Diabetes Austria
Reise und Urlaub
Richtige Vorbereitung garantiert ganzes Urlaubsvergnügen

Mit Diabetes entspannt in den Urlaub

Urlaub – das sind für uns meist die schönsten Wochen des Jahres. Endlich raus aus dem stressigen Alltag, mal was Neues kennen lernen und erleben. Trotz aller Urlaubsvorfreude muss man als Urlauber mit Diabetes bei Reisevorbereitungen Einiges berücksichtigen. Hier sind die besten Tipps.

Etwas Zeit für Reisevorbereitungen nehmen – das ist das beste Geheimrezept, um ohne Aufregung und Stress den wohlverdienten Urlaub vorzubereiten. Danach ist es ganz einfach, völlig zu entspannen. Man genießt die freie Zeit und macht den Urlaub zu einem Höhepunkt des Jahres.

Vor der Reise
Es gibt viele wichtige Dinge, die vor Reisebeginn erledigt werden müssen. Am besten hilft eine Reise-Checkliste:

• Personalausweis/Reisepass
• e-card / Auslandskrankenschein für Länder außerhalb der EU
• eventuell private Reisekrankenversicherung
• Reiseapotheke
• Impfungen/Impfpass
• Urlaubsdokumente (Flugticket, Devisen etc.)
• Reise- und Gepäckversicherung
Diabetes-Notfallanhänger (in englischer oder deutscher Sprache)
Frio-Tasche zum Kühlen von Insulin
Dreisprachige Bestätigung für Reisende mit Diabetes
• Ascensia ® Diabetes-Dolmetscher (die wichtigsten Begriffe in neun Sprachen – kostenlos zu bestellen unter 0810/00 82 93)
• Diabetiker-Kost bei der Fluglinie und im Hotel bestellen
• Versorgung der Blumen, Haustiere usw. abklären
• Mit dem Arzt eventuell anstehende Impfungen sowie ggf. den Spritz-/Essplan für die Reise (bei Flugreisen eine evtl. Zeitverschiebung) besprechen.

Für die Reise ausreichend Material besorgen. Im außereuropäischen Ausland kann die Beschaffung von Medikamenten, Spritzen etc. schwierig sein. Allgemeine reisemedizinische Beratung ist auch beim örtlichen Gesundheitsamt, in einigen Apotheken oder bei anerkannten reisemedizinischen Beratungsdiensten erhältlich.

Hilfreich kann eine Liste mit diabeteserfahrenen Ärzten, die am Urlaubsort ordinieren, sein. Informationen sind am Fremdenverkehrsamt des Urlaubsortes erhältlich.

Eine kleine Reiseapotheke (Verbandsmaterial, Brand- und Wundsalben, Fieberthermometer, Medikamente gegen Übelkeit, Schmerzen, Magenbeschwerden, Fieber, Fußpflegemittel, Insekten- und Sonnenschutz) zusammenstellen.

Bei Patienten mit bereits bestehenden Komplikationen (Nierenschäden, Durchblutungsstörungen, diabetisches Fußsyndrom u.ä.) ist die ärztliche Reiseberatung unerlässlich. Auch diabetische Dialysepatienten müssen nicht auf Urlaubsreisen verzichten, denn es besteht die Möglichkeiten, an Urlaubsorten die künstliche Niere nutzen zu können, was aber einer Vorabklärung unbedingt bedarf.

Antritt der Reise
Das sollte im Handgepäck, d.h. für den kurzfristigen Diabetesbedarf (2-3 Tage) mitgenommen werden:

• Ausreichend Insulin, Tabletten. (in der Originalverpackung, inkl. Beipackzettel)
• Spritzen, Pen mit ausreichend Nadeln, Pumpe bzw. U-100-Einmalspritzen als Ersatz
• Stechhilfe mit ausreichenden Lanzetten
• Blutzuckermessgerät mit genügend Teststreifen
• Reservebatterien für Pumpe bzw. Messgerät
• Not-BEs wie z. B. Traubenzucker oder Gel zur Behandlung leichter Unterzuckerungen
• Glukagon-Notfallset (bitte informieren Sie Mitreisende über die Handhabung des Sets)
• Frio-Tasche zum Kühlen von Insulin
• Dreisprachige Bestätigung für Reisende mit Diabetes
• Diabetes-Notfallanhänger (um den Hals tragen!)
• Ascensia ® Diabetes-Dolmetscher
• Diabetikertagebuch
• Evtl. BE-Tabelle

Das sollte im Hauptgepäck (für den längerfristigen Bedarf) mitgenommen werden:

• Spritzen bzw. Ersatz-Pen, Kanülen
• U-100-Einmalspritzen (für Pen- oder Pumpenausfall)
• Ein zweites Blutzuckermessgerät als Ersatz, sowie Ersatzbatterien und zusätzliche Teststreifen
• Ärztliches Rezept für Insulin, Tabletten, Glukagon-Notfallset

Am Urlaubsort
Ärztliche und Notfall-Versorgung klären.
Telefonnummern von Arzt, Rettungswagen, Apotheke und Klinik erfragen.

Veränderte Verhaltensweisen im Urlaub


Der Urlaub stellt an einen Diabetiker andere Anforderungen als an das Leben zu Hause. Je routinierter man schon zu Hause mit seinem Diabetes umgeht, desto leichter wird die Bewältigung neuer Situationen im Urlaub gelingen. Denn im Urlaub ist man mehr unterwegs, man bewegt sich mehr, schläft morgens länger oder auch die Essensmahlzeiten verschieben sich. Aus diesem Grunde ist es ganz wichtig, den Blutzucker häufiger als gewohnt zu kontrollieren und die Therapie dementsprechend anzupassen. Folgende Faktoren führen beim Blutzucker zu veränderten Werten:

• Bewegung: Im Urlaub bewegt man sich häufig mehr als zu Hause. Dies kann zu Blutzuckerschwankungen und somit zu einem veränderten Insulinbedarf und einem anderen Tagesablauf führen. Körperlich anstrengende Touren nie alleine unternehmen. Eventuell fremde Begleiter über die Krankheit und geeignete Maßnahmen im Notfall informieren.

• Hitze: Große Hitze mit intensiver Sonneneinwirkung oder ein heißes Thermalbad beschleunigen die Insulinwirkung, da die Haut bei hohen Temperaturen besser durchblutet und das Insulin schneller aufgenommen wird. Dies kann schnell zu einer Unterzuckerungen führen. Des Weiteren steigt durch das vermehrte Schwitzen der Flüssigkeitsverlust. Die ohnehin eingeschränkte Nierenfunktion kann weiter sinken.

• Durch das Weglassen von Mahlzeiten, das Essen zu ungewohnten Zeiten oder Alkoholkonsum kommen die Blutzuckerwerte durcheinander.

Ernährung
Im Urlaub kann man unter Berücksichtigung des normalen Kostplans und mit einer Austauschtabelle wie gewohnt essen. Hilfreich ist es, sich über landesüblichen Gerichte und deren Gehalt an Kohlenhydraten über entsprechende Reiseführer oder landesspezifische Kochbücher zu informieren. Entsprechende Tabellen, die immer dabei sein sollten, besorgen. Gut eingespielte und routinierte Diabetiker können auf jeden Fall landestypische Gerichte probieren. Sie sollten dann aber bei einem ungewohnten Essen kurz vorher und zwei Stunden nachher Blutzuckertests durchführen. Teilweise kann man sich den Kohlenhydratgehalt dieser Mahlzeiten aus bekannten Lebensmitteln ableiten: Bulgur in der Türkei hat denselben Kohlenhydratgehalt wie Weizen, also kann man ihn wie Weizen berechnen: 15 bis 20 Gramm pro BE.
Man sollte auch Erkundigungen einholen, wie und wo man sich mit entsprechenden Zwischenmahlzeiten versorgen kann (Hotel oder Supermarkt).
Traubenzucker in festen, insektensicheren Behältnissen aufbewahren.

Ganz wichtig: Etwa 1,5 bis 2 Liter ALKOHOLFREIE Flüssigkeit am Tag trinken! In wärmeren Reisegebieten muss man sogar 3 bis 4 Liter alkoholfreie Getränke zu sich nehmen.
Alkohol ist eigentlich "Gift" für den Körper eines Diabetikers. Man sollte alkoholische Getränke im Urlaub nur dann trinken, wenn dies ohne Gefahr für die Gesundheit ist und die Blutzuckerwerte unter Kontrolle sind. Auch dann den Alkohol nur in vernünftigen Mengen und nie auf leeren Magen trinken.

Insulinlagerung am Urlaubsort
Egal, wohin die Urlaubsreise geht – ob in den sonnigen Süden oder in den Tiefschnee der Alpen –, die Aufbewahrung der Diabetiker-Utensilien, und hierbei speziell des Insulins, gehört in die Hände des Diabetikers. Die Insulinpatronen sollten bei einer Temperatur von circa 2°C bis 8° C gelagert werden. Sehr praktisch für den Urlaub ist die Frio-Kühltasche, die ohne Strom, Batterien oder Kühlelemente funktioniert.

Das Handy als Lebensretter
Es gibt Situationen wo es nicht möglich ist über die österreichischen, nationalen Notrufnummern 140, 122, 133, 144, ...usw. Hilfe herbeizurufen.
Zum Beispiel: Der Empfang des eigenen Netzbetreibers ist schlecht oder gar nicht möglich. Der in Not geratene Tourist hat nur ein Handy eines ausländischen Netzbetreibers.

Das GSM Notrufservice
Das Notrufservice wurde von Anfang an bei der GSM-Entwicklung berücksichtigt, um ein einheitliches und zuverlässiges System für alle GSM-Netze und alle GSM-Handies zu schaffen.
Im Gegensatz zum Festnetztelefon wurde im GSM Netz ein eigenes Notruf Service eingeführt. Ein Handy hat damit die Möglichkeit, dem Netz einen Notruf speziell anzuzeigen. Somit kann der GSM-Notruf von einem "normalen" Telefongespräch sehr einfach unterschieden werden.
Das hat mehrere Vorteile:

• Der Anruf wird mit höchster Priorität im Netz behandelt. Notfalls werden "normale" Gespräche beendet, um eine freie Leitung zu bekommen.
• Der Notruf kann auch ohne PIN-Eingabe oder überhaupt ohne eingelegte SIM-Karte erfolgen.
Einheitliche Notrufnummer 112

Alarmieren über die internationale Notrufnummer 112 Falls der Empfang bzw. die Gesprächsqualität sehr schlecht sind, kann es helfen, das Handy auszuschalten und wieder einzuschalten, aber NICHT den PIN-Code einzugeben. Ohne PIN kennt das Handy nicht Ihren Netzbetreiber und versucht vorerst das stärkste Netz in Ihrer Umgebung zu finden, um für einen eventuellen Notruf gewappnet zu sein. Dann 112 wählen und "Abheben Taste" drücken, damit wird der Notruf über den "fremden" Netzbetreiber gestartet.

Der GSM-Notruf wird in Österreich auf die Nummer 133 umgeleitet.
Der Anrufer gelangt also zum Polizeinotruf.
Von dort erfolgt dann die weitere Alarmierung der entsprechenden Einsatzkräfte.

Wir wünschen viel Spaß im Urlaub und eine gute Reise!

 

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