten sind ihre Passion, gerne würde Beatrix Mühlbacher ihre schönen Stücke verkaufen, denn auch Wolle und Garn sind teuer. Eine türkisch stämmige Nachbarin bewundert die Spitzendeckchen, aber Beatrix Mühlbacher ist heute nicht am Handeln interessiert und sie weiß, wie viel Arbeit in so einem Stückchen Garn steckt.
Ihre Ausbildung als Zuckerbäckerin hätte Beatrix Mühlbacher gerne zu einem Teil ihres Lebens gemacht, doch heute sieht sie dafür keine Chance mehr: „Das würde mich ja umbringen. Es ist ja schon so schwer genug, von Süßigkeiten zu lassen.“ Doch dann denkt sie nochmals lange nach: „Ich würde sehr gerne Spezialitäten für Diabetiker machen, doch in die Selbstständigkeit kann ich nicht gehen, das würde ich nicht schaffen“. Wenn sie andere Menschen finden könnte, die auch von zuckerfreien „Zuckerbäckereien“ träumen, könnte Beatrix Mühlbacher noch einmal neu ins Leben starten. Lange genug hat sie in der Gastronomie geschuftet, doch es geht auch anders. Mit ihrer Ausbildung und einem sicheren Konzept, ist die Idee verwirklichbar. Diabetiker, die keine Naschkatzen mehr sein dürfen, gibt es in Österreich ja zur Genüge.
 
Wer Beatrix Mühlbacher eine kleine Spende zukommen lassen möchte, hilft einem Menschen, der sehr viel Glück gebrauchen kann. Gleichgesinnte und Menschen, die bei ihrer Diät-Zuckerbäckerei-Idee helfen wollen, sind herzlich eingeladen, sich zu melden.
Beatrix Mühlbacher hat keinen Computer und kann nur ab und an ihre e-mails bei einem Bekannten ansehen.
 
 
Helfen Sie Beatrix Mühlbacher auf einen lebenswerten Weg!
 
Schreiben Sie an office@diabetes-austria.com wenn Sie eine Idee für Beatrix haben, oder ihr mit einer Spende helfen wollen.
 
 
 
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„Nachtdienst“ - Das witzigste Medizinkabarett Österreichs

Der neueste Streich des Kabarett-Duos Peter & Teutscher führt in die Welt des Kampfes um Leben und Tod, also in die Beziehung zwischen Arzt und Patient. Der gelernte Arzt Dr. Ronny Tekal-Teutscher und der begeisterte Bühnen-Patient Norbert Peter bringen Licht ins Dunkel der Nacht.
 
Haben die beiden Kabarettisten in ihrem letzten Programm „Nebenwirkungen“ noch ein Plädoyer für ebendiese gehalten, so zeigen sie nun, wie sich ein an sich tagaktives Wesen wie der Mensch, an die Nacht anpasst. Die bemerkenswerte Konstellation von müden Ärzten und wachen Patienten birgt durchaus humoristisches Potential.
 
Notaufnahme
Ärzte sind anders, Patienten auch. Es gibt demnach nur zwei Gründe, warum diese beiden Spezies in der Nacht aufeinander treffen können: Die nächtliche Notsituation des Patienten und die nächtliche Bereitschaft des Arztes. In Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen kann sich die Szene natürlich auch umkehren: Die finanzielle Notsituation des Arztes trifft auf die Bereitschaft des Patienten, sich behandeln zu lassen.
 
Und so verlegt der Kabarettdoktor seine Nachtdienste auf die Kabarett-Bühnen des Landes, diagnostiziert und behandelt und hat auch selber Patienten als Heimarbeit aus dem Krankenhaus mitgenommen. Denn auch Ärzte müssen sparen helfen.
 
Wenn die medizinische Versorgung durch Ärzte bald nicht mehr finanziell gesichert ist, wird man auf Paramedics zurückgreifen. Menschen wie du und ich, die mit ihrem Handy in der Hand in jenen Gebieten auf Streife gehen, wo Mediziner nicht mehr hinkommen: in abgelegenen Bergdörfern, Gemeindebauten und genau genommen überall außerhalb der Krankenhäuser. Sie sind mit ihrem Mobiltelefon das Bindeglied zwischen Patient und Arzt.
 
Survival im Krankenhaus
„Nachtdienst“, das Programm am Puls der Zeit und der Patienten erzählt von Menschen, die schlaflos von Seattle bis Scheibbs die Nachtambulanzen bevölkern. Hier spielen sich kleine und größere Dramen und Komödien ab, hier spielt das Leben. In der Nacht ist spürbar – wie schon ein bekannter Österreichische Barde klargestellt hat – „wie so vieles schnell an Wichtigkeit verliert“. Das macht die Behandlung erst so richtig interessant.
 
Peter und Teutscher haben sich im deutschsprachigen Raum als Medizinkabarettisten einen Namen gemacht haben und sind gern gesehene Gäste auf medizinischen Kongressen – als kabarettistisches Anschauungsmaterial. Sie geben hilfreiche Tipps für das Survival im Krankenhaus, eine Schulung für Erste Hilfe im Alltag und wählen den Patienten des Jahrhunderts. Mit dabei ist wieder die unverwechselbare Frau Amalie Kratochwill, 81, die endlich ihre medizinischen Erfahrungen kundtun darf und sich selbst an Patienten probieren
wird.
 
Als wissenschaftlich gesichert darf die positive Wirkung des Medizinkabaretts gelten. Lachen stärkt die Abwehrkräfte!
 
TERMINE:
 
18.9. Kulisse, 20.00 Uhr
25.9. Orpheum, 20.00 Uhr
24,10. Kulisse, 20.00 Uhr
1.11. Orpheum, 20.00 Uhr
15.11. Schutzhaus, 20.00 Uhr
21.11. Kulisse, 20.00 Uhr
22.11. Orpheum, 20.00 Uhr
21.12. Kulisse, 20.00 Uhr
 
Weitere Infos und Kurzvideos warten auf der Website: www.peter-teutscher.at
 
 
Humor und Diabetes
 
DiabetikerInnen neigen oft zu Depressionen, die dann wiederum schlechtere Zuckerwerte zur Folge haben. Daher empfehlen die meisten Therapeuten Menschen mit Diabetes gemeinsam mit anderen viel zu lachen und gute Laune zu entwickeln.
Gutes Beispiel: Magdalena Janecek, eine der Moderatorinnen unseres Chat-Rooms, hat im Rahmen der Aktiven Diabetiker Austria eine eigene "Spaß-Gruppe" gegründet. Magdalena: "Wir lassen uns von der Tatsache, dass wir an Diabetes erkrankt sind, die gute Laune nicht verderben."
Wer Interesse hat, schickt ein Mail an office@diabetes-austria.com. Wir leiten es dann an Magdalena weiter!
 
 
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Tiere sind die besten Therapeuten… 

von Harald Frohnwieser
 
Im niederösterreichischen Wolkersdorf therapiert Sabine Rauscher Kinder, die an Diabetes erkrankt sind. Die Helfershelfer der diplomierten Sozialarbeiterin und ausgebildeten Tiertherapeutin sind Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen und Schnecken.
 
Die kleine Anna ist zehn Jahre alt. Ihre Eltern haben sich vor einiger Zeit getrennt, ein heftiger Scheidungskrieg war die Folge. Das Mädchen hat sehr darunter gelitten, ihren Frust hat sie mittels Schokolade, Kuchen und Fast-Food zu verdrängen versucht. Die Folge: Anna bringt 60 Kilo Körpergewicht auf die Waage und wird deswegen von den Klassenkameraden verspottet. Doch dem nicht genug – Anna ist auch Diabetikerin und muss auch in der Schule zur Spritze greifen. Was sie noch weiter in die Außenseiterposition abdrängte. Klar, dass das Selbstbewusstsein des Mädchens endgültig in den Keller sacken ließ.
 
Als die Mutter des Mädchens dem Elend ihrer kleinen Tochter nicht mehr zusehen konnte, bat sie Sabine Rauscher um Hilfe. Die diplomierte Sozialarbeiterin ist Tierpädagogin und lebt in Wolkersdorf bei Wien. Hier lebt die Mutter zweier elf- und achtjähriger Töchter mit dem phlegmatischen Berner Sennenhund Crazy, dem lebhaften Tiber-Terrier Obelix, zwei Katzen, zwei Kaninchen, drei Meerschweinchen und zwei Schnecken in einem schmucken Haus mit Garten. Die jüngere Tochter von Sabine Rauscher, Katharina, leidet selbst an Diabetes Typ 1, die Krankheit wurde bei ihr mit vier Jahren diagnostiziert. Katharinas Erkrankung war es auch, die Sabine Rauscher auf die Idee brachte, mit Kindern, die an Diabetes leiden, zu arbeiten. 2007 absolvierte sie einen Universitätslehrgang für tiergestützte Therapie und Tiergeschützte Fördermaßnahmen, danach noch eine weiterführende Fachausbildung in der Arbeit mit Kleintieren.
 
Was kann eine Tiertherapie bei Kindern mit Diabetes bewirken? „Ich kann natürlich keine Werte senken und will auch den Ärzten nicht ins Handwerk pfuschen“, stellt Sabine Rauscher klar, „aber ich will die Kinder für den Alltag fit machen, ihr Selbstbewusstsein stärken. Und das geht mit Tieren sehr gut. Denn je selbstbewusster ein Kind mit seinem Diabetes umgeht, umso besser gehen auch die Freunde, die Mitschüler und die Lehrer damit um.“
 
Ihre Arbeit teilt Sabine Rauscher in acht Module ein:
 
1. Annäherung an das Tier. Das Kind lernt hier zu beobachten, übt sich in Geduld, muss warten, bis der Hund oder die Katze Vertrauen entwickelt.
 
2. Belastung und Stress. Die Arbeit mit dem Tier beginnt. Wie schnell folgt es dem Kind?
 
3. Ernährungsspiel. Karten, auf denen Nahrung (Obst, Pizza etc.) abgebildet ist, werden auf dem Boden aufgelegt, die Meerschweinchen aus dem Käfig geholt und dazugesetzt. Bei jeder Berührung der kleinen Nager mit einer Karte muss das Kind sagen, ob es in diesem Fall (Banane oder Zitrone etc. zeigt) Insulin spritzen muss oder nicht.
 
4. Bewegung und Sport. Das Kind tollt mit dem Hund im Garten oder geht mit ihm spazieren. Hier wird am Anfang und am Ende der Blutzucker gemessen. Das Kind sieht also ganz genau, wie ausreichende Bewegung den Blutzuckerspiegel senkt.
 
5. Stärkung des Selbstwertgefühls. Hier wird vor allem mit zwei Pferden, die Sabine Rauscher angemietet hat und die sich besonders für diese Therapie eignen, gearbeitet. „Es ist für ein Kind schon ein sehr erhebendes Gefühl, wenn es auf dem Rücken eines Pferdes sitzt, noch dazu, wo es vorher vielleicht Angst davor hatte. Hier geht es auch um die Frage, wo ist mein Platz, wo meine Position“, so Sabine Rauscher.
 
6. Körperwahrnehmung. Dem Kind werden die Augen verbunden, dann wird ihm eine Schnecke auf den Arm gelegt. Nun muss das Kind erkennen, ob und wie sich die Schnecke bewegt. Dadurch lernt das Kind, auf seine Körpersignale (z.B. bei Unterzuckerung) zu achten.
 
7. Kommunikation 1. Viele Kinder können oft nicht über sich und ihre Ängste reden. Sabine Rauscher: „Das findet hier solange über das Tier statt, bis es das Kind gelernt hat.“ Beispiel: Das Kind macht einen niedergeschlagenen Eindruck. Die Therapeutin spricht das Kind aber nicht direkt darauf an, sondern sagt etwa: „Ich glaube, der Hund (die Katze, das Kaninchen) fühlt sich heute nicht besonders wohl.“ Oft erkennen sich die Kinder darin selbst und beginnen dann über sich zu reden.
 
8. Kommunikation 2. Hier geht es darum, wie das Tier – meist einer der beiden Hunde von Sabine Rauscher – auf den Tonfall des Kindes reagiert. Das Kind lernt, wie wichtig der richtige Tonfall ist.
 
Ein großes Anliegen für Sabine Rauscher ist auch, dass die Geschwisterkinder in die Therapie mit eingebunden werden. „Die kommen oft wegen der Erkrankung der Schwester oder des Bruders zu kurz. Hier ist wichtig, deren Position zu bestimmen. Wenn beide mit einem meiner Hunde spazieren gehen, dann wird es schnell klar, wer der Hundeführer ist.“ Und weiter: „Ich arbeite mit den Kindern auch an der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten. Denn die sind notwendig, wenn sie sich außerhalb von zu Hause selbst spritzen müssen.“
Billig ist die Therapie (in der Regel sind zehn Einheiten notwendig) zwar nicht, eine Stunde kostet 50 Euro, aber: „Die Kosten für mich sind auch ziemlich hoch. Die Tiere brauchen Futter, meine beiden Hunde haben eine eigene Therapieausbildung und das Mieten der Pferde ist auch nicht billig“, begründet Sabine Rauscher den Tarif.
 
Doch das Geld ist gut angelegt. Die Kinder lernen durch den Umgang mit Hund, Katze, Meerschweinchen oder Kaninchen nicht nur, ihren Selbstwert zu steigern und so ihre Krankheit zu akzeptieren, sondern entwickeln auch eine gehörige Portion Lebensfreude. Das merkt man Sabine Rauschers Tochter Katharina an. Die Achtjährige spürt sofort, wenn mit ihrem Körper etwas nicht in Ordnung ist und wendet sich dann sofort an ihre Mutter oder an ihre um drei Jahre ältere Schwester Isabella. Auch wenn sie sich manchmal zanken, verstehen sich die beiden Mädchen prächtig. Der Umgang mit den Vierbeinern hat daran sicher einen großen Anteil. Denn wie heißt es so schön: Tiere sind die besten Therapeuten…
Kontakt:
 
Sabine Rauscher
Tel.: 0676/56 11 445
 
 
 
 
 
Fotos: Thomas Frohnwieser
 
 
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Der Kärntner Arzt Dr. Peter Kitzler erläuterte die komplexen Hintergründe

Wie treu sind Diabetiker ihrer Therapie - und warum nicht?

Von Peter P. Hopfinger
 
Die Situation kennen viele Arztbesucher. Der Mediziner schaut streng über den Rand seiner Brille und hebt mahnend Stimme und Zeigefinger: „Na, da haben´s wieder meine Anordnungen nicht befolgt.“ Tatsächlich ist die mangelnde Treue zur verordneten ärztlichen Therapie gerade bei Langzeitpatienten ein bekanntes Phänomen. Der Kärntner Arzt Dr. Peter Kitzler erläuterte bei einem Treffen der Aktiven Diabetiker Austria in Bad Gastein die Hintergründe. Sein Fazit: an mangelnder Therapietreue sind Ärzte und auch Patienten schuld. Kitzlers Forderung: Der Umgang miteinander muss verändert werden.
 
 
Die Zahlen sind durchaus irritierend: Nur etwa ein Drittel der Typ-2-Diabetiker in der USA haben einen HbA1c- Wert < 6,5 %. Je nach Studie nehmen nur zwischen 36 und 93% der Typ 2 Diabetiker die oralen Antidiabetika wie verordnet ein. Dr. Kitzler, er ist Diabetologe mit dem Spezialgebiet Kinder: „ Hauptproblem bei Kindern mit Insulinpumpentherapie ist die nicht adäquate Abrufung des Mahlzeitenbolus. Die spritzen einfach zum Essen nichts.“
 
Was relativ harmlos klingt, hat jedoch nachhaltige Folgen: Eine geringe Therapietreue ist mit häufigeren Arztbesuchen, einer Therapieintensivierung, Notfallaufnahmen und anderen Komplikationen verbunden. Das führt wieder unweigerlich zu höheren Versorgungskosten. In Computermodellen wurde errechnet: Eine Verbesserung der Therapietreue um nur 10%, würde die Versorgungskosten um mindestens 8,6% senken.
 
Aber auch für den einzelnen Patienten lohnt die Therapietreue. In mehreren aufwändigen Studien wurden „brave“ und „schlimme“ Patientengruppen untersucht und beobachtet. Dabei gab es durchaus Überraschungen. Denn mitunter lagen Werte wie der Langzeit-Zuckerwert HbA1c oder Blutdruckwerte gar nicht so weit auseinander. Allerdings: bei der Sterblichkeit wurden doch deutliche Unterschiede zwischen kooperierenden und ignoranten Patienten festgestellt.
 
Woran liegt es, wenn Patienten verweigern?
 
Die Ursachen für die mangelnde Mitarbeit von Patienten sind vielfach und durchaus nicht nur bei den Betroffenen zu suchen. Sie werden in bewußte und unbewußte Gründe eingeteilt:
 
BEWUSSTE
INFORMATIONSMANGEL, ARZT-MISSTRAUEN, MEDIKAMENT-MISSTRAUEN, ANGST VOR NEBENWIRKUNGEN, BEQUEMLICHKEIT, SORGLOSIGKEIT UND SCHLIEßLICH SOZIALE ASPEKTE.
 
UNBEWUSSTE lesen sich so:
ALTER, KOGNIVITÄT, MULTIBORBIDITÄT, ANZAHL DER MEDIKAMENTE, DAUERTHERAPIE UND EBENFALLS SOZIALE ASPEKTE.
 
Dr. Kitzler: „Ein Grund für das Misstrauen gegenüber dem Arzt liegt aber nicht notwendigerweise beim Patienten. Da sind auch die Kollegen gefordert, vertrauensbildende Maßnahmen zu setzen und über das veraltete Verhältnis zwischen Arzt und Patient nachzudenken.“

KLEINES GLOSSAR

COMPLIANCE DIE MEDIZIN SPRICHT VON COMPLIANCE, WENN DER PATIENT IM RAHMEN EINER THERAPIE KOOPERATIV IST, ALSO MITARBEITET.
 
NON – COMPLIANCE PATIENT IST NICHT KOOPERATIV
 
INTELLIGENTE NON – COMPLIANCE PATIENT ERKENNT, DASS DIE THERAPIE FALSCH IST etc.
 
ADHÄRENZ: DIE EINHALTUNG DER GEMEINSAM VOM PATIENTEN UND ARZT GESETZTEN THERAPIEZIELE. IST DAS AUSMAß, IN WELCHEM DAS VERHALTEN (VERHÄLTNIS) DES PATIENTEN BEI DER MEDIKAMENTENEINNAHME BEI DER EINHALTUNG DER ERNÄHRUNGSEMPFEHLUNGEN UND BEI DER UMSETZUNG VON LIFESTYLE – ÄNDERUNGEN MIT DEN AKZEPTIERTEN EMPFEHLUNGEN EINES „HEALTH CARE PROVIDERS“ ÜBEREINSTIMMT. THERAPIETREUE!!
 
KONKORDANZ: AUFBAUEND AUF GEMEINSAME ERFAHRUNGEN BEIDER PARTNER (ARZT UND PATIENT) ENTSTEHT EINE ART PARTNERSCHAFT. NICHT IMMER MÖGLICH, DENN NICHT JEDER PATIENT WILL (KANN) IN SEINE THERAPIE INVOLVIERT WERDEN:
 
 
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So verändert Übergewicht unsere Organe

 

 
ZERDRÜCKTE LUNGEN, ANGESCHWOLLENES HERZ...
 
DAS TUT ÜBERGEWICHT DEN ORGANEN AN
Magnetresonanzbilder zweier Frauen: Die linke wiegt 111 kg, die rechte 54 kg. Im Inneren der beiden sind deutliche Unterschiede bei Muskeln (in Rot dargestellt), Knochen (weiß), Organen (schwarz) und Fett (gelb) zu sehen.
Etwa 54 Kilo wiegt die rechte Frau, der Oberkörper ist birnenförmig, die Organe normal groß. Die gelben Bereiche zeigen das Fett, das sich bei der dicken Frau links um die Organe herum angesammelt hat. Das Innere des Oberkörpers wirkt apfelförmig, deutlich ist das vergrößerte Herz zu erkennen.
 
Die Bilder stammen von Prof. Jimmy Bell vom Imperial College in London und dem Orthopäden Mike Hayton sowie dem Radiologen Waqar Bhatti vom Alexandra Hospital in Cheadle (Manchester). Sie erklären, was genau zu viel Fett unseren Organen antut.
 
Beispiel Nacken, das Problem sind Kopfschmerzen und Schnarchen
 
Hayton: „Fett setzt sich überall an, vor allem an Kopf und Hals, speziell am Nacken. Zu viel Fett drückt auf die Nerven, kann Kopf- und Nackenschmerzen verursachen.“ Dies verdeutlicht auch eine US-Studie an mehr als 143 000 Menschen, in der sich herausstellte, dass vor allem Übergewichtige vermehrt an chronischen Kopfschmerzen leiden.
Bhatti: „Die gelben Felder rechts und links des Nackens der dicken Frau zeigen deutlich, dass sich eine dicke subkutane (dt.: unter der Haut) Fettschicht dort aufbaut. Das wird mit der Zeit die Atemwege zusammendrücken und zum Schnarchen führen.“
Übergewicht ist generell ein Risikofaktor für Schlafapnoe, d.h. Atemstillstand während des Schlafs, was zu Konzentrationsschwierigleiten, Mattigkeit, Kurzatmigkeit, hohem Blutdruck und angeschwollenen Beinen führen kann. Auf lange Sicht erhöht es das Risiko für Schlaganfall, Bluthochdruck und Sekundentod.
 
Was Übergewicht den Organen antut
 
Beispiel: Lunge
Problem: Atemprobleme, Kurzatmigkeit
Auch wenn es so aussieht, als hätten die Lungen beider Frauen die gleiche Größe – der dickeren Frau erschwert das Gewicht ihrer Lunge das Atmen. Bhatti: „Jede Art von Fett im Bauch schiebt sich unweigerlich nach oben Richtung Lunge, wenn die Person flach liegt, was zu Atemnot führen kann.“ Und je schwieriger das Atmen fällt, desto problematischer ist es, genug Sauerstoff in den Blutkreislauf zu bekommen. Das führt zu Mattigkeit, einem angeschlagenen Immunsystem und hohem Blutdruck.
 
Beispiel: Hüften
Problem: Arthritis, Krampfadern
Hayton: „Übergewicht bedeutet, dass die Hüftgelenke mehr zusätzliches Gewicht zu tragen haben. Dadurch verschleißen sie eher und sind anfälliger für Arthritis.“ Folge: Haltungsfehler und ein ungesunder Gang, Krampfadern und Gelenkentzündungen. Für übergewichtige Patienten ist zudem eine Hüft-OP körperlich anstrengender als für Normalgewichtige, sie leiden laut US-Studien häufiger an Komplikationen wie Herzinfarkt, Wund- und Harnwegsinfektionen.
 
Beispiel: Herz
Problem: Anfälligkeit für Herzprobleme
Bell: „Übermäßiges Fett ist gefährlich, wenn es sich um die Organe herum anlagert. Das kann einen von innen heraus vergiften.“ Grund: Das Fett sondern Substanzen ab, die mit Herzkrankheiten, Diabetes und einigen Krebsarten in Verbindung gebracht werden. Im Scan der dickeren Frau ist das vergrößerte Herz deutlich zu erkennen – es sieht aus wie eine rot-schwarze Träne, die zwischen den Lungenflügeln eingesperrt ist. Problem: Ein vergrößertes Herz pumpt das Blut nicht richtig durch den Körper, es kommt zu Kurzatmigkeit und Müdigkeit, dauerhafte Herzfehler können entstehen.
 
Beispiel: Füße
Problem: Aufgeriebene Fersen
Hayton: „Müssen die Füße das Zweifache des Gewichts tragen, für das sie eigentlich gemacht sind, bedeutet das, dass der Betroffene unter aufgeriebenen Fersen leiden wird.“ Wie die Harvard Medical School herausfand, übt Übergewicht einen großen Druck auf die Plantar fascia aus (faserartiges Bandgewebe auf der Unterseite des Fußes). Folge: Entzündungen, die beim Laufen einen stechenden Schmerz verursachen.
 
Beispiel: Knie
Problem: Arthritis
Knie und Knöchel von Übergewichtigen müssen Gewicht tragen, für das sie nicht geschaffen sind. Sie haben daher ein 14fach erhöhtes Risiko für Osteoarthritis (Entzündung, die vom Knochen auf ein Gelenk übergeht). Grund: Der zusätzliche Druck trägt langsam den Knorpel ab – d.h. die natürliche Schicht, die Erschütterungen vom Knochen abfedern soll. Zusätzliches Fett am Oberarm bedeutet eine Mehrbelastung für das Schultergelenk.
 
Quelle: Imperial College, London, Alexandra Hospital in Cheadle (Manchester).
 
 
 
 
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Schmerzbekämpfung: Wenn Diabetes weh tut

„Wenn man über 40 Jahre alt ist und morgens ohne Schmerzen aufwacht, ist man tot“, lachte man über einen lockeren Spruch, als unsereins noch zu den Unter-Vierzigjährigen gehörte. Mittlerweile weiß man, dass darin – wenn auch zum Glück nicht jeden Tag – eine durchaus kräftige Portion Wahrheit steckt. Unter den besonders betroffenen Patienten sind naturgemäß auch viele mit Diabetes.
 
Die Zahl der chronischen SchmerzpatientInnen wächst überproportional an und zunehmend handelt es sich um immer jüngere PatientInnen. Rund 1,5 Millionen ÖsterreicherInnen - das sind 21% der Gesamtbevölkerung über 16 Jahre - leiden an chronischen Schmerzen, die drei Monate oder länger andauern.
 
Vier von fünf PatientInnen haben pro Woche mindestens eine psychosomatische Beschwerde, die in der Regel von massiven Schmerzen begleitet wird. Aber: Schmerz ist ein fester Bestandteil unseres Lebens und hat eine lebenserhaltende Bedeutung.
 
Schmerzäußerungen müssen immer ernst genommen werden, denn der Verlust der Gesundheit ist eine emotionale Belastung und oft leidet die ganze Familie darunter!
 
Menschen mit chronischen Schmerzen sind einem großen Leidensdruck ausgesetzt und entwickeln zusätzlich psychische Probleme. Sie ziehen sich zurück und werden inaktiv. Menschen mit chronischen Schmerzen müssen effektiv von ihren Schmerzen befreit werden und bedürfen intensiver interdisziplinärer Hilfe.
 
Wenn das gelingt ist es möglich, mit chronischen Schmerzen so auszukommen, dass man wieder von Lebensqualität und einer Verbesserung der gesamten Lebenssituation sprechen kann!
 
Wenn Diabetes an die Nerven geht
 
Herzinfarkt und Schlaganfall sind wohl bekannte Folgeerkrankungen der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Weniger bekannt ist, dass Diabetes auch die Nerven schädigen kann. Typischerweise verlieren DiabetikerInnen das Gefühl in den Füßen, was häufig über unbemerkte Verletzungen und Infektionen zur Amputation führt.
 
Seltenere Symptome der diabetischen Nervenschädigung sind brennende, bohrende, ziehende oder stechende Schmerzen oder Missempfindungen wie Kribbeln und „Ameisenlaufen“. Dies führt zu einer starken Belastung und mindert die Lebensqualität der Betroffenen deutlich. Schlafstörungen beeinträchtigen Arbeits- und Leistungsfähigkeit massiv. In weiterer Folge gesellt sich zu diesen Problemen fast immer eine Depression.
 
Problematisch ist, dass die Beschwerden der PatientInnen von den behandelnden ÄrztInnen häufig nicht mit Diabetes in Verbindung gebracht werden
 
„Normale“ Schmerzmedikamente helfen den Betroffenen gar nicht. Es dauert oft viele Monate und Jahre, ehe die richtige Diagnose - schmerzhafte diabetische Neuropathie - gestellt wird.
 
Das ist umso erstaunlicher, als eine kurze Untersuchung der Füße und ein einfacher Fragebogen mit einem Zeitaufwand von wenigen Minuten die Diagnose weitgehend absichern. Diese Untersuchung kann jede/r AllgemeinmedizinerIn durchführen.
Die endgültige Bestätigung der Diagnose „schmerzhafte diabetische Neuropathie“ erfolgt dann durch die/den FachärztIn für Neurologie.
 
Die Behandlung der schmerzhaften diabetischen Neuropathie ist schwierig und bedarf der langfristigen Zusammenarbeit von ÄrztIn und PatientIn.
 
Therapieziel ist die Reduktion der Schmerzen um 50 Prozent!
 
In den letzten Jahren sind zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gekommen, die neuropathische Schmerzen bei DiabetikerInnen lindern können. Die Auswahl der Medikamente richtet sich nach etwaigen anderen Leiden der PatientInnen sowie nach der langfristigen Verträglichkeit. Häufig müssen mehrere Medikamente kombiniert werden um das Therapieziel - nämlich eine Reduktion der Schmerzen um mehr als 50% - zu erreichen.
 
Abhängigkeit von Schmerzmitteln
 
Obwohl Menschen bei ärztlichen Verordnungen Beipacktexte der Medikamente sehr kritisch lesen, hat man den Eindruck, dass genau
diese Informationen bei Selbsteinnahme von Schmerzmitteln
insbesondere aus der Reihe der so genannten nicht steroidalen Antirheumatika gar nicht oder nur oberflächlich eingeholt werden.
 
Man nimmt einfach das ein, was leicht verfügbar ist, was einem Freunde/Verwandte empfehlen und was man selbst vielleicht schon mit Erfolg eingenommen hat
 
Nebenwirkungen der nicht steroidalen Antirheumatika können Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt, aber auch Nierenepithelschäden sein.
 
Bei ärztlicher Verordnung werden diese Nebenwirkungen berücksichtigt, bei dauerhafter Einnahme Laborkontrollen durchgeführt und eventuell auch Stuhluntersuchungen auf Blut verordnet, um Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen und einen Medikamentenwechsel vorzunehmen.
 
Obwohl die Kooperation zwischen ÄrztInnen und ApothekerInnen sehr
gut ist und es selten unterlassen wird, PatientInnen mit Aushändigung
der Medikamente über mögliche unerwünschte Nebenwirkungen zu informieren, sofern diese von ÄrztInnen verordnet wurden, unterbleibt diese Information sehr häufig bei so genannten OTC-Präparaten, die ohne Verschreibung erhältlich sind.
 
Es ist hier wohl anzumerken, dass letztere Präparate - weil man ihnen eben weniger Nebenwirkungen zuschreibt - ohne ärztliche Verordnung erhältlich sind. Diese scheinbar harmlosen Medikamente sind nur für kurzfristige Selbstbehandlungen und vornehmlich bei akuten Schmerzen als einmalige oder mehrmalige, keineswegs aber als Dauereinnahme gedacht!
 
Die oft als Sucht machend eingestuften Opioide werden hinsichtlich
ihrer Nebenwirkungen bei weitem überschätzt, da für diese Medikamentengruppe der Körper ja eigene Rezeptoren besitzt und
bei ärztlich verordneter Einnahme keinerlei Organschäden zu erwarten sind. Die in den Beipacktexten immer wieder ausgewiesene Atemdepression tritt nur ein, wenn Überdosen eingenommen werden und
sind daher bei ärztlich kontrollierter Therapie nicht zu erwarten.
 
So genannte Co-Analgetika wie Antidepressiva und Antikonvulsiva sind generell verschreibungspflichtig, können daher - wenn überhaupt - nur dann als Selbstmedikation eingesetzt werden, wenn sie von Patient zu Patient weitergegeben werden.
 
Die Einnahme von Medikamenten, die Verwandte/Bekannte und Freunde vielleicht nach einer abgebrochenen Therapie noch besitzen, dürfen keineswegs in Form einer Selbstverordnung oder eines Selbstversuches eingenommen werden!
 
Hervorzuheben ist, dass auch das Beimischen von Schmerzmitteln zu einer bereits bestehenden ärztlichen Therapie überaus gefährlich ist.
Substanz- bzw. wirkungsähnliche Medikamente können unter vollkommen anderem Namen und daher vermeintlich unterschiedlich gemischt werden, letztlich aber aufgrund der Zugehörigkeit zur selben Substanzklasse dieselben Nebenwirkungen aufweisen und daher bei Mehrfacheinnahme und Kumulation zu katastrophalen Nebenwirkungen führen!
 
Die Einnahme von Medikamenten sollte grundsätzlich nur nach ärztlicher Verordnung erfolgen und wann immer Unklarheiten bestehen, auch die ExpertInnenmeinung von ApothekerInnen eingeholt werden.
 
Experten-Hilfe bei CONTRA DOLOREM
 
Die bundesweit tätige, gemeinnützige und nicht gewinnorientierte „Österreichische Arbeitsgemeinschaft zur Schmerzbekämpfung & Schmerzforschungszentrum CONTRA DOLOREM“ unterstützt Betroffene und deren Angehörige mit rascher und kompetenter Information über die verschiedensten Ursachen der Schmerzentstehung sowie über angebotene Therapien österreichischer Schwerpunktinstitutionen.
 
CONTRA DOLOREM ermöglicht in enger Zusammenarbeit mit ÄrztInnen unterschiedlicher Fachrichtungen, PsychologInnen, PhysiotherapeutInnen, SozialpädagogInnen, MusiktherapeutInnen und SozialarbeiterInnen die Durchführung ausführlicher Beratungen und das Aufzeigen individueller Lösungsansätze.
 
Ziel jeder Schmerztherapie muss die Schmerzprävention bzw. die Schmerzreduktion auf ein individuell akzeptables Schmerzniveau sein.
 
CONTRA DOLOREM - SchmerzexpertInnen helfen rasch und unbürokratisch. CONTRA DOLOREM ist seit 2002 beratend und unterstützend tätig.
 
CONTRA DOLOREM – Schmerztelefon: 0650 80 80 800
 
Am so genannten CONTRA DOLOREM - Schmerztelefon oder per E-Mail werden persönliche Anfragen aus allen Bundesländern beantwortet. Diese Kontaktmöglichkeiten – auf Wunsch auch anonym - stellen eine wichtige Kommunikationsquelle für immobile PatientInnen dar.
 
Auszeichnungen:
2007: "Preis der Menschlichkeit“ der Stadt Wien
2009: Anerkennungspreis im Rahmen der Verleihung
des Gesundheitspreises der Stadt Wien
 

Letzte Meldung:

Chili-Schärfe gegen Schmerzen

Jene Substanz, die dem Chili seine Schärfe gibt, könnte schon bald als Schmerzmittel in der Medizin Verwendung finden. Das so genannte Capsaicin soll Schmerz bereits an seiner Wurzel packen. Im menschlichen Körper haben die Forscher der University of Texas in San Antonio Substanzen entdeckt, die dem Capsaicin sehr ähnlich sind. Blockiert man die Produktion dieser, dann verschwinden selbst chronische Schmerzen.
 
Capsaicin sorgt dafür, dass einem nach dem Genuß von Chili der Mund brennt. Ausgelöst wird dieses Brennen durch die Bindung an Rezeptoren, die in Zellen im Körper verteilt sind. Ähnliches geschieht, wenn der Körper verletzt wird. Dabei werden Capsaicin-ähnliche Stoffe – Fettsäuren namens Oxidierte Linolensäure Metaboliten (OLEM) - produziert, die über Rezeptoren den Schmerz verursachen.
 
Forschungsleiter Kenneth Hargreaves und sein Team haben nun versucht,diesen Schmerzweg zu blockieren. In Mäuseversuchen im Labor konnten die Forscher feststellen, dass beim Ausschalten eines Gens für den Vanilloid-Rezeptor (TRPV1) die Sensitivität für das Capsaicin wegfiel.
 
In vorhergehenden Untersuchungen haben Forscher am Barrow Neurological Institute festgestellt, dass die Vanilloid-Rezeptor-Unterfamilie der Ionenkanäle, die in der Zellmembran verortet ist, für das Schärfeempfinden von Chili verantwortlich ist.
 
"Mit diesem Wissen können wir die Mechanismen des Schmerzes besser verstehen", meint der Forscher. Zudem gebe es auch einen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Schmerzmedikamente. "Wir haben eine völlig neue Familie von endogenen Capsaicin-ähnlichen Molekülen entdeckt, die auf natürlicher Weise bei Verletzungen freigesetzt werden", so der Forscher.
 
"Wesentlich ist zudem auch, dass wir wissen, wie wir diese Mechanismen mit Substanzen, die nicht abhängig machen, blockieren können", erklärt Hargreaves. Nun bleibe die Hoffnung, dass man mit diesen Substanzen verschiedene Arten von chronischen Schmerzen behandeln kann.
 
 
 
 
 
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Im Dschungel der Diabetiker-Ausweise

von Harald Frohnwieser
 
Mit einem herkömmlichen Diabetikerausweis ins Ausland zu fliegen bringt nicht viel, wenn die darin befindlichen Informationen nur in Deutsch beschrieben sind. Aber zu einem internationalen Ausweis zu kommen, ist gar nicht so einfach.
 
Auf seinen Urlaub in Griechenland hat sich der Oberösterreicher Gerhard Mühlberger schon seit Monaten gefreut. Frühling in Kreta, was gibt es Schöneres? Wenige Wochen vor seinem lang herbeigesehnten Abflug vom Flughafen Wien-Schwechat wollte sich der 64-jährige Angestellte, bei dem vor acht Jahren Diabetes Typ 2 diagnostiziert wurde, einen internationalen Diabetikerausweis besorgen. Womit eine lange Suche eingeläutet wurde. Zunächst fragte Gerhard Mühlberger seinen Hausarzt um Rat. Doch der konnte ihm lediglich einen Ausweis einer Pharmafirma in die Hand drücken. Einen solchen – jedoch von einer anderen Firma – besitzt der Diabetiker freilich bereits. Doch der ist, wie jener vom Arzt, nur in Deutsch geschrieben, im Ausland kann damit im Notfall kein Sanitäter oder Arzt, der die deutsche Sprache nicht beherrscht, nichts anfangen.
 
Dass man den Hinweis auf Diabetes auch im Behindertenpass des Bundessozialamtes eingetragen bekommt, weiß Gerhard Mühlberger natürlich. Zwar ist dieser Hinweis bei rechtlichen Fragen (Grad der Behinderung) und die damit verbundenen finanziellen Vergünstigungen hilfreich, eine genaue Auskunft über seinen Diabetes gibt der Pass freilich nicht.
 
Danach bat Gerhard Mühlberger seinen Apotheker um Hilfe. Mit dem Resultat, dass er einen deutschsprachigen Ausweis – wieder von einer Pharmafirma – in die Hand gedrückt bekam. Anrufe bei verschiedenen Institutionen, die sich mit Diabetes beschäftigen, brachten ebenfalls kein zufriedenstellendes Resultat. Erst als der schon leicht verzweifelte Mann mit seinem Sohn darüber sprach, begann sich ein Silberstreif am Horizont abzuzeichnen: „Papa, warum schaust du nicht im Internet nach?“ Nun, Herr Mühlberger hat zwar einen Internetzugang, ein geübter Surfer ist er jedoch nicht. Also übernahm der Filius diese Aufgabe und wurde prompt unter www.diabetikerausweis.de fündig. Unter diese Adresse kann man sich einen Ausweis gratis runterladen und dann ausdrucken, noch dazu in verschiedenen Sprachen: englisch, französisch, spanisch, italienisch, rumänisch, bulgarisch, türkisch, griechisch, russisch oder sogar arabisch. Gerhard Mühlberger hat sich seinen Ausweis in englisch und griechisch von seinem Sohn ausdrucken lassen und kann nun beruhigt die Frühlingssonne in Kreta genießen.
 
Es ist zwar löblich, dass viele Pharmafirmen (Roche, Novo Nordisk, Hexal u.a.) Diabetikerausweise gratis als Service anbieten aber was bleibt ist die Frage, warum es keine einheitlichen Ausweise in deutscher und (zumindest) englischer Sprache gibt. Diabetes Austria konfrontierte das zuständige Ministerium mit dieser Frage. Und bekam von der Sprecherin des Gesundheitsministers, Alois Stöger, die Auskunft: „Wo fängt man mit den einheitlichen Ausweisen an und wo hört man auf?“ Tja, diese schwierige Frage können auch wir nicht beantworten, wollten aber wissen, ob wenigstens ein einheitlicher Ausweis in naher (oder zumindest ferner) Zukunft angedacht ist. „Soviel ich weiß, kommt da nichts. Das ist nicht zuletzt auch eine finanzielle Frage“, so die lapidare Antwort. Dass das Ministerium nicht mehr für die große Anzahl der an Diabetes erkrankten Österreicher übrig hat, ist schwer nachzuvollziehen.
 
Dabei kann ein Ausweis nicht nur das Leben eines Diabetikers retten, er erspart ihm obendrein noch einige Unannehmlichkeiten, speziell bei Flugreisen. „Unser Kabinenpersonal ist auf bestimmte Krankheitsbilder geschult, um im Notfall richtig reagieren zu können. Diese Erste-Hilfe-Schulungen werden jährlich aufgefrischt“, stellt der Pressesprecher von Lufthansa, Michael Lamberty, fest. Und empfiehlt allen Kunden der deutschen Airline, die vor einigen Monaten die heimische AUA gekauft hat, schon bei der Buchung bekannt zu geben, dass man an Diabetes leidet. Und dies auch gegebenenfalls mit einem Diabetikerausweis nachweist. Denn es geht nicht nur um ein für Diabetiker verträgliches Bordmenü und um die richtige Erste-Hilfe bei einem Hypo, es geht auch um das mitgebrachte Insulin und die dazugehörigen Spritzen, die mit ins Flugzeug genommen werden müssen. „Unser Personal muss darüber Bescheid wissen, dass solche Dinge mit an Bord sind“, sagt der Pressesprecher. Aber nicht nur das Bordpersonal, auch die Sicherheitskontrolleure brauchen ob der Spritzen und des Insulins im Handgepäck einen Nachweis, dass der Passagier damit das Flugzeug nicht entführen will, sondern lediglich seine Gesundheit. Denn eines ist klar: Kann der Nachweis, dass man Diabetiker ist, nicht erbracht werden, wird es schwierig sein, das Flugzeug mit den notwendigen Medikamenten zu betreten.
 
Doch in manchen Fällen hilft auch ein Notfallausweis, auch wenn er in der jeweiligen Landessprache abgefasst ist, relativ wenig. Dann nämlich, wenn der Diabetiker ohnmächtig auf der Straße oder im Hotel zusammenbricht und sich der Ausweis in der Brief- oder Handtasche oder in irgendeiner Tasche des Jacketts befindet und von den Helfern gar nicht gefunden wird. „Wenn es um Leben oder Tod geht ist oft gar keine Zeit, sämtliche Taschen eines Bewusstlosen zu durchwühlen“, so ein Sanitäter. Daher ist es ratsam, einen Notfallanhänger genau da zu haben, wo er garantiert gefunden wird: da, wo man einem Bewusstlosen das Hemd oder die Bluse öffnet - im Brustbereich.
 
Von Diabetes Austria-Gründer Peter Hopfinger bereits vor zwölf Jahren entwickelt, enthält das von einem Juwelier entworfene Schmuckstück folgende, lebensrettende Information: „Wenn Sie mich bewusstlos finden (Unterzuckerung), rufen Sie einen Arzt! Checken Sie meinen Puls! Bringen Sie mich vorsichtig in die stabile Seitenlage! DANKE“. Diesen Notfallanhänger gibt es ab 39,- Euro in deutscher oder englischer Sprache und kann HIER bestellt werden.
 
Fotos: Thomas Frohnwieser, Veronika Kub
 
 
  
 
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Die diabetische Netzhauterkrankung – die diabetische Retinopathie

Blind durch Diabetes

Von Univ.-Prof. Dr. Christoph Scholda
 
Als Spätschaden eines Diabetes mellitus kann sich eine diabetische Netzhauterkrankung, die sogenannte „diabetische Retinopathie“ entwickeln. Die Netzhaut ist die innerste Schicht der Augenwand, der „sehende“ Teil des Auges. Sie ist ein sehr komplexes Gewebe und empfindlich gegenüber gefäßschädigenden Erkrankungen – z. B. dem Diabetes mellitus.
 
Undichte Gefäße
Die diabetische Netzhauterkrankung ist die häufigste Erblindungsursache im erwerbsfähigen Alter in der westlichen Welt. Im Rahmen des Diabetes kommt es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Dieser bewirkt Veränderungen der Blutzellen, die Verschlüsse der kleinsten Blutgefäße begünstigen. Weiters werden durch den erhöhten Blutzuckerspiegel die Zellen der Gefäßwände geschädigt. Wodurch die Gefäße undicht und instabil werden. Dies alles führt zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und zur Entwicklung einer diabetischen Retinopathie.
 
Schon bei der Diagnose eines Diabetes mellitus ist die Information des Patienten über die diabetische Retinopathie extrem wichtig. Die Diagnose einer diabetischen Retinopathie stellt ausschließlich der Augenfacharzt. Da die Entwicklung einer diabetischen Retinopathie lange Zeit symptomlos verläuft, ist die Diagnose einer diabetischen Retinopathie bereits vor dem Auftreten von Symptomen – meistens einer Sehverschlechterung – entscheidend. Dies unterstreicht die Bedeutung der sogenannten Screening-Untersuchungen: regelmäßige Kontrollen durch den Augenarzt. Ohne Zeichen einer diabetischen Retinopathie ist eine Kontrolle beim Augenarzt einmal jährlich angezeigt. Liegen bereits Zeichen einer diabetischen Retinopathie vor, sollte eine Kontrolle alle 6 Monate durchgeführt werden. Bei behandlungsbedürftigen Veränderungen ist eine Untersuchung alle drei Monate angezeigt. Zusätzliche Untersuchungen sind erforderlich bei Situationen, in denen es zur Verschlechterung der diabetischen Retinopathie kommen kann: z. Bsp. bei Umstellung der Diabetes-Therapie, sowie bei hormonellen Umstellungen wie Schwangerschaft oder Pubertät.
 
Drei Formen
Man unterscheidet drei Formen der diabetischen Retinopathie.
 
Bei der nicht proliferativen diabetischen Retinopathie, einer Frühform, die oft symptomlos verläuft und mit gutem Sehvermögen einhergehen kann, kommt es an der Netzhaut zu diskreten Veränderungen wie kleinen Blutungen, und zu lokalisierten Durchblutungsstörungen der Netzhaut.
 
Bei anhaltend schlechter Versorgung der Netzhaut mit Sauerstoff kann sich eine sogenannte proliferative diabetische Retinopathie entwickeln: es kommt zur Neubildung von Gefäßen und Bindegewebe an der Netzhaut-Oberfläche, zu Glaskörperblutungen und Netzhautabhebungen. Unbehandelt führen diese Veränderungen meistens zur Erblindung des betroffenen Auges.
 
Bei der diabetischen Maculopathie, einem diabetischen Schaden der zentralen Netzhaut (Macula), kommt es zu Durchblutungsstörungen, zum Austritt von Flüssigkeit aus den geschädigten Gefäßen, zur Ablagerung von Stoffwechselprodukten und zur Dickenzunahme der zentralen Netzhaut, was zu starker Sehverschlechterung bis hin zur teilweisen Erblindung führen kann.
 
Therapie
Die Behandlung der diabetischen Retinopathie muss immer mit einer Behandlung des Diabetes selbst sowie zusätzlicher Risikofaktoren einhergehen. Ein stark erhöhter Blutzucker, ein HbA1c-Wert > 7 und Blutzuckerschwankungen sind für die Netzhaut ebenso schädlich wie ein zusätzlich vorhandener erhöhter Blutdruck.
 
Die wichtigste Behandlungsmethode der diabetischen Retinopathie ist die Laser-Koagulation. Dabei werden mit einem speziellen Laser an der Netzhaut winzige Koagulate erzeugt. In vielen Fällen kann damit ein Stillstand der Retinopathie erreicht werden.
 
In den letzten Jahren wurden Medikamente entwickelt, die in das Auge injiziert werden und so direkt an der Netzhaut der diabetischen Retinopathie entgegen wirken. Diese Medikamente haben ihre Wirksamkeit beim Einsatz gegen die proliferative diabetische Retinopathie sowie gegen das diabetische Maculaödem bewiesen, wobei heute hauptsächlich Ranibizumab (Lucentis®) eingesetzt wird. Die Injektionsbehandlung zeichnet sich durch einen raschen Wirkungseintritt aus, wodurch der wesentliche Nachteil der Laserbehandlung, der verzögerte Effekt, gut ausgeglichen wird.
 
Durch Kombination der Injektionen mit der Laserkoagulation wird ein guter Langzeit-Effekt der Behandlung erzielt. So stellen diese beiden Methoden heute die Behandlung der Wahl der diabetischen Retinopathie da. Ist die diabetische Netzhauterkrankung bereits fortgeschritten und bestehen massive Veränderungen wie Blutungen, Netzhautabhebung oder ein stark ausgeprägtes Maculaödem, so besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffes. Durch winzige Öffnungen werden unter dem Mikroskop Instrumente in das Augen-Innere eingebracht und die Veränderungen an der Netzhaut beseitigt („Vitrektomie“). Die Anwendung modernster, nahtloser Mikro-Operationstechniken minimiert die Belastung für den
Patienten und erlaubt eine rasche Rehabilitation. So kann oft auch bei fortgeschrittener diabetischer Retinopathie ein gewisses Sehvermögen erhalten werden.
 
Zum Autor:
 
a.o. Univ.-Prof. Dr. Christoph Scholda ist Leiter der Ambulanz für Traumatologie und diabetische Retinopathie an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie am AKH Wien
 
 
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Die Unterschiede zwischen Hypo und Hyper

Rauf und runter!

Fast kein Diabetiker kommt ohne Blutzuckerschwankungen aus – nur, wie erkennt man die drohende Gefahr eine Über- oder Unterzuckerung, wie entsteht eine Entgleisung und wie behandelt man diese?
 
 
1) Bedeutung: Hypo
Sinkt der Blutzuckerspiegel dramatisch ab (unter 50 mg/dl) spricht man von unter Hypoglykämie oder Unterzuckerung.
 
 
2) Bedeutung: Hyper
Steigt der Blutzuckerspiegel über den Normalbereich an, spricht man von Überzuckerung oder Hyperglykämie. Weil ein erhöhter Blutzucker anfangs nur wenig Beschwerden verursacht, wird er meistens gar nicht bemerkt.
 
 
3) Symptome Hypo
Bei einer Hypoglykämie kommt es zu Symptomen des vegetativen Nervensystems, die durch die einsetzende Gegenregulation ausgelöst werden: Schwitzen, Hungergefühl, Herzjagen, Unruhe. Die Symptome, die durch die Mangelversorgung des Gehirns ausgelöst werden sind unter anderem Unkonzentriertheit, Aggressivität, Kribbelgefühl.
 
 
4) Symptome Hyper
Die frühen Zeichen einer Blutzuckererhöhung sind Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, vermehrter Durst, trockener Mund, vermehrtes Wasserlassen. Bei steigenden und sehr hohen Blutzuckerwerten sind die Symptome: Gewichtsverlust, Muskelschmerzen und Krämpfe, Übelkeit und Erbrechen, Verwirrung, tiefe Atmung mit Azetongeruch bis hin zur Bewusstlosigkeit.
 
 
5) Ursache Hypo
Ursachen für Hypoglykämien können vergessene kohlenhydrathaltige Mahlzeiten, ein Zuviel an Insulin, Alkohol oder ungewohnte Bewegung sein. Häufig entstehen Hypoglykämien aus einer Kombination mehrerer Auslösefaktoren.
 
 
6) Ursache Hyper
Häufige Ursachen sind ein erhöhter Insulinbedarf (typischerweise bei Infekt, Fieber oder Entzündung und unter bestimmten Medikamenten) und eine Unterversorgung mit Insulin (Spritzen vergessen, Pen-Defekt, verfallenes Insulin oder Weglassen von Insulin, wenn nicht gegessen wird, Katheterproblem bei Insulinpumpenpatienten
 
 
7) Behandlung Hypo
Durch zusätzliche Einnahme von schnellen, kohlenhydrathaltigen Lebensmittel (Traubenzucker, Säfte) lässt sich der Hypo. In der Regel sollte mindestens eine schnelle BE, idealerweise eine schnelle sowie eine langsame BE, gegessen werden.
 
 
8) Behandlung Hyper
Die Behandlung einer Überzuckerung erfolgt durch eine zusätzliche Dosis Insulin zur Korrektur und zwar entsprechend einer festgelegten Tabelle. (Genaue Auskunft gibt der behandelndede Arzt).
Wenn Ketonkörper (Azeton) entstehen, besteht besondere Gefahr und gelten andere Regeln zur Korrektur. möglichst nicht allein sein, wenig bewegen,viel Wasser trinken (in 1 Stunde 1 Liter), Insulin spritzen, auch wenn man nichts essen kann oder erbricht.
 
 
9) Gefahren Hypo
Sinkt der Blutzucker weiter, dann kommt es im Gehirn zu Mangelerscheinungen, die sich als neurologische Symptome und Störungen äußern. Es kann nicht vorhergesehen werden, wie lange die Zeitspanne zwischen den ersten Anzeichen und einer Bewusstlosigkeit ist.
 
 
10) Gefahren Hyper
Steigen die Blutzuckerwerte weiter an, kommt es zu Symptomen, die auf ein beginnendes diabetisches Koma hindeuten: Das ist lebensbedrohend und sollte möglichst rasch ärztlich behandelt werden. Besser ist, wenn jeder Diabetiker diese Symptome kennt und durch geeignete Maßnahmen die extrem hohen Blutzuckerwerte erst gar nicht entstehen lässt. Dazu eignen sich regelmäßige Blutzuckerkontrollen.
 
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Wie Diabetikerin Magdalena Janecek mit ihrer Medtronic-Pumpe lebt

„Mein Tamagotchi will gefüttert werden!“

Magdalena Janecek trägt seit 2003 eine kleine, unscheinbare Maschine am Körper, die ihr das Leben leichter macht. Die Insulinpumpe Paradigm 512 der Firma Medtronic gibt der heute 51-jährigen Typ-1-Diabetikerin das ins Blut ab, was Zuckerkranke zum Überleben brauchen: Künstliches Insulin. Regelmäßige kleine Dosen, um einen für Diabetiker wichtigen basalen Insulinspiegel zu haben. Und vor jedem Essen, das Kohlehydrate enthält, die Insulinmenge, die sie nach einer Broteinheiten-Tabelle berechnet. 2003 wurde Magdalena selbstverständlich eingeschult. Heute weiß sie die Einstellung der Pumpe im Schlaf. Insulinpumpen fördern bekanntlich die Selbstständigkeit der DiabetikerInnen. Und reduzieren im Normalfall auch die Gefahr, in gefährliche Unterzuckerungen zu fallen. Ist das auch bei Magdalena so? „Natürlich verrechne ich mich auch manchmal. Aber man kann besser gegensteuern.“
 
Die Voraussetzung für die richtige Einstellung des Geräts: Ein Tagebuch mit ihren Zuckerwerten und der gespritzten Insulineinheiten. „Mehr noch als bei einer FIT-Therapie mit Insulinpen muss ich hier diszipliniert sein und meine Werte aufschreiben“, sagt Magdalena, die den Chat von Diabetes Austria betreut und dabei allen Betroffenen eine besonnene, aufmunternde Ratgeberin ist, die vor allem auf Aktivitäten setzt. „Klar, dass man durch die Diagnose nicht erfreut ist. Aber man muss sich erfangen und aktiv bleiben.“ Mit Sport und mit Humor. Bei den Aktiven Diabetikern hat die Personalverrechnerin daher eine „Spaßgruppe“ gegründet. Man trifft sich und hat gute Laune. Manch ein Diabetiker wird sie dabei wohl schon für ihre Stärke bewundert haben. Magdalenas Mutter liegt seit 2004 nach zwei Schlaganfällen im Wachkoma. Ein Schicksalsschlag, den niemand in ihrer Umgebung zu spüren bekommt. Magdalena ist selbst Mutter einer mittlerweile erwachsenen Tochter. Jammern hilft da nichts.
 
Die Technik, um ihr Leben zu meistern hat sie. Ihre Pumpe. Irgendwie liebt sie ja ihr „Kastel“, weil es so flexibel ist. Den Katheder kann man überall setzen. Auch am Rücken. Kleine „Unfälle“ dürfen dabei passieren. Vor längerer Zeit trug sie die Pumpe in der Hüftregion und riss sich beim Einsteigen ins Auto den Katheder aus der Haut. Kein Drama, „das lernt man mit der Zeit, wo die Pumpe am besten aufgehoben ist“. Besonders hilfreich ist die Fernbedienung. „Das heißt, ich muss in einer Runde mit Freunden nicht am Gerät direkt hantieren, sondern kann das relativ einfach und verschwiegen erledigen.“ Die Pumpe vibriert dann quasi zur Bestätigung. So braucht sich Magdalena keine Sorgen machen, ob die Insulingabe funktioniert hat.
 
Für neugierige Nasen, die sie fragen, was sie da mache, hat sie auch eine passende Antwort parat. „Ich sage dann: Das ist mein Tamagotchi. Das will regelmäßig gefüttert werden.“ Wie wahr.
 
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Gute Gründe, ein Tagebuch/Protokoll zu führen

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Überblick für sich selbst:
Je mehr Freiheit und Selbstverantwortung eine Behandlung wie die Funktionelle Insulintherapie FIT den Diabetikerinnen gibt, desto genauer sollte die Bilanz sein, um selbst früh Änderungen im Insulinbedarf erkennen zu können.
 
Ohne Tagebuch ist das HbA1c langfristig um 1 - 2 % höher !!!
 
Information für Arzt / Berater:
Ohne Aufzeichnungen kann keine Beratung erfolgen. Auch sehr gut geschulte Diabetikerinnen sind manchmal ‘betriebsblind’ und können gemeinsam mit den Beraterinnen mögliche Fehler und Trends entdecken.
 
Dokumentation für Behörden:
Manchmal fordern Krankenkassen (Bewilligung von insulinpumpen, Langzeitinsulinanaloga, BZ-Teststreifen) und
Amtsärzte (Führerschein) ein Diabetes-Tagebuch, auch bei einem Verkehrsunfall kann es dienlich sein, um der Polizei die gute BZ-Kontrolle zu dokumentieren.
 
Was steht im FIT-Tagebuch?
• Blutzucker (1/3 der Messungen postprandial = nach dem Essen!)
• Azeton – absoluter insulinmangel !
• Insulindosis: Basis, Bolus für Essen & Korrektur
• BE (Kalorien)
• Notizen: Bewegung, Krankheit, Hypo, Blutdruck, Katheterwechsel
• Summen: Das Verhältnis von Verzögerungsinsulin zu Kurzzeitinsulin soll durchschnittlich 40 : 60 sein, bei Pumpen Basis : Bolus 50 : 50 (Morgen- und evt. Nachmittagsgupf in der Basalrate). Ändert sich der Tagesinsulingesamtbedarf und somit das Verhältnis Basis zu Bolus, kann man rasch reagieren. Erst mit der Bilanz (Summen) erkennt man Trends deutlich und hat einen guten Überblick.
 
 
• Mittelwerte: aus den BZ-Mittelwerten von 6 - 8 Wochen kann man sein HbA1c selbst abschätzen (Tabelle von Oa Dr. Silvester Berger, rehab.-Zentrum Aflenz).
 
Warum fällt es manchmal soooo schwer, konsequent ein Tagebuch zu führen?
Manche finden es mühsam und aufwändig und wollen sich dafür keine Zeit nehmen oder vergessen darauf, manche halten es für nicht notwendig, manche haben bei hohen Werten ein schlechtes Gewissen und wollen schlechten Werten nicht ‚ins Auge schauen‘, sie verdrängen...
Und vielleicht gibt es auch noch andere Gründe als Bequemlichkeit oder mühevolle Diabetesbewältigung?
 
Erleichterungen / Hilfen
Wenn man nun weiß, welche Vorteile ein Tagebuch / Protokoll bringt, hilft es, das Eintragen der Daten zu einer selbstverständlichen Routine werden zu lassen. Legt man das FiT-Protokoll (erhältlich HIER) und einen Stift zum BZ-Messgerät und trägt die Messung, Insulindosis und BE gleich ein, fällt die regelmäßige Dokumentation leichter.
 
Besitzer eines Computers können die Möglichkeit nutzen, das FiT-Protokoll in EXEL zu verwenden. So erspart man sich das Summen-Rechnen und sieht seinen Wochen-MBG schon im Voraus. Viele Messgeräte sind heute PC-kompatibel, bei manchen kann man auch Extras wie Bewegung und Sport oder auch BE eingeben.
 
SiDiary und Diabass sind gute Software zur Eingabe und Auswertung von Daten - im Internet schauen!
 
Quelle: Aktive Diabetiker/Dr. Helga Grillmayr
 
 
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1. Österreichweite Hypo-Umfrage unter Menschen mit Diabetes

„Hypos? – Ich? Nie!“

Jeder Dritte hatte schon einen schweren Hypo, aber nicht alle reden mit ihrem Arzt darüber.
 
Tabu-Thema Hypo (Unterzuckerungen). Fast jeder Mensch, der an Diabetes erkrankt ist, kennt auch eine Variante der gefürchteten Unterzuckerungen (Hypoglykämien) – von leicht bis ganz schwer. Wir wollten es genauer wissen und starteten die erste anonyme österreichweite Umfrage zum Thema. Dank reger Beteiligung (Sample: 210) liegen nun erstmals interessante Angaben von Betroffenen vor. Wir werden die Gesamt-Ergebnisse (keine Details einzelner Personen, das versteht sich!) natürlich an die Mediziner weiterleiten.
 
Zunächst die Ausgangslage: 210 Personen haben bei unserer Umfrage mit gemacht, davon etwa ein Drittel aus Wien, alle anderen aus ganz Österreich. Anders als bei der üblichen Verteilung der Diabetes-Typen 1 und 2 (etwa fünf Prozent zu 95 Prozent) waren bei unserer Umfrage die Typ 1 und Typ 2 je zur Hälfte vertreten.
 
Auch bei den Insulinverwendern gab es eine deutliche Mehrheit, aber das scheint logisch, da sich unter Insulintherapien weitaus mehr der von uns hinterfragten Hypoglykämien ereignen, als bei der ausschließlichen Behandlung mit oralen Medikamenten. Mehr als 82 Prozent der von uns Befragten gaben an, Insulin zu verwenden. 161 Personen tun dies mit einem Pen, 32 weitere mit einer Pumpe und 17 Diabetiker verwenden noch eine Spritze. Auch beim Messen geben die Umfrage-Teilnehmer durchaus zufrieden stellende Werte an.
 
Wie oft messen Sie Ihren Blutzucker lautete eine unserer Fragen.
Hier das Ergebnis:
 
 
Schon die Frage nach leichten Unterzuckerungen brachte interessante Antworten. Jeder Zehnte (11,4%) gab an, einen leichten Hypo täglich zu haben, ein Drittel (32,9%) meldete einen leichten Hypo pro Woche und jeder Fünfte (23,3%) registrierte eine leichte Unterzuckerung pro Monat. Den Vogel schoss freilich jener Teilnehmer ab, der angab, zehn Mal pro Tag einen leichten Hypo zu erleben.
 
 
Besonders alarmierend dann die Zahlen rund um die schweren Unterzuckerungen.
Mehr als ein Dritte (34,3 %) der Befragten gaben an, bereits einen schweren Hypo mit Bewusstseinsstörungen, Lähmungen oder gar einem Koma erlebt zu haben. Immerhin: 63 Personen (30 %) kamen selbständig wieder am Boden der Realität an, aber gleich viele - 67 Patienten (31%) brauchten fremde Hilfe durch Arzt, Rettung, Freunde oder Familienangehörige.
 
Bei der Ursachenforschung nach dem Grund für die schweren Unterzuckerungen waren Mehrfachantworten möglich.
 
Was sind bei Ihnen Gründe für Unterzuckerungen?
(Mehrfachantworten möglich)
 
 
Zum Glück merken die meisten die typischen Anzeichen einer Hypoglykämie, aber immerhin rund 13 Prozent spüren die Anzeichen für Unterzuckerungen nicht.
Diese Anzeichen sind so vielfältig wie die Menschen und können bekanntlich auch in Kombination auftreten.
 
Was spüren Sie? (hier waren Mehrfachantworten möglich)
 
 
 
Kontrovers auch die Antworten bei den Maßnahmen gegen die gefürchteten Unterzuckerungen. Denn einerseits wissen bei 90 Prozent der Erkrankten nahestehende Personen wie Kollegen, Familienmitglieder und Freunde, was im Fall der Fälle zu tun ist, andererseits hat weniger als ein Drittel der Befragten eine Glukagonspritze für den Notfall zu Hause.
 
Einerseits haben rund zwei Drittel einen Diabetikerausweis in der Brieftasche, andererseits tragen weniger als zehn Prozent den vielleicht lebensrettenden Diabetes Notfall-Anhänger. Dabei weiß man längst: einem Bewusstlosen auf der Straße, der vielleicht noch nach Aceton riecht (ein Phänomen von Unterzuckerungen) greift niemand in die Brieftasche, einen Notfall-Anhänger findet jeder, der auch nur einen Hemdknopf öffnet.
 
Noch unverständlicher: 20 Prozent – also rund jeder Fünfte - spricht nicht mit seinem Arzt und erfährt daher auch nicht, wie man die für´s Hirn schädlichen Hypos in Zukunft vermeiden könnte.
 
Immerhin: Neunzig Prozent der Umfrage-Teilnehmer tragen immer eine schnelle Energie für den Notfall in Form von Trauben- oder Flüssigzucker oder süßem Getränk bei sich. Was passiert aber den zehn Prozent, die gar nichts dabei haben?
 
Auch die Antworten auf die Frage nach einer Schulung für Hypo-Wahrnehmung war durchwachsen. Zwei Drittel haben so ein Training noch nie besucht.
 
Zu guter Letzt wollten wir noch wissen, was sich Diabetiker nach ihren Hypo-Erfahrungen wünschen.
Zwei Drittel wünschten sich schlicht, keine mehr zu haben, je rund zehn Prozent hoffen auf mehr Verständnis der Umwelt und bessere Verfügbarkeit von Notfalls-BE (Broteinheiten). Ganze vier Prozent wollten schnellere Reaktionen der Umwelt und ein Einer wollte nach seiner Hypo-Erfahrung nur Eines: schlafen gehen.
 

Unter allen Teilnehmern wurden folgende Gewinner ermittelt:

Je ein Wochende für zwei Personen im NaturMed Hotel Carbona****superior in Heviz/Ungarn haben gewonnen:
 
Anton Tragschitz, 2402 Haslau an der Donau
Anita Saccagi, 8047 Graz
 
Je ein Paar Nordic Walking Stöcke haben gewonnen:
 
Johann Prokop, 1230 Wien
Robert Totter, 3451 Michelhausen
Andrea Hörzer, 2603 Felixdorf
Christian Necola, 8734 Großlobming
Johann Zimmer, 1210 Wien
 
 
Wir gratulieren!
 
 
 
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Interview mit Prof. Dr. Kinga Howorka, Erfinderin der funktionellen Insulintheapie (FIT)

Für kluge Köpfe: Die beste Schulung der Welt

Von Peter P. Hopfinger
 
Schulungsangebote für Menschen mit Diabetes gibt es einige: von Angeboten in Ambulanzen der Krankenkassen bis hin zu Kuraufenthalten. Der Riesennachteil: man wartet bis zu acht Monaten bis man auf eine Kur kommt. Diabetiker, die Schulungen brauchen (und ALLE brauchen mehr als eine Schulung zu mehr als einem Thema) finden zumindest in Wien das beste Angebot, das derzeit zu haben ist: Strukturierte Diabetes-Schulungen zu jeder denkbaren Erkrankung, die es rund um Diabetes gibt.
 
 
 
Diabetes Austria (DA): Frau Professor Howorka wann haben Sie mit Ihrer Schulung von Diabetikern begonnen?
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Wir haben Anfang der 80er-Jahre mit einzelnen Patienten zu arbeiten begonnen, haben 1983 die ersten Gruppen-schulungen für funktionelle Insulintherapie organisiert und bereits ein Jahr darauf die Regeln für die Berechnung der Insulindosierung in der Wiener Klinischen Wochenschrift veröffentlicht. Parallel dazu haben wir die ersten Patientenkurse abgehalten. Als Ergebnis dieser Arbeit habe ich 1987 zuerst ein Buch für Ärzte „Funktionelle Insulintherapie“, im Springer – Berlin Verlag und anschließend das Patientenbuch „Insulinabhängig?...“ im Kirchheim Verlag veröffentlicht.
 
Diabetes Austria (DA):Mittlerweile sind die beiden Bücher in der 5. bzw. 8. Auflage und rund 1.000 Patienten sind bisher nach Ihrer FIT-Methode geschult. Was sind die wesentlichen Vorteile, wenn man nach Ihrer Methode geschult wird?
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Für die Patienten gibt es klar erkennbare Vorteile, die ich gerne aufzähle:
 
1. Kein Spital. Unsere Schulungen werden ambulant in Kleingruppen, überwiegend an Wochenenden, durchgeführt. Das heisst: keine Aufnahme in ein Spital und auch kaum Wartezeiten, weil wir fortlaufend Schulungen zu verschiedenen Bereichen anbieten.
2. Modularer Aufbau. Die FIT-Schulung besteht aus zwei Teilen – einer allgemeinen kurzen Schulung und anschließend dem FIT-Teil, der dann Diabetikern die vollständige Selbstständigkeit und völlige Flexibilität in ihrem Leben gibt, andere Schulungen auf Wunsch.
3. Wenige Komplikationen. Nach unserem Schulungsmodell sind die Patienten dann Experten in eigener Sache. Das heisst: wir haben in 30.000 Patientenjahren nur ganz wenige Entgleisungen (Ketoazidosen).
4. Lebensqualität. Patienten, die von uns geschult wurden, können eigentlich wieder wie gesunde Menschen leben.
5. Weniger Spätschäden. Unsere Patienten haben eine wesentlich bessere Stoffwechselkontrolle und daher auch viel weniger Spätfolgen.
 
DA: Das kann ja aber nicht ausschließlich an einer einzigen Diabetesschulung liegen?
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Das ist richtig. Die meisten Patienten brauchen zusätzlich eine spezielle Blutdruckschulung (pdf) (Dauer: drei Abende) oder eine spezielle Bluttfettschulung (pdf) (Dauer: zwei Abende) als auch in vielen Fällen eine Programm zur Gewichtsreduktion (pdf) (Dauer: vier Abende). Notwendig ist auch ein regelmäßiges Diabetes-Update (pdf) (Dauer: ein Wochenende pro Jahr). Aber wir bieten auch spezielle Schwangerschafts- und Entbindungsvorbereitung an (pdf) (Dauer: ein Nachmittag, auch Partner sind willkommen) oder auch eine spezielle Schulung für Menschen an, die durch Hypos (pdf) bewusstlos waren.
 
DA: Warum ist es besser, bei Ihnen eine Schulung zu machen, als acht Monate auf eine dreiwöchige Kur zu warten?
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Schulungsmodule werden bei uns dem individuellen Bedarf jedes einzelnen Patienten angepasst. Im Lauf einer Diabetes-Karriere kommen Zusatzerkrankungen wie Bluthochdruck oder Bluttfette dazu. Darüber muss man nicht gleich am Anfang so genau Bescheid wissen. Aber wenn das Problem da ist, sollte man dann auch hier wieder zum Experten werden. Bei unseren Schulungen bleiben die Patienten in ihrem normalen Leben integriert, bei einer Kur haben sie eine Sondersituation, die nicht mit dem Alltag vergleichbar ist. Damit ist aber auch die Wirksamkeit einer Kur zeitlich limitiert. Zu guter Letzt: wir haben gemessene Ergebnisse von unseren Programmen und liegen im Vergleich mit europäischen Diabetes-Zentren bei gleich drei Parametern an der Spitze. Unsere Patienten haben erstklassige HbA1c- und Blutdruck-Werte und besonders stark ist der Unterschied bei den Bluttfett-Werten.
 
DA: Gibt es darüber hinaus Vorteile für die Patienten?
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Menschen, die bei uns geschult sind, wissen genau, wie sie ihre Therapie jedem Umstand, ob Urlaub oder besondere Anstrengung, anpassen können und werden die Therapie daher auch viel eher einhalten als andere, die ahnungslos etwas nur „verschrieben“ bekommen.
 
DA: Ihr System birgt aber nicht nur Vorteile für den Patienten sondern auch für das Gesundheitswesen?
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Ja und zwar:
1. Geringere Kosten. Selbst eine umfassende Modulare Schulung ist rund 95 (!) Prozent billiger als eine herkömmliche Kur.
2. Kostenminimierung durch weniger Folgeschäden und –erkrankungen.
3. Vorteil für die Medizinerkollegen: kompetente Patienten brauchen weniger Behandlungsaufwand von Seiten der behandelnden Ärzte, weil sie vieles selbst übernehmen.
Freilich gibt es auch einen „Nachteil“: Patienten, die von uns kommen haben eine längere Lebenserwartung, das kostet dann natürlich die Pensionsversicherung mehr.
 
DA: Wo finden Interessierte das aktuelle Schulungsprogramm
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Auf unserer Homepage www.diabetesfit.org, bei Euch im Terminkalender und natürlich am Besten in meiner Ordination,
Telefon +43-1-40 606 96, ev. 40 400 3981
 
DA: Was die Kosten angeht? Werden die Schulungen bei Ihnen von der Krankenkasse bezahlt?
 
Prof. Dr. Kinga Howorka: Nur für Typ-2-Diabetiker, die im Diabetes Management Programm Therapie Aktiv eingeschrieben sind, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen.
Aber ehrlich: haben Sie auch nur den Bruchteil einer Sekunden gezögert, als es um die Kosten für den Führerschein ging? Dabei ist der nicht einmal lebenswichtig. Eine gute Schulung ist für Diabetiker aber tatsächlich lebenswichtig und lebensverlängernd. Das sollte jedem doch wirklich ein paar Euro wert sein.
 
DA: Wir danken für das Gespräch.
 
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Kur- und Rehabilitationsaufenthalte bei Diabetes mellitus

So kommen Sie auf eine Kur

In Österreich ist für die Durchführung von Rehabilitationsmaßnahmen für Versicherte die Pensionsversicherungsanstalt zuständig. Für mitversicherte Angehörige oder Selbstversicherte erfolgt die Durchführung durch die jeweiligen Gebietskrankenkassen. Eine Sonderstellung gilt für die Mitglieder der Versicherungsanstalt der öffentlich Bediensteten, der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft und der Sozialversicherungsanstalt der Bauern und der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau.
Für alle Kur- und Rehabilitationsaufenthalte außer den Mitgliedern der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter gilt, dass in fünf Jahren nur zwei Aufenthalte bewilligt werden.

Bei Diabetes ist grundsätzlich der HbA1c ausschlaggebend, ob eine Kur erforderlich ist oder nicht. Unter einen HbA1c von 7% wird normalerweise kein Aufenthalt bewilligt. Es kommt aber immer aiuch noch auf weitere Erkrankungen an, die aber dann Fallbezogen entschieden werden.

Für die Bewilligungen sind die Chefärzte zuständig. Die Bewilligung kann ohne Vorladung erfolgen, wenn die Erfordernis aus dem Antrag ersichtlich ist, oder es erfolgt eine Vorladung zu einer Untersuchung durch einen Chef- oder Kontrollarzt. Wichtig ist die richtige und genaue Ausfertigung des Antrages sowohl hinsichtlich der Diagnose als auch den bestehenden Erkrankungen (Problemen, Beschwerden).

Grundsätzlich gelten für den Aufenthalt die jeweiligen Hausordnungen der einzelnen Anstalten, die aber nicht einheitlich sind. Meistens bestehen Alkoholverbot und auch Rauchverbot sowie Sperrzeiten, d.h. man muss zu bestimmten Zeiten abends wieder in der Kuranstalt sein. Auch erfolgen gerade bei Stoffwechselanstalten Kontrollen in umliegenden Lokalen betreffend der Einnahme von Speisen und Getränken. Weiters sind die ärztlichen Anordnungen des Aufnahmearztes einzuhalten.

Bei Nichteinhaltung kann vom jeweiligen Verwalter ein Anstaltenverweis ausgesprochen werden, d.h. man wird nach Hause geschickt. In diesem Fall werden die Kosten der Kur vom Sozialversicherungsträger nicht getragen.

In vielen Fällen ist eine Kurkostenzuzahlung zu leisten.
Diese richtet sich nach dem jeweiligen Bruttoeinkommen oder Bruttopension und beträgt seit 1.1.2006:

Bis EUR 690,00           keine Zuzahlung
Bis EUR 1.271,38        EUR 6,52 täglich
Bis EUR 1.852,77        EUR 11,53 täglich
Über EUR 1.852,77      EUR 16,59 täglich

Die Zuzahlung entfällt, wenn:

• Das Bruttoeinkommen des Versicherten bzw. die Bruttopension des Pensionisten EUR 690,00   nicht übersteigt,
• der Pensionsbezieher eine Ausgleichszulage zu der Pension erhält,
• der im gemeinsamen Haushalt lebende Ehegatte eine Ausgleichszulage bezieht,
• eine Befreiung von der Rezeptgebühr vorliegt.

Für die Mitglieder der Versicherungsanstalt der öffentlich Bediensteten gilt folgende Regelung:

• Es gibt keine zeitliche Begrenzung, die Einweisung erfolgt nach Maßgabe des Chefarztes.
• Der Aufenthalt gilt als Rehabilitation und daher ist eine tägliche Zuzahlung in der Höhe von   EUR 6,52 zu leisten. Dieser Betrag richtet sich nicht nach dem Einkommen.

In folgende Zentren erfolgt die Einweisung:

Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter:
Alland und Aflenz;
Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft:
Alland, Aflenz, Vitalhotel Agathenhof (Kärnten);
Sozialversicherungsanstalt der Bauern:
Bad Gleichenberg;
Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau:
Breitenstein;
Pensionsversicherungsanstalt:
Alland, Aflenz, Harbach, Althofen (Kärnten), Weißbriach (Kärnten), Neyharting (Oberösterreich);
Burgenländische Gebietskrankenkasse:
Alland, Aflenz, Laab im Walde;
Kärntner Gebietskrankenkasse:
Nur in ganz besonderen Fällen, sonst keine Bewilligung;
Niederösterreichische Gebietskrankenkasse:
Alland, Aflenz, Neyharting (Oberösterreich), Vitalhotel Agathenhof (Kärnten), Weißbriach (Kärnten);
Oberösterreichische Gebietskrankenkasse:
Nur wenn eine Einstellung nötig ist! Aflenz
Salzburger Gebietskrankenkasse:
Alland, Aflenz und zwei Turnusse im Jahr in Goldegg;
Steiermärkische Gebietskrankenkasse:
Alland, Aflenz, Bad Tatzmannsdorf, Weißbriach (Kärnten);
Tiroler Gebietskrankenkasse:
Einweisung in die Heime der Pensionsversicherungsanstalt;
Vorarlberger Gebietskrankenkasse:
Einweisung in die Heime der Pensionsversicherungsanstalt;
Wiener Gebietskrankenkasse:
Einweisung in die Heime der Pensionsversicherungsanstalt;
Krankenanstaltenfond Wien:
Alland

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MEIN LEBEN MIT DIABETES

Die längste Nacht

Von Sophia Fielhauer
 
Erst besorgt, dann alarmiert. Über vier Wochen lang verlor der kleine Lukas Gewicht, trank übermäßig viel. Zum Erbrechen kam die flache Atmung - die Eltern eilten ins Wiener Preyer'sche Kinderspital. Lukas, extrem dehydriert, musste an den Tropf. Blutabnahme. Die Diagnose, Diabetes Typ 1, kam schnell. „Ich bin in Tränen ausgebrochen, als ich den Kleinen mit den ganzen Schläuchen sah“, erzählt Mama Martina Ochsenbauer. Zuckerwert: 861! Der Stoffwechsel war am Kippen, die Gefahr eines Multiorganversagens drohte.
Die Nacht vom 16. auf den 17. Jänner 2009 wird der Familie immer in Erinnerung bleiben – sie entschied über das Leben von Lukas, sie fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Martina Ochsenbauer harrte mit ihrer Schwiegermutter im Spital aus, die auch ihren Sohn informierte. Denn zum Reden fehlte Lukas Mama jede Kraft.
Noch heute ist sie verärgert: „Lukas litt die ganze Woche hindurch an einem Genitalpilz und die Kinderärztin fand es nicht eigenartig, obwohl wir dreimal bei ihr waren.“ Später erklärte der diensthabende Oberarzt, dass der Pilz sehr wohl ein Anzeichen für Diabetes ist. Die Kinderärztin haben die Ochsenbauers freilich gewechselt.
 
Lukas ist heute zweieinhalb Jahre alt, seit kurzem kann er selbständig gehen, doch sprechen kann er noch nicht – kein Mama, kein Papa. Entwicklungsverzögerung, sagen die Ärzte. „Wenn er etwas haben will, dann fixiert er es mit seinem Blick, bis ich weiß, was er haben will.“ Vieles hat Lukas schon hinter sich: Magnetresonanz, Gentests. Nichts brachte Aufschluss. „Ich sehe seine Entwicklung, er macht stetig Fortschritte. Aber speziell die Ärzte leben in Schemata und meinen, in dem Alter müsste er dies und jenes können. Manchmal denke ich, die Verzögerung hängt mit dem Diabetes zusammen. Zeitlich trifft alles zusammen, aber es gibt dazu keine Forschungen.“
 
Vor kurzem haben Lukas Eltern einen Integrationsplatz im Kindergarten gefunden. Der Kleine lebt mit einer Medtronic-Pumpe samt Sensor. „Ich bin froh, dass er Pumpenträger ist. Wenn er nämlich nicht essen will, kann ich einen Baum aufstellen. Doch mit der Pumpe kann ich die Insulinzufuhr, wenn nötig, auch unterbrechen.“
Einmal pro Woche sticht Martina Ochsenbauer Lukas den Sensorkatheter in den Po. „Die Nadel für den Sensor ist sehr lang, aber es war nur die ersten zweimal schlimm.“ Alle drei Tage wird der Insulinkatheter gewechselt. Mama und Sohn sind ein eingespieltes Team – auch die Oma und Papa Thomas können einspringen. „Wenn Lukas Werbung schaut, ist er total fixiert und registriert das Stechen gar nicht.“ Martina Ochsenbauers Schwiegermutter hat 23 Jahre als medizinisch-technische Assistentin in der Diabetesambulanz des AKH gearbeitet – eine große Hilfe für die Familie. Trotzdem: das Stechen des eigenen Enkels fiel der Oma anfangs schwer.
 
Mit Lukas, dem einzigen Kind, hat sich das Leben der Familie Ochsenbauer sehr verändert: „Es ist ein Schicksalsschlag und wir haben gelernt, damit zu leben. Wir sind dankbar, dass Lukas noch lebt – das halte ich mir immer vor Augen.“ Im Stich gelassen wurden die Ochsenbauers nicht: „Wir haben wahnsinnig viel Unterstützung erfahren. In den vier Wochen im Spital ist jeden Tag Besuch gekommen – die Großeltern, Lukas’ Taufpaten und viele Freunde. Mein Mann und ich machen auch kein Geheimnis daraus, dass Lukas Diabetiker ist.“
Dienstag bis Donnerstag arbeitet Martina Ochsenbauer ganztägig, Montag und Freitag hat sie frei: „Ein tolles Arrangement mit der Firma“. Ein Jahr nach Lukas Geburt ist Ochsenbauer, 41, geborene Klagenfurterin und seit 10 Jahren in Wien, wieder als Teamleiterin in der Sozialversicherung eingestiegen. Mit ihrem Team unterstützt sie die e-card Projektleiter. Für Selbsthilfegruppen bleibt da keine Zeit: „Die finden meist Dienstag und Donnerstag untertags statt – nicht gerade sehr flexibel“, weiß Martina Ochsenbauer.
Nicht allein deshalb plant sie ein Projekt, das ihr sehr am Herzen liegt. „Eine eigene Homepage zum Thema Kinderdiabetes (www.ochsenbauer.at).“ Im Wiener AKH, wo Lukas betreut wird, spricht Martina Ochsenbauer mit vielen anderen Eltern. Sie weiß gut, wie viele Betroffene sie mit ihrer Website erreichen wird. Sobald sich etwas Zeit findet, wird sie an die Arbeit gehen: Bauherrin ist sie auf ihrem Apple gleich selbst, hofft, im Herbst online gehen zu können.
 
Zeit ist ein Thema, das Martina Ochsenbauer so penibel wie die Broteinheiten einteilen muss. „Im Preyer'schen Kinderspital habe ich von Ärzten, Schwestern und Diätassistenten eine tolle Einschulung bekommen. Mir ist das in Fleisch und Blut übergegangen.“ Und wo sie Zeit sparen kann, gelingt es ihr. Martina Ochsenbauer hat sich eine Excel-Tabelle (BE in den auf den Lebensmitteln angegebenen Kohlehydraten pro 100g) angelegt - so hat sie die Broteinheiten schnellstens bereit, erspart sich die Rechnerei. Und hat gelernt, nicht auf sich selbst zu vergessen: „Ich nehme mir Zeit für mich selbst – gehe sehr gern laufen. Dienstag ist mein Yoga-Tag, da schläft Lukas bei seinen Großeltern.“ Eineinhalb Stunden Yoga nach der Firma und danach vielleicht ein guter Film – einfach Auszeit.
 
Zweimal im Jahr feiert Lukas Geburtstag. Den 17. Jänner als Zeichen der Dankbarkeit: „Das ist ein Familienanliegen für alle, da wird gut gegessen“. Geschenke bekommt Lukas aber nur am 22. August, seinem tatsächlichen Geburtstag. Martina Ochsenbauer hadert nicht mit dem Schicksal, sie weiß es anzunehmen. „Ich bin ein positiv denkender Mensch – ich denke nicht, was sein könnte, sondern, was jetzt im Moment ist. Ich kann nichts an der Situation ändern, also sage ich mir: ok, es ist so, leb damit!“
 

Weitere Portraits von Diabetikerinnen und Diabetikern finden Sie hier:

 
 
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Neue Broschüre über Patientenrechte veröffentlicht

 
Eine Kooperation zwischen
NÖ Patientenanwaltschaft, ARGE Selbsthilfe Österreich und Pfizer Österreich
 
 
Anlässlich des Europäischen Tages für Patientenrechte am 18. April 2009 erschien die neu überarbeitete Broschüre „Patientenrechte und Arzneimittel“ (dritte Auflage). Die Broschüre, die in Kooperation mit der Patientenanwaltschaft Niederösterreich und ARGE Selbsthilfe Österreich erstellt und von Pfizer Austria unterstützt wird, bietet zentrale Information zu Patientenrechten in Österreich sowie Kontaktdaten und Adressen.
Darüber hinaus werden die wichtigsten und häufigsten Fragen, die sich Patienten stellen, behandelt und klar beantwortet.
 
 
Die elektronische Form der Broschüre steht HIER ZUM KOSTENLOSEN DOWNLOAD bereit.
Gerne können Sie auch eine Druckausgabe bestellen.
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Diabetes und Versicherungen

Eine Geschichte über Unwissenheit, Angst und Missverständnisse
 
Von Michael Rust
 
Als Versicherungsmakler in Vorarlberg beschäftige ich mich mit dem Thema der Versicherbarkeit von chronisch kranken und benachteiligten Menschen. Neben meinem Alltagsgeschäft gönne ich mir dieses „Hobby“, denn als insulinpflichtiger Diabetiker bin auch ich ein persönlich Betroffener.
 
Vor kurzem habe ich Marktforschung betrieben. Mein Ziel war, die genaue Zahl der Diabetiker in Österreich herauszufinden. Ich habe mir einen halben Tag Zeit genommen, telefoniert und recherchiert. Ich habe mit der Statistik Austria, mit Ärzten, Spezialisten und auch Pharmafirmen gesprochen. Zusätzlich habe ich auch das Internet nach Informationen abgesucht.
 
Das Ergebnis war ernüchternd - es gibt nämlich keine genauen Zahlen. Wenn ich alle Schätzungen miteinander vergleiche und diese mit einer im Jahr 2006/07 seitens Statistik Austria durchgeführten Gesundheitsbefragung abstimme und Zahlenmaterial unserer deutschen Nachbarn berücksichtige, dürfte es in Österreich rund 400.000 Diabetiker geben. Die Dunkelziffer wird mit weiteren 400.000 Menschen geschätzt. Diese Zahlen dürften aber auch schon nicht mehr aktuell sein.
 
Um sich unter dieser Zahl etwas vorstellen zu können:
 
Ende 2008 haben in Vorarlberg 367.959 Menschen gelebt!
 
Dieser halbe Tag hat aber auch positive Ergebnisse gebracht, eines davon ist dieser Artikel (Danke an dieser Stelle an Herrn Mag. Josef Monschein von Bayer Austria, der das ermöglicht hat), weiter kann ich Ihnen dank Recherchen im Internet auch ein Versicherungsunternehmen empfehlen, welches eine Krankenversicherung für Typ 2 Diabetiker anbietet. Es handelt sich um die ICICI Prudential, einziger Haken an der Geschichte, diese Krankenversicherung gibt es leider nur in Indien.
 
Dieser kleine Ausflug in die Welt der großen Zahlen soll Ihnen veranschaulichen, welches Ausmaß allein die Gruppe der Diabetiker innerhalb der chronisch Kranken darstellt. Die Gesundheitsbefragung 2006/07 gibt an, dass 35% der österreichischen Bevölkerung, die älter als 15 Jahre ist, angibt, chronisch krank zu sein. Wir reden hier von 2,6 Mio. Österreicher/Innen. (Diese Statistik ist über www.statistikaustria.at für jeden frei erhältlich)
 
Aber jetzt zum Thema Unwissenheit:
 
Dieses Problem betrifft die Versicherungen genauso wie auch die Betroffenen.
 
Ich spreche viel mit Mitarbeitern von Versicherern und die Fragen, die immer wieder auftauchen, sind:
 
„Wie schwer hast du Diabetes? Musst du schon spritzen? Wenn ja, wie oft?“
 
 
Fazit daraus:
• Diabetes ist schlecht, wer kein Insulin spritzen muss, hat Glück. Das ist nämlich leichter Diabetes.
• Wer Insulin spritzen muss, hat Pech. Das ist schwerer Diabetes.
• Wer die funktionelle Insulintherapie anwendet und wie ich bis zu achtmal am Tag Insulin spritzt, ist todkrank und bedauernswert. Das ich aufgrund dieser Therapieform ein normales Leben führen kann und Sport treibe, mich an einem Tag 10-12 Stunden auf den Vorarlberger Bergen herumtreibe und auf Dreitausender steige, spielt in diesem Zusammenhang wahrscheinlich keine Rolle.
 
Besonders beliebt sind auch Erzählungen aus den Schadensabteilungen, dass man in der Vergangenheit Diabetiker versichert hat und was man nicht alles erlebt hat:
 
Von Verbrühungen an den Beinen, welche nicht gespürt wurden, nicht heilenden Wunden, Unfällen aufgrund Über- und Unterzuckerungen und ähnlichem…..
(Aufgrund des Datenschutzes konnte man mir weder die Häufigkeit noch sonstige Details bekanntgeben, fällt somit für mich unter „Schwank aus dem Leben eines Schadensreferenten“!)
 
Welche Auswirkung eine gute Einstellung oder ein HbA1c Wert unter 7 auf diese Folgeerkrankungen hat, wird sich frühestens in 10 Jahren in der Bewertung durch den Versicherer niederschlagen.
 
Ein weiterer Punkt ist das Argument, dass Diabetiker aufgrund ihrer Erkrankung öfter in Unfälle verwickelt sind. Laut einer Studie aus Deutschland wird ein Typ2 Diabetiker im Schnitt alle 550.000 Kilometer in einen Unfall im Straßenverkehr verwickelt. Der Normaldeutsche alle 275.000 Kilometer.
Aber wie sie richtig erraten haben, kennt ein Kollege eines Schadensreferenten einer Versicherung einen Diabetiker, der im letzten Jahr drei Unfälle hatte.
 
Auch das Gerücht, dass man Diabetiker aufgrund der Unfallgefährdung nicht als Dachdecker oder Spengler einsetzen kann, hält sich bei Versicherern hartnäckig. Aber auch hier gibt eine Studie eines deutschen Krankenversicherers, welche keine signifikant höhere Unfallhäufigkeit für Diabetiker erkennen lässt.
 
Bei persönlich Betroffenen beschränkt sich die Ahnungslosigkeit meist nur darauf, nicht zu wissen, welche Versicherungsprodukte bereits jetzt für die Bedürfnisse von Diabetikern „missbraucht“ werden können.
 
Versicherungen haben Angst vor uns
 
Chronisch kranke und benachteiligte Menschen machen Versicherungen Angst. Hinter jedem Versicherungsprodukt steckt eine mathematische Berechnung. Diese Berechnung ist vereinfacht ausgedrückt eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, die die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schadensfall eintritt, beinhaltet.
 
Bei den für die chronisch Kranken problematischen Versicherungsprodukten handelt es sich um alle Versicherungsprodukte, die biometrische Risiken beinhalten. (Darunter werden individuelle Risiken verstanden, die das Leben und den Lebensunterhalt betreffen. Insbesondere handelt es sich um das nicht zu kalkulierende Risiko des Todesfalls, der Pflegebedürftigkeit, der Berufsunfähigkeit und der so genannten Langlebigkeit.)
 
Die Versicherungen stützen sich hier auf Daten, die sie vom Rückversicherer erhalten. Dieser trägt den Großteil des Risikos und versichert einfach ausgedrückt das Geschäft des Versicherers.
 
Die Versicherungen haben nicht nur das Problem, dass sie das Risiko des Diabetes und dessen Spätfolgen nicht bewerten können, sondern auch mit der stark wachsenden Zahl der Diabetiker.
 
Wenn ein Versicherer ein spezielles Diabetikerprodukt auf den Markt bringen würde, bei dem das dem Vertrag zugrundeliegende Bedingungswerk oder die Annahmerichtlinien lückenhaft sind und sich in der Bewertung des zu versichernden Risikos nur um 0,1% verschätzt, kann das existenzbedrohend für den Versicherer sein.
 
Welche Versicherungsprodukte sind für den Diabetiker problematisch, schwer oder nicht zu bekommen?
 
Realistisch gesehen werden wir im Versicherungsbereich als Diabetiker nie alle Möglichkeiten geboten bekommen, wie dies ein gesunder Mensch erhält. Etwas anderes zu behaupten wäre gelogen.
 
Es gibt eine Reihe von Versicherungsprodukten, die ohne Einschränkungen auch für Diabetiker zu erhalten sind:
 
 
• Haushalts- und Eigenheimversicherungen
• KFZ Haftpflichtversicherungen
• KFZ Kaskoversicherungen
• Rechtsschutzversicherungen
• Erlebensversicherungen ohne Ablebensschutz
 
Leider gibt es aber eine längere Reihe von Versicherungsprodukten, welche nicht oder nur mit Einschränkungen für Diabetiker zu erhalten sind:
 
• Risikolebensversicherungen
Massive Prämienzuschläge bis hin zur Ablehnung des Antrages
• Krankenversicherungen
Im Normalfall Ablehnung
• Berufsunfähigkeitsvorsorgen
In Einzelfällen mit massiven Prämienzuschlägen versicherbar, im Normalfall Ablehnung des Antrages
• Unfallvorsorge
Im Normalfall Prämienzuschläge von bis zu 30%, bei entsprechenden HbA1c Werten Rückvergütung des Zuschlages, in Einzelfällen normale Annahme des Antrages ohne Zuschlag
• Er- und Ablebensversicherungen
Je nach Höhe des eingeschlossenen Ablebensschutzes massive Zuschläge
• Fondsgebundene Lebensversicherungen
Bei neuen Tarifen werden 30% Ablebensschutz vorgeschrieben, somit zum Teil massive Prämienzuschläge
• Betriebsunterbrechungsversicherungen für Gewerbetreibende
Nicht oder nur sehr schwer zu bekommen, meist von den Prämien her nicht mehr finanzierbar
 
Ich bekomme auch immer wieder Rückmeldungen von Diabetikern, die bei einem Versicherer Verträge bekommen, mit geringeren Einschränkungen oder Zuschlägen, als diese von mir angegeben werden. Es handelt sich dabei meist oder fast ausschließlich um Einzellösungen. Meine Zielrichtung ist die Situation für eine größere Gruppe zu erleichtern.
 
Was muss ich als Diabetiker im Zusammenhang mit Versicherungen beachten?
 
Die wichtigsten Grundregeln:
 
• Reden sie mit einem Versicherungsspezialisten, der sich mit chronisch kranken und benachteiligten Menschen beschäftigt. Am besten mit einem persönlich Betroffenen. Ich kann Ihnen gerne österreichweit Ansprechpartner namhaft machen.
• Falsche Angaben am Antrag führen immer zur Leistungsfreiheit des Versicherers im Schadensfall
• Schließen Sie Produkte, welche aufgrund der Gesundheitsfragen oder Gesundheitsprüfung problematisch werden können so früh wie möglich ab
(Optionstarife in der Krankenversicherung für Kinder, diese werden später ohne neuerliche Gesundheitsfragen in vollwertige Krankentarife umgewandelt), Krankenversicherungen können von den Versicherern nach einem Schaden nicht gekündigt werden
• Nutzen Sie die Möglichkeit von Gruppentarifen, sofern diese über Ihren Dienstgeber verfügbar sind
• Machen Sie auf jedem Antrag, welcher aufgrund von Gesundheitsfragen und/oder Gesundheitsprüfung problematisch werden kann den Vermerk „Probeantrag“. So entgehen Sie der Eintragung im Mitteilungsverband der Versicherungen
 
Weitere Tipps im Umgang mit Versicherungen können Sie auf www.budgetok.at in Form einer kostenlosen Checkliste anfordern. Damit haben Sie eine Hilfestellung für den Umgang mit Versicherungen zur Hand, welche auch in regelmäßigen Abständen überarbeitet wird,
 
Was mache ich als Versicherungsspezialist, welche Produkte kann ich für Diabetiker bereits anbieten?
 
Missbrauch ist ein hässliches Wort in diesem Zusammenhang, aber es trifft den Nagel auf den Kopf.
Ich nutze die Lücken in den Annahmerichtlinien sowie Versicherungsbedingungen einzelner Versicherungsprodukte für die Bedürfnisse von Diabetikern und anderen Gruppen von chronisch Kranken.
 
Produkte, die ich für Sie als Diabetiker bereits jetzt anbieten kann:
 
• Unfallversicherungen ohne Prämienzuschläge bei einem österreichischen Anbieter, keine Beantwortung von Gesundheitsfragen erforderlich
• Auslandsreisekrankenversicherungen auch für chronisch kranke und benachteiligte Menschen - akute Schübe sind mitversichert
• Lebensversicherungen mit derzeit bis zu € 50.000 Ablebensschutz ohne Gesundheitsfragen
• Risikoversicherung für Menschen ab 50 Jahren – ohne Gesundheitsfragen
• Krankenversicherungen – Sonderklasse nach Unfall ohne Gesundheitsfragen
 
Was Sie tun sollten, wenn Sie eine Versicherung brauchen:
 
Wir haben ausführliche Checklisten erarbeitet, die wir Ihnen gerne kostenlos zur Verfügung stellen und die Ihnen genau erklären, was Sie bei Bedarf tun sollten.
Um diese Checklisten zu bekommen, bitten wir Sie das unten stehende Feedbackformular auszufüllen und an uns abzuschicken.
Selbstverständlich sind Ihre Daten bei uns sicher und werden keinesfalls an Dritte weitergegeben. Mit dem Abschicken des Feedbackformulars erklären Sie sich einverstanden, bis auf jederzeit möglichen Widerruf Informationen von Diabetes Austria und von budget ok zu bekommen.
 
 
Michael Rust, Versicherungsmakler & Diabetiker
Telefon: 0660/7681677, Fax: 0720/89006613
Mail: info@budgetok.at  Webseite: www.budgetok.at  
6751 Braz, Bahnhofstr. 37
 
 
 
Michael Rust steht Ihnen auch in unserem Expertenforum zur Beantwortung Ihrer Fragen zur Verfügung.
 
 
 
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Welche Medikamente zahlt die Krankenkasse?

Kostenfaktor Medikamente: In der Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens spielen die Medikamente zwar finanziell eine untergeordnete Rolle (nur etwa fünf (!) Prozent der Gesamtkosten betreffen die Arzneimittel) trotzdem sind sie medial im Vordergrund. Original-Medikamente oder Generika wird auch in Zukunft immer wieder die Frage sein, auch wenn die umstrittene „Aut idem“ (lat: oder anderes)-Regelung am Widerstand der Ärzte vermutlich scheitern wird.
Denn eigentlich ist die Abgabe der Arzneien seit langem gut geregelt. Monatlich gibt es über E-Card mehr als 100.000 Bewilligungsanfragen. Dzt. ca. 6000 Teilnehmer – mittlere Antwortzeit beträgt ca. 5 Minuten. Und über 90 % der Anfragen werden innerhalb von 10 Minuten erledigt.
Seit 2005 ist im Erstattungskodex ( EKO ) das sogenannte Ampelsystem geregelt:
 
Peter Leeb von den Aktiven Diabetikern Austria hat hier noch einmal übersichtlich die Fakten zusammengetragen:
 
GRÜNE BOX vom Arzt ohne besondere Bewilligung verschreibbare Arzneien
( 1.Aug.2007 : 3 485 Medikamente).
 
GELBE BOX „hellgelb“ - d. h. Arzneien verschreibbar mit besonderer
Dokumentation (bei nachfolgender Kontroll-Möglichkeit)
( 1 . Aug 2007 : 282 Medikamente ) . Kürzel : RE2
DOKUMENTATIONS – PFLICHT durch den Arzt!
 
„dunkelgelb“- d. h. Arzneien verschreibbar mit vorheriger
Bewilligung durch die Krankenkasse
( 1. Aug 2007 : 310 Medikamente ) Kürzel : RE1
BEWILLIGUNGS - PFLICHT
 
ROTE BOX neue Arzneien am Markt – können sofort verschrieben werden,
die Kostenübernahme muß vorher bewilligt werden (kann aber
auch privat bezahlt werden).
( 1, Aug 2007 : 113 Medikamente )
 
Die chefärztlichen Bewilligungsvorgänge laufen über das ABS, d. h. über das Arzneimittel-Bewilligungs-Service.
 
Quelle: Erstattungskodex (EKO) ; www.kup.at  / 6730.pdf
 

Wie wird man von der Rezeptgebühr befreit

Seit 1. 1. 2008 muss für jedes verschriebene Medikament ( à 4,80 Euro),
jedoch nur so lange die Rezeptgebühr gezahlt werden, bis im laufenden Kalenderjahr
der Betrag von 2% des Jahresnettoeinkommens erreicht wird .
 
Danach gilt für den Rest des Jahres die Befreiung
Das wird auf dem Rezept vermerkt und man zahlt in der Apotheke keine
Gebühr mehr.
 
Dies gilt nur, wenn man nicht aus anderen Gründen befreit ist
• z.B. sozialen wie Ausgleichzulage (ohne Antrag oder
• geringfügiges Einkommen (nur mit Antrag)
• d.h. unter 12 x 747 Euro = 8.964 Euro im Jahr ,
 
In allen anderen Fällen muss man (entsprechend dem Einkommen ) die Rezeptgebühr bezahlen und zwar progressiv gleitend …
 
z. B. über 12 x 747 Euro = 8.964 Euro Jahresnettoeinkommen
Befreiung ab der 38. Rezeptgebühr :
(zu zahlen bis 37 x 4.80 = 177,60)… etwa ab monatlich 4 Verschreibungen
 
z. B. 12 x 1000 Euro = 12.000 Euro Jahresnettoeinkommen
Befreiung ab der 51. Rezeptgebühr :
…etwa ab monatlich 5 Verschreibungen
z. B. 12 x 1500 Euro = 18.000 Euro Jahresnettoeinkommen
Befreiung ab der 76. Rezeptgebühr :
…etwa ab monatlich 7 Verschreibungen
z. B. 12 x 2000 Euro = 24.000 Euro Jahresnettoeinkommen
Befreiung ab der 101. Rezeptgebühr :
…etwa ab monatlich 9 Verschreibungen
z. B. 12 x 2280,93 Euro=27.371,16 Euro Jahresnettoeinkommen
(= Obergrenze )
Befreiung ab der 115. Rezeptgebühr :
…etwa ab monatlich 10 Verschreibungen
 
 
Weitere Informationen:
ANFRAGEN: SV-Servicecenter
Tel: 050 124 3360
österrreichweit zum Ortstarif
Mo-Fr von 8-18 Uhr
 
Redaktionelle Bearbeitung von Peter Leeb 15. 04. 2008
 
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Für kluge Patienten und engagierte Mediziner

Mit „Therapie aktiv“ den Diabetes im Griff

Von Peter P. Hopfinger

Bis vor nicht allzu langer Zeit galt: Die Hälfte aller Typ2-Diabetiker stirbt innerhalb von zehn Jahren nach der Diagnose. Diese traurige Statistik soll nun massiv verbessert werden. Mit dem Konzept „Therapie aktiv“ wollen die Krankenkassen die Lebensqualität der Patienten verbessern, die Lebensdauer verlängern und gleichzeitig die Kosten der Folgeerkrankungen senken. Peter P. Hopfinger sprach mit Projektleiter Mag. Sascha Müller.

Entwickelt und getestet wurde das Programm „Therapie aktiv“ in der Steiermark. Ende vergangenen Jahres wurde es in zwei Wiener Bezirken probiert, doch bereits wenige Monate später auf ganz Wien ausgedehnt. Bereits Mitte dieses Jahres soll es „Therapie aktiv“ in ganz Österreich geben.

Herr Mag. Müller, was ist denn nun „Therapie aktiv“ eigentlich?

Mag. Sascha Müller: „Therapie aktiv ist ein Langzeit-Betreuungsprogramm für Menschen mit Typ 2-Diabetes, das vor allem den Hausarzt einbindet. Früher war es so, dass jemand seinen Diabetes in einer Ambulanz behandeln ließ. Jetzt wird mit einem speziellen Schulungsprogramm der Hausarzt eingebunden und gleichzeitig wird durch einen anonymisierten Fragenbogen, den der Mediziner ausfüllen muss, gesichert, dass die wesentlichen Untersuchungen beim Diabetes (HbA1c, Fusskontrolle, Augenkontrolle u.a.) jährlich mindestens einmal durchgeführt werden.

Das verlangt von den Ärzten und den Patienten aber jede Menge Mitarbeit, oder?

Mag. Sascha Müller: „Mitarbeit schon, aber leistbare. Der Mediziner muss sein Wissen auffrischen und erhält bei korrekter Ausfüllung des Fragebogens und der davor durchgeführten Untersuchungen pro Patient und Jahr 100 Euro Entgelt. Alle bisher kurativ erbrachten Leistungen erhält der Hausarzt auch weiterhin honoriert. Der Patient erhält noch viel mehr: eine verbesserte Lebensqualität und in der Summe mehr Lebensjahre. Allerdings gibt es auch für die Betroffenen Teilnahmekriterien: eine eindeutige Diagnose der Zuckerkrankheit und die Bereitschaft aktiv am Programm teilzunehmen. Übrigens haben in Wien mittlerweile rund 200 Ärzte an der Grundausbildung zum DMP-Arzt teilgenommen und Zahl der eingeschriebenen Patienten zum Programm wächst täglich.

Wenn so eine Checkliste ausgefüllt oder eine Zielvereinbarung vereinbart wird, werden viele Patienten Sorgen um die Anonymität haben. Oder was wird, wenn man die Zielvereinbarungen – aus welchen Gründen immer – nicht einhalten kann?

Mag. Sascha Müller: „Diese berechtigten Sorgen verstehen wir sehr gut. Deshalb bekommen wir in der Administrationsstelle der WGKK auch ausschließlich anonymisierte Fragebögen zu sehen. D.h. der Arzt vergibt für seinen Patienten einen Codenamen, den nur er und der Patient wissen. Für uns sind nur die Daten wichtig, und nicht ob es sich dabei um Herrn Maier oder Frau Huber handelt. Das gilt auch für Zielvereinbarungen. Wichtig ist, dass welche getroffen werden. Ob die dann zu hundert Prozent eingehalten werden, ist primär Sache des Patienten und des behandelnden Arztes, nicht unsere. Der Patient hat daher auch keinerlei Konsequenzen bei Nichterreichen des Zieles zu befürchten.

Das heißt es wird niemand gezwungen, an dem „Therapie aktiv“-Programm teilzunehmen?

Mag. Sascha Müller: „Natürlich nicht. Mit Zwang erreicht man gar nichts. Wir sind aber überzeugt, dass die Vorteile dieses Programms so klar auf der Hand liegen, dass jeder vernünftige Mensch sie erkennen kann:

  • Als Patient bleibe ich in der Betreuung des vertrauten Hausarztes
  • Als Arzt muss ich keine Befürchtung haben, dass mir mein Patient wegen des Diabetes woanders hin abwandert
  • Patienten und Ärzte werden im Rahmen dieses Programms geschult und erfahren so mehr über Diabetes und die neuesten Therapiemöglichkeiten.

Wir sind daher froh, wenn Patienten ihre Hausärzte fragen, ob sie schon an dem neuen Programm teilnehmen. Insgesamt hoffen wir, im ersten Jahr in Wien rund 1.000 Patienten in das „Therapie Aktiv“Programm aufnehmen zu können. Dies erreichen wir vor allem dann, wenn wir auch genug Ärzte von den Vorteilen des neuen Programms überzeugen können.

Ein Satz noch zu den Kosten?

Mag. Sascha Müller: „Aktuell kostet ein Diabetes-Patient im Durchschnitt 2.500 bis 3.000 Euro pro Jahr. Natürlich kostet auch das „Therapie aktiv“-Programm Einiges. Wenn man z.B. die 100 Euro pro Patient und Jahr rechnet, sind das bei angestrebten 1.000 Patienten alleine 100.000 Euro pro Jahr. Nicht gerechnet sind dabei Drucksorten, Ärzteschulungen und die Administration. Trotzdem sehen wir neben den Vorteilen für den Einzelnen auch die Gesamtsituation. Und da muss man schon sehen, dass durch den Erhalt des Patienten als Arbeitskraft für die Gesellschaft, durch den Wegfall teurer Operationen oder von Dauertherapien wie etwa Dialyse auch wirtschaftlich eine Menge erreicht werden kann.

Wir danken für das Gespräch

Ärzte die beim „Therapie Aktiv“-Programm teilnehmen, finden Sie unter folgenden Links.

Liste der "Therapie Aktiv-Ärzte in Wien

Liste der „Therapie Aktiv-Ärzte in Salzburg

Liste der „Therapie Aktiv-Ärzte in der Steiermark 
 

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Führerschein: Amtsärzte müssen jetzt auf behandelnde Ärzte hören

Der Unbefristete

Von Peter P. Hopfinger

Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, haben oft nur befristete Führerscheine. Auch meine Lizenz zum Autofahren war bis vor kurzem auf fünf Jahre beschränkt. Jetzt fahre ich mit amtlicher Genehmigung wieder ohne zeitliches Limit. Voraussetzungen waren: Beharrlichkeit und eine gute Diabetes-Einstellung.

Zugegeben: es war eine blöde Geschichte, als ich vor mehr als sechs Jahren im Zuge einer Verkehrskontrolle mit zuviel Alkoholkonsum erwischt wurde. Es war – ich schwör´s – das erste und letzte Mal. Noch blöder war freilich, dass ich während meiner Einvernahme auch angab, Diabetiker zu sein. Ich erntete höhnisches Gelächter: „Haha, da sollten S´doch gar keinen Alkohol trinken…“

Schwamm drüber.
Seither lass ich das Auto stehen oder trinke beim abendlich „Gassi gehen“ keinen Tropfen.
Besonders fies empfand ich, dass ich meinen Führerschein, der mir kurz darauf wieder ausgehändigt wurde, nur noch für fünf Jahre befristet bekam. „Wegen dem Diabetes“ wie mir der namenlose Amtsarzt erklärte.
Dabei hab ich bessere Werte als so mancher „Gesunde“, fahre seit Jahren in der Versicherungsstufe 0 (das sind in Österreich Leute, die seit neun Jahren keinen Unfall haben) und gehöre – dank regelmäßiger Blutzucker-Kontrolle – zu jenen Menschen, die nicht zu unkontrollierten Hypos neigen.
Trotzdem: so einfach ist es keineswegs, wieder einen „normalen“ Führerschein zu bekommen. Hier muss ich – ich gestehe es ungern – dem blau/orangen – Verkehrsminister Hubert Gorbach ein Kompliment machen. Denn was rot und schwarz in jahrzehntelanger Regierungsarbeit versäumt haben, hat der Vorarlberger Gorbach relativ unspektakulär per Ministererlass angeordnet: die Erkenntnisse des behandelnden Internisten/Diabetologen sind höher zu bewerten und auch von den Amtsärzten anzuerkennen. An sich ist es ja logisch und man fragt sich, warum auf diese Binsenweisheit nicht schon früher jemand draufgekommen ist.
Wie war´s denn bisher? Man konnte als Mensch mit Diabetes noch so gute Werte haben, der Amtarzt – ein meist namenloser Mediziner – entschied nach kurzem Blick auf seine „Vurschriften“: „Sie kriegen den Schein auf ein paar Jahre befristet.“
Dass dieser entscheidende Mediziner weder eine Ahnung von dem vor ihm sitzenden Menschen und auch meist nicht von Diabetes hatte, spielte für die Entscheidung keine Rolle.
Jetzt also Vergabe neu. Aber wie funktioniert das in der Praxis?
An einem Sommermorgen im Juli finde ich mich dank „seniler Bettflucht“ pünktlich um acht Uhr vor dem Verkehrsamt in Wien ein. Der frühe Termin hat tatsächlich sein Gutes. Ich bin sehr früh dran, was meine Begegnung mit dem Amtsarzt – in diesem Fall eine Frau – angeht.
Ausgerüstet bin ich mit einem tadellosen Befund meiner behandelnden Ärztin, Prof. Dr. Kinga Howorka. HbA1c bei 6,1 Prozent, Blutdruck normal, Blutfette normal, Spätschäden durch Diabetes – keine, nix, null, zilch.

Der freundlichen beamteten Medizinerin erkläre ich das auch alles. Aber: sie will mir den rosa Schein trotzdem wieder nur auf fünf Jahre befristet geben. Ich bleibe hart: „Nein! Ich will nicht wegen meinem Diabetes als Autolenker zweiter Klasse gelten. Die Erkrankung selbst verursacht ohnedies jedem Betroffenen Mehrkosten – auch mir. Warum soll ich alle fünf Jahre meine Zeit auf dem Verkehrsamt vergeuden. Warum soll ich zig Euro für immer wieder neue Dokumente ausgeben? Warum glaubt man amtlicherseits, dass ich ein weniger vertrauenswürdiger Verkehrsteilnehmer wäre, als irgendjemand anderer?“
Die Ärztin nickt verständnisvoll und verlangt, dass mein behandelnder Arzt eine Prognose für die Zukunft stellt. Im Klartext: Prof. Howorka soll quasi verbindlich bestätigen, dass von mir wegen Diabetes keine erhöhte Gefahr im Straßenverkehr ausgeht. Wenn diese schriftliche Erklärung vorliegt, empfiehlt sich auch Kollegen schriftlich mir keine Hindernisse für einen unbefristeten Führerschein in den Weg zu legen. Weil die Zeit schon knapp ist, bekomme ich von ihr immerhin eine Art Not-Erlaubnis für die kommenden drei Monate. Mit dieser darf ich aber nur in den Grenzen unserer schönen Republik ein Auto lenken. Na immerhin.
Prof. Howorka, die mich seit meiner Erkrankung begleitet und eine Art Supervisor für mein eigenes erfolgreiches Management ist, schreibt die gewünschten Zeilen umgehend. Trotzdem vergeht einige Zeit, bis ich wieder das Verkehrsamt besuche. Man hat ja auch anderes zu tun.
An einem sonnigen Oktober-Morgen bin ich wieder am Verkehrsamt. Was für ein Glück. Viel weniger Bittsteller als beim ersten Besuch. Der heute diensthabende Amtsarzt sieht aus, als hätte er selbst erst vor kurzem innige Bekanntschaft mit einem Alleebaum gemacht. Aber: er will nichts mehr von mir. Weder ein „guten Tag“ noch einen Händedruck. Der Befund von Prof. Howorka reicht ihm. „ Net bös sein“, meint er, „aber wenn ich bei 50 Parteien am Tag jedem die Hand geb´, bin ich am Ende des Tages krank.“ Ich versteh´s. Ausserdem ist es mir relativ egal. Er bewilligt meinen unbefristeten Führerschein.

Ich wandere anschließend noch zu meiner Referentin, die – man höre und staune – tatsächlich Frau Knackal heisst, aber weder so piepst noch so beschränkt ist, wie die Fernseh-Figur, die von der superben Monika Weinzettl so unnachahmlich dargestellt wird.
Und die meint lakonisch: „Ab 18. November können Sie Ihren Führerschein abholen. Kostet nur noch 45 Euro.“

Ich schwöre: es ist da letzte Mal, dass ich für die Berechtigung ein Auto zu lenken Geld ausgebe.

Tipps zum Führerschein

Grundsätzlich muß man – wenn man den Führerschein neu macht – angeben, ob man Diabetes hat. Juristisch ist es daher korrekt, wenn man dies tut. Allerdings sind viele Fälle bekannt, in denen das unterlassen wurde und auch funktionierte. Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Problematisch wird es bei einem Versicherungsfall: sollte die Assekuranz draufkommen, dass man falsche Angaben gemacht hat, ist das ein Grund, verursachte Schadenszahlungen vom Versicherten zurück zu verlangen.

Daher empfiehlt es sich bei der Wahrheit zu bleiben. Neueste gesetzliche Bestimmungen besagen, dass ein behandelnder Facharzt, der eine positive Stellungnahme abgibt, vom Amtsarzt nicht mehr unberücksichtigt bleiben darf.
Voraussetzung für die positive Stellungnahme des Facharztes sind klarerweise eine gute Zuckereinstellung und andere Voraussetzungen: normaler Blutdruck, keine Augen- oder Nervenschäden etc.

Fragen zum Thema?
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