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International
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DREAM Trust betreut indische Kinder mit Diabetes, die sonst sterben müssen
Sai – unser Mädchen in Indien
Von Veronika Kub
Sie wird am 24. April vierzehn Jahre alt und ihr Traumberuf ist Zeichenlehrerin. Sai Kulkarni lebt in der indischen Stadt Nagpur, einer Zwei-Millionen-Metropole in Zentralindien. Als sie drei Monate nach ihrem achten Geburtstag mit Diabetes diagnostiziert wurde, war der Schock groß.
Vor allem Sais Eltern, die bei einem Monatseinkommen von 80 Dollar keine Ahnung hatten, woher sie das Geld für das lebensnotwendige Insulin bzw. Nadeln, Stechhilfen, Messgeräte und Messstreifen nehmen sollten, waren verzweifelt.
 Zum Glück hörten sie, dass Dr. Sharad Pendsey seit Jahren in ihrer Stadt sein Diabeteszentrum DREAM Trust betreibt und sich dort erfolgreich besonders um weibliche Kinder und Jugendliche mit Diabetes bemüht. Der Grund dafür: Wenn Mädchen in Indien krank werden, sind sie absolut wertlos und werden in vielen Fällen von der Familie verstoßen. Bei Diabetes kommt das einem ein Todesurteil gleich.
Als wir von Diabetes Austria vor sechs Jahren von der engagierten Österreich-Repräsentantin, Anna M. Uhlich, über DREAM Trust (DREAM steht nicht nur für den Traum vom Leben, sondern auch für Diabetes Research Education And Management Trust) informiert wurden, haben wir uns entschlossen, eine Patenschaft zu übernehmen und es war klar, dass wir ein kleines Mädchen unterstützen wollten.
.jpg) Wenige Wochen später bekamen wir die kurze Lebensgeschichte und ein Foto von Sai aus Indien geschickt. Wir haben uns sofort in die damals Achtjährige verliebt.
 Heute, sechs Jahre später, ist aus unserem Patenkind ein Teenager geworden. Sai hat das Management ihres Diabetes gelernt und ist eine der wenigen Dream Trust PatientInnen, die auf Lantus (und Actrapid) eingestellt ist. Sie ist ein aufgewecktes Mädchen, eine gute Schülerin, spielt Theater und liebt es zu malen und zu zeichnen. Ihr größter Wunsch ist es, später einmal Zeichenlehrerin zu werden.“
Immer wieder bekommen wir Post aus Indien und Zeichnungen von Sai, die zum Teil preisgekrönt sind.
Es freut uns immer sehr, zu erfahren, wie gut sich unser Patenkind entwickelt, Mit unserer Unterstützung von 26 Euro im Monat ist gewährleistet, dass Sai und ihr Diabetes regelmäßig kontrolliert wird und sie ihr Insulin und ihre Spritzen bekommt. Auch die Reisespesen für die Fahrt zur Klinik sind damit abgedeckt.
Wir werden auch weiterhin an dieser Stelle über Erfolge, Misserfolge und das weitere Leben unseres Mädchens in Indien berichten.
Um auch anderen kleinen Zuckerkranken eine Chance zu geben, bitten wir unsere Leser zu helfen, damit indische Kinder mit Diabetes nicht sterben müssen!
Bitte übernehmen auch Sie eine Patenschaft!
Kontakt in Österreich: Dream Trust/ Anna M. Uhlich
Postfach 250
A - 1150 Wien, Österreich
Spenden an:
Anna M. Uhlich / Dreamtrust
ERSTE BANK 0030032203807
BLZ 20 111
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Diyabet – 1. Bilgilendirme Günü
Was einem mitunter spanisch vorkommt, ist in Wahrheit türkisch. Ähnlich geht es türkisch-sprechenden Patienten, wenn es um Diabetesaufklärung in deutscher Sprache geht. Kein Wunder daher, dass beim 1. türkischsprachigen Informationstag in Wien-Favoriten rund 500 Interessierte ins ATIB-Kulturzentrum strömten.
Das Angebot bei dieser von Doz. Dr. Peter Fasching und Dr. Kadriye Aydinkoc-Tuzcu vom Wiener Wilheminenspital organisierten Veranstaltung war vielfältig. Es gab nicht nur zahlreiche Teststationen, bei denen man unverbindlich diverse Werte – von Blutzucker über HbA1c bis hin zu Blutdruck und Cholesterin – kostenlos messen lassen konnte. Es zeigten auch verschiedene Firmen ihre neuesten Produkte und etliche türkische Mediziner hielten Vorträge zu den immer wieder kehrenden Themen Ernährung, Schwangerschaft, Spätfolgen und vielem Mehr.
Frau Dr. Kadriye Aydinkoc-Tuzcu im Rückblick: „70- 80 Prozent der Besucher waren Diabetiker, Betroffene oder Verwandte und etwa 10 bis 15 % kamen vorbeugend, um sich zu informieren.“, so die Ärztin, der aber auch die enormen Wissenslücken auffielen. „Nur wenige wussten etwas über Diabetes und Schwangerschaft, einzelne kannten keinen Zusammenhang zwischen weißem Mehl oder Würfelzucker und dem Anstieg des Blutzuckers. Da fehlt es einfach an Basiswissen.“
Gerade deshalb freute sich die engagierte Medizinerin aber auch über zahlreiche Nachfragen: Wann macht ihr so etwas wieder? Da muss ich meine Freunde und Verwandten informieren, wieso haben das so wenige gewusst? Da muss man mehr Werbung dafür machen.
Fazit: Es ist die Geburtsstunde einer tollen Idee, man kann den Eltern dieses Projekts nur herzlich gratulieren und dem Baby alles Gute wünschen! Bleibt zu hoffen, dass die notwendigen Sponsoren zur Stelle sein werden und mithelfen, dass beim nächsten Mal der Erfolg noch größer ist als heuer!
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Die Sicherheit der Patienten in der EU verbessern
 Der Kurzfilm beschreibt die Herausforderungen der Patientensicherheit, vor denen alle Gesundheitssysteme der EU heute stehen. Darin enthalten ist auch eine weit verbreitete Schadensursache, nämlich Infektionen, die in Zusammenhang mit einer Behandlung entstehen. Der Film bezieht sich auch auf Maßnahmen, die die Patientensicherheit verbessern und erklärt weiters, wie die EU die Mitgliedstaaten in diesem Prozess unterstützen kann.
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Experte fordert zu radikalem Umdenken auf
Migration und Diabetes als weltweite Gesundheits-Herausforderung
 Von Manuel Carballo,
Internationales Zentrum für Migration, Gesundheit und Entwicklung
Zusammenfassung eines Vortrages im Rahmen der ÖDG-Tagung 2008
Noch vor zehn Jahren wären wir nicht in der Lage gewesen, die Zusammenhänge zwischen Migration und Gesundheit darzustellen und noch weniger die von Migration und Diabetes. Zum einen, weil wir einfach die medizinischen Daten und Zahlen noch nicht gehabt haben, zum anderen weil das Interesse an Migration bzw. an den Gesundheitsrisiken, die dadurch entstehen nicht vorhanden war.
Man kann die Problematik in vier verschiedene Bereiche aufteilen.
Im ersten geht es um eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der Migration. Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit allgemeinen gesundheitlichen Konsequenzen und im dritten dann schließlich mit Diabetes und schlussendlich mit den sogenannten „fördernden Faktoren“, die ich so nenne weil wir uns tatsächlich mit der Forschung was dieses Gebiet betrifft erst ganz am Anfang befinden.
Warum sollten wir uns mit so einem Thema auseinander setzen?
Der primäre Grund ist, dass wir uns momentan in einer Zeit der Völkerwanderung befinden. Vor allem hier in Europa hat sich die demographische Struktur sehr stark verändert. Sie wird wohl nie wieder die Gleiche sein und eine der Herausforderungen ist, dass wir uns daran gewöhnen.
Zum einen weil die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung weltweit immer größer und schneller wird und auch wenn ich mich hauptsächlich auf die Situation in Europa und internationale Migration konzentrieren möchte, ist es doch so, dass das gleiche innerhalb von Ländern wie China und Indien ebenfalls und noch viel schneller, passiert. Schätzungsweise bewegen sich zum Beispiel in China pro Monat zirka 3,8 Millionen Menschen aus ländlichen Bezirken in die großen Industriegebiete an der Ostküste.
Jede menschliche demographische Bewegung bringt neue Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Aber nicht nur für die Präsentation, sondern auch für neue Lösungsansätze.
Ganz einfach ausgedrückt: zurzeit bewegen sich in Europa mehr Menschen als jemals zuvor, aber sie bewegen sich auch schneller und weiter. Ausserdem bewegen sie sich nicht nur geographisch, sondern auch ökologisch. Bei dieser Wanderung von einer ökologischen Zone in die nächste wächst auch die Aufnahmefähigkeit für neue gesundheitliche Herausforderungen und Probleme.
Migration ist nichts Neues. Es hat sie immer schon gegeben und wir sollten sie zuallererst als ökologische Anpassung sehen. Die Menschheit ist schon immer gewandert, sei es wegen Klimaveränderungen, den verschiedenen Regenzeiten oder weil sich die Ballungsräume verändert haben.
So wie es momentan aussieht können wir erwarten, das beim derzeitigen Klimawandel wieder eine große Völkerwanderung stattfinden wird.
Die UN erwarten, dass pro Zentimeter Anstieg der Meereshöhe etwa eine Million Menschen und das in den nächsten fünfzehn Jahren wegen dem Klimawandel 200 Millionen Menschen wandern werden müssen. Die kürzlich gewählte Regierung der Malediven hat zum Beispiel beschlossen, so schnell wie möglich in Sri Lanka oder Indien Land zu kaufen.
Geschichtlich gesehen hat Migration auch immer in Kombination mit einer ökonomischen Anpassung stattgefunden. Während dem Ende des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten aus Österreich und dem Rest Mitteleuropas ca. 60 Millionen Menschen nach Australien, Kanada oder in die USA. Es ist also wirklich nichts Neues.
Heutzutage gibt es global gesehen allerdings einen neue Art der Völkerwanderung und das ist die Migration der Menschen, die vor der Verfolgung und dem Tod fliehen. Dazu gehören unter anderem die politischen Anpassungen in der Demokratischen Republik Kongo, aber auch die vergangenen Unruhen im Kosovo, in Bosnien-Herzegowina haben ähnliches gezeigt.
Um Migration zu verstehen muss man sie allerdings mit einem anderen Faktor in Zusammenhang bringen und das ist das ständige Wachstum der Weltbevölkerung. Es sieht nicht so aus, als ob das in den nächsten 20 bis 50 Jahren zurückgehen würde, sondern eher noch stärker weiter wächst.
Wenn man sowohl Wachstum und Migration der letzten Jahrzehnte zurückverfolgt, kann man durchaus einige Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten sehen und wir glauben auch, dass sich einige Muster da noch in den nächsten Jahrzehnten verstärken werden.
Aus europäischer Sichtweise sollte man da allerdings auch noch wechselnde Verhaltensmuster bei der Fruchtbarkeit erwähnen. Frauen heiraten später und auch das erste Kind kommt immer später zur Welt. Auch die gesamte Anzahl der Familienmitglieder wird immer unberechenbarer. Nichts davon hätte man noch vor 25 Jahren voraussagen können. Also hat es Europa ziemlich überraschend erwischt mit der verminderten Fruchtbarkeit und es befindet sich heutzutage in einer ziemlich ungewöhnlichen Position. Mit wenigen Ausnahmen ist kein einziges Land in der Europäischen Union fähig, ist sich heutzutage selbständig zu regenerieren. Und selbst wenn von Regierungen vorgegeben würde, dass pro Familie jede Frau drei Kinder auszutragen hat, wären wir nicht in der Lage diesen Trend in den kommenden 40 Jahren umzudrehen.
Es ist ein Verhaltensmuster, das wir uns langsam angewöhnt haben und wo es recht wenige Möglichkeiten gibt, wieder auszubrechen. Europa wird also durchschnittlich immer älter. Zusammen mit Langlebigkeit, die in den letzten 50 Jahren auch immer weiter gesteigert wurde, bedeutet das für uns, dass wir für diese Verluste aufkommen müssen. Das tun wir, indem wir neue Leute ins Land bringen, da wir ansonsten nicht in der Lage wären, die Sicherheit oder sogar die Wirtschaft in unseren Ländern aufrecht zu erhalten. Migration hat also in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten der Entwicklung Europas eine wichtige Schlüsselrolle eingenommen.
Menschen haben also eine längere Lebenserwartung und genießen das Leben auch mehr. In einer immer abhängigeren Gesellschaft braucht man Bauarbeiter, Landwirtschaftsarbeiter und Putzkräfte. All das passiert in einem neuen Europa, in dem ein zentrifugales demographisches System plötzlich in ein zentrivokales System umgewandelt wird, was vor allem für viele Gesundheitspolitiker sehr überraschend kommt. Heutzutage haben wir in Europa also gar keine Programme, Polizzen und Versicherungen, die darauf zugeschnitten sind sich dieser rasch wechselnden demographischen Bewegung anzupassen.
Sei das jetzt zum Einen eine ältere Bevölkerung, zum Anderen eine immer größer werdende jüngere Bevölkerung, die von außerhalb zu uns stößt, mit sehr unterschiedlichen Krankengeschichten, kulturellen Hintergründen und Erwartungen was benötigt und was dafür getan wird.
Das bedeutet, dass wir in Europa solche Länder wie Österreich haben, wo bereits im Jahr 2000 9,4 % der Einwohner wo anders geboren wurden. Natürlich gibt es auch noch Länder, in denen das ein anderes Ausmaß erreicht hat, wie zum Beispiel Luxemburg, wo es 2000 bereits 37 % ausländische Einwohner gab.
Ausländisch geborene Mitbürger sind mittlerweile also ein großer Teil in den meisten europäischen Gesellschaften. Geschichtlich gesehen wurden Migranten immer verdächtigt. Es herrschte immer der Glaube, dass durch sie neue Probleme und Krankheiten auftauchten. In der Literatur finden wir, dass vor allem Pest und Cholera einen starken Eindruck hinterlassen haben. Dann kam es zu Tuberkulose und in letzter Zeit machten uns vor allem Krankheiten wir AIDS, besonders arzneimittelresistente Stämme, Kopfzerbrechen.
Ich sollte daran erinnern, dass zwischen 1900 und 1950, was nicht sehr lang her ist, über 4000 Menschen aus Europa auf Ellis Island starben und zwar an Krankheiten wegen denen ihnen nicht gestattet wurde in die USA einzureisen.
Die Themen sind also definitiv nicht neu. Es ist tatsächlich sogar so, dass Menschen, die heutzutage aus der Türkei und anderen Teilen der Welt kommen, sich mit einer gesünderen Bevölkerung auseinandersetzen, als es Anfangs des letzten Jahrhunderts der Fall war. Also, wie sieht die momentane Situation aus?
Ich hab hier drei übertragbare Krankheiten aufgelistet. Wenn man nämlich Politiker, Epidemiologen oder Vertreter der Gesundheitsbehörden fragt, so sind es diese, die interessieren. Übertragbare Krankheiten haben schon immer die Fantasie angekurbelt und das Vorstellungsvermögen für sich eingenommen. Und es ist tatsächlich so: wenn man sich Tuberkulose heutzutage ansieht, erkennt man dass sich das epidemiologische Muster so verändert hat, dass man es direkt mit der Völkerwanderung in Verbindung bringen kann. Das Gleiche gilt auch für HIV. Fast alle neuen Fälle von HIV die bei uns diagnostiziert werden kommen aus Zentral- oder Südafrika. Genauso kann man sagen, dass Hepatitis B aus Zentralasien kommt. Natürlich muss man aber sehr vorsichtig sein, weil die natürliche Reaktion darauf ist ein „Ich hab’s dir ja gesagt. Diese Ausländer bringen Krankheiten!“ Ich werde später noch näher darauf eingehen, weil ich das nicht für wahr halte. Die Zahlen mögen zwar stimmen, aber die Entstehung der Krankheiten hat andere Wurzeln, die im eigenen Land zu suchen sind. („homegrown“ – hausgemacht)
Mittlerweile gibt es aber auch schon viel mehr und intensivere Untersuchungen, vor allem in Europa, die zeigen, dass die allererste Auseinandersetzung mit Armutskrankheiten immer dann stattfindet, wenn viele Menschen aus Entwicklungsländern in reiche Länder abwandern.
Aber was ist mit nicht übertragbaren Krankheiten? Was können wir über die Krankheiten sagen mit denen Sie sich hauptsächlich beschäftigen? Wie sieht es bei Herz- und Gefäßkrankheiten, Typ II Diabetes, vielleicht Schwangerschaftsdiabetes und auf jeden Fall bei Reproduktionsmedizin (reproductive health) aus? Was können wir über diese Arten von Krankheiten sagen? Ist da die Gleiche Art und Weise von Epidemiologie zu beobachten?
Nun, das ist mit „Ja“ zu beantworten und nicht nur das, sondern auch noch hinzuzufügen, dass wenn wir uns diese Krankheiten genauer ansehen, erkennen wir, das diese sich in Europa noch schneller verändern als HIV und Tuberkulose. Wir sollten uns das ganze also noch viel genauer beobachten als bisher.
In den Niederlanden, zum Beispiel, sind zugewanderte Surinamesen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Suriname) acht (!) Mal mehr gefährdet, Typ II Diabetes zu entwickeln als Niederländer. Und wenn wir weiterschauen nach Norwegen und uns mit norwegischen Frauen und ihrer Verbindung zu Typ II Diabetes beschäftigen, oder Süd Asien, Bangladesch, Pakistan, Indien, Sri Lanka, dann werden die Vergleiche immer extremer.
In England, wo wir schon seit längerem kontinuierlich die Werte zur Verfügung haben, sieht man ein ziemlich gleichbleibendes Muster, das sich aber zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen doch stark unterscheidet. Es ist also nicht so, dass alle Immigranten eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, Typ II Diabetes zu entwickeln. Es unterscheidet sich gewaltig.
Aber wir sprechen jetzt bereits von Ethnischer Orientierung und Familiärem Erbgut, als Bausteine zur Grundlage der Entwicklung von Typ II Diabetes. Nochmals England, hier auch dasselbe bei Kindern zu beobachten. In Kuwait und dem Irak wird man sich gerade erst des alarmierenden Anstiegs der Verbreitung von Diabetes und Fettleibigkeit bei Kindern bewusst wird.
Was sind die Faktoren, die, diese, sich ständig verändernde Epidemiologie auslösen? Wir haben sie in neun Bereiche aufgeteilt. Da wären der “healthy migrant effect”, der “thrifty gene effect” und das “new world syndrome”, aber genauer betrachtet geht es dann natürlich auch um Lifestyle, Stress, Fettsucht die mit der kulturellen Anpassung kommt, der Konsum von (zu)viel Alkohol und auch die Essgewohnheiten.
• Der „Healthy Migrant Effect“ besagt das Menschen zwar vielleicht gesund nach Europa kommen, dann aber sehr schnell Krankheiten übernehmen, die für das jeweilige Land typisch sind.
• Die zweite Theorie („thrifty gene effect“) wäre, dass es vielleicht ein genetisch bedingtes Problem ist und mit der Umgewöhnung an eine neue Ernährung zu tun hat, da viele Menschen aus Gegenden kommen die an eine Essens- und an eine Fastenzeit gewöhnt sind.
• Das „New World Syndrome“ ist eigentlich auch nichts anderes als eine genetische Überforderung wegen der zu schnellen Umgewöhnung an die neue Lebenssituation. Und das sind Probleme mit denen Sie natürlich besser bekannt sind als ich: die Tendenz sesshaft zu werden, sich weniger zu bewegen und Sport zu machen. Aber das Stressproblem, die Chronik von Stress, dem die meisten Migranten ausgesetzt werden, ist etwas, womit wir uns eingehender beschäftigen müssen. Die potentielle Verbindung zwischen Stress und einer Reihe von Krankheiten u.a. Typ II Diabetes bei Migranten zu verstehen, bedeutet gleichzeitig nämlich auch eine neue Ansicht und ein neues Verständnis für das Krankheitsmuster bei Diabetes generell, auch bei nicht Zugewanderten.

Ein weiteres Problem ist die Tendenz von Migranten-Eltern, die ursprünglich aus ärmeren Verhältnissen stammen, ihre Kinder zu überfüttern. Laut Psychologen ist das allerdings nichts anderes als eine Art und Weise zu sagen „Wir sind angekommen!“ „Wir sind erfolgreich!“ Allerdings wird nicht nur wegen Stress oder Einsamkeit zuviel getrunken und gegessen. Tatsächlich greifen Migranten viel zu oft zu Fastfood um zu zeigen wie sehr sie sich integriert haben und missbrauchen es damit eigentlich.
Was wir also sagen können, ist, dass alle bis jetzt genannten Faktoren zusammen spielen und dass man wahrscheinlich keinen besonders herausnehmen und damit etwas verändern könnte. Wir sollten uns also eingehend mit allen befassen, um uns mit diesem Phänomen zu beschäftigen.
Das alles zeigt uns, dass nicht nur das Auftreten, sondern vor allem die Entwicklung und der Ausgang von Diabetes bei Migranten ganz anders ist, als bei Nicht-Migranten. Das wiederum bringt einzigartige Herausforderungen für das Gesundheitswesen, in dem wir uns befinden.
Hier sind nur ein paar zusätzliche Gedanken:
• Migranten sind oft in unsicheren, ökonomischen Verhältnissen was ihre Jobs betrifft und müssen deshalb teils in mehreren Jobs, teils länger arbeiten, haben oft nicht die Möglichkeit auf sich selbst oder auf andere acht zu geben.
• Viele kommen auch überhaupt alleine nach Europa, weil die Politik es ganzen Familien nicht gestattet, sich gemeinsam zu bewegen. Dazu kommt noch, dass manche Arbeitgeber Migranten nicht mal Urlaub nehmen lassen.
• Migranten arbeiten überhaupt meistens nicht konform mit den Grundsätzen der Gewerkschaft, so dass sogar eine Freistellung für Arztbesuche oder diverse Eignungstests schwierig wird.
Welche Möglichkeiten bleiben uns also?
Erstens wäre da politische Akzeptanz von Immigranten, dass sie eine essentielle Komponente unserer Gesellschaft sind und wir für unser Überleben noch tausende mehr von ihnen Willkommen heißen müssen.
Zweitens ist die beste Möglichkeit für Gesundheitsförderung und –vorsorge am Ursprungsort und das bedeutet, dass wir die Gegebenheiten in den ärmeren Ländern wo viele der Leute herkommen, deutlich verbessern müssen.
Und drittens, und das ist wirklich wichtig, ist die Einführung von regelmäßigen Checks, und ich verwende jetzt bewusst nicht das Wort „screenings“ weil das ja so ein schlechtes Image im Bezug auf Migranten hat. Aber wir müssen uns viel progressiver mit Migranten-Communities beschäftigen, mit regelmäßigen und häufigen Check-Ups für Diabetes und natürlich andere Krankheiten.
Wir müssen sicher gehen, dass Migranten einen einfachen Zugang zu Einrichtungen des Gesundheitssystems haben. Und wir müssen auch unser Überwachungssystem verbessern, von wo die Leute herkommen. Viele Länder verweigern das aus Angst vor einem rassistischen Beiklang, aber gute Epidemiologie nimmt Rücksicht auf das kleinste Detail. Und was hoffentlich als Rückmeldung auf dieses Meeting und andere passiert, ist das wir mit Hilfe von Daten und Zahlen als Beweis viel mehr Prävention betreiben können als bisher.
Übersetzung: Mia Bruckner
Zusammenfassung: Peter P. Hopfinger
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Aktion "Insulin for Life" für Dritte-Welt-Länder
Sammeln für Afrikas Zuckerkranke
Von Peter Illetschko, DER STANDARD
Eisenstadt - Johanna Brandl macht gerade "ein schnelles Packerl". Sechs Zucker-Messgeräte, 600 Messstreifen, mehrere Insulin-Spritzen und vor allem 625 Milliliter Insuline müssen so rasch wie möglich in den Kongo geschickt werden. Da dort gerade ein Bürgerkrieg tobt, schickt die pensionierte Krankenschwester und Diabetesberaterin aus Eisenstadt das Paket auf Umwegen hin. "In ein anderes Land, an jemanden, der es dann persönlich in Krankenhäuser bringt." Es würde ansonsten nämlich nie ankommen.
 Johanna Brandl arbeitet seit drei Jahren für die weltweite Aktion "Insulin for Life", die 1984 vom australischen Diabetiker Ron Raab gegründet wurde, um Zuckerkranken zu helfen, die sich aufgrund fehlender Kassen lebenswichtige Medikamente nicht leisten können. Sie sammelt Insuline und Messgeräte, die von österreichischen Diabetikern nicht mehr gebraucht werden, Produktspenden von Pharmafirmen und verschickt dann all das "Erschnorrte" mit genauen Beschriftungen in Länder der Dritten Welt. Das Versorgungsloch scheint beim Insulin besonders groß zu sein: Immerhin 70 Prozent des weltweit herstellten Wirkstoffs werden nur von 16 Prozent der Weltbevölkerung verbraucht. Der Rest ist auf Spenden angewiesen.
Johanna Brandl erzählt, dass im Kongo derzeit viele Diabetiker sterben. "Da sie mehrere Tage nichts zu essen bekommen, erleiden sie häufig Unterzuckerungen." Und essen dann, wenn Mahlzeiten wieder möglich sind, viel zu viel. "Die Folge sind Zuckerwerte jenseits von gut und böse - bis zu 600 mg/dl." Der Normalwert liegt bei etwa 80-120 mg/dl. Ohne ärztliche Behandlung haben die Zuckerkranken keine Überlebenschance.
(1).jpg) Afrika ist eine Diabetes-Krisenregion. Die Zahlen der Weltgesundheits-organisation WHO: 2030 sollen 18,2 Millionen Zuckerkranke am Kontinent leben. Die Versorgung dürfte trotz dieser mahnenden Prognose katastrophal bleiben. Insuline, Messgeräte und Messstreifen verschlingen mehr als die Hälfte eines Monatseinkommens, sagt Brandl. „Da überlegen es sich Familien mit mehreren Kindern schon, ob sie alle durchbringen können oder das zuckerkranke Kind sterben lassen müssen." Bei jungen Mädchen sei das Problem besonders erschreckend: „Eltern versuchen, die Krankheit geheim zu halten. Weil sie fürchten, dass die Tochter nicht geheiratet wird."
Wenn ein Paket unterwegs ist, dann verschickt Johanna Brandl meist E-Mails mit Stoßgebeten: „Daumen halten, dass alles gut ankommt." Die australische Zentrale von "Insulin for Life" hat unterdessen die WHO um Hilfe für die Diabetiker im Kongo gebeten.
Spendenkonto: Raika Eisenstadt BLZ: 33000, Ko.-Nr.: 1.089 705 Kennwort: Insulin zum Leben
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Diabetische Retinopathie:
DIRECT-Studie bestärkt Einsatz von Candesartan (z.B. Blopress®) bei Diabetikern mit Bluthochdruck
 Der Zusammenhang zwischen Diabetes und kardiovaskulären Folgeerkrankungen ist hinreichend belegt, mit anhaltender Diabetes-Dauer werden jedoch auch Auge und Niere immer stärker in Mitleidenschaft gezogen – und dabei werden Schäden meist erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Im Fall der Retinopathie bedeutet dies jedes Jahr für mindestens 6.000 Diabetiker in Deutschland und etwa ein Zehntel in Österreich die Erblindung. Eine aktuelle Studie nahm erstmals Retinopathie und Nephropathie bei Diabetes als primäre Endpunkte ins Visier: das DIRECT-Studienprogramm untersucht, in wieweit der AT1-Rezeptorblocker Candesartan bei normotonen Typ-I-Diabetikern und bei Typ-II-Diabetikern (zu einem Drittel normoton und zu 2 Drittel antihypertensiv vorbehandelt) eine Retinopathie verhindern oder verzögern sowie die Inzidenz* der Mikroalbuminurie reduzieren kann.
Die Ergebnisse zur diabetischen Retinopathie wurde in der Fachpublikation The Lancet veröffentlicht. DIRECT (Diabetic Retinopathy Candesartan Trials) ist mit 5.231 Patienten das erste groß angelegte Studienprogramm, das die Wirkung einer Therapie mit AT1-Rezeptorblockern zur Prävention und Progression der diabetischen Retinopathie untersucht. „Mit DIRECT beschreiten wir neue Wege in der Therapie früher diabetischer Komplikationen, um deren Voranschreiten zu verhindern und damit die Zukunft der betroffenen Patienten zu verbessern“, so Professorin Anne Katrin Sjølie, Vorsitzende des DIRECT Steering Committee. Die Expertin hob hervor, dass durch die Studie wichtige Erkenntnisse gewonnen wurden, wenngleich die primären Endpunkte nicht erreicht wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Eingriff in das Renin-Angiotensin- System mit Candesartan bei normotensiven bzw. vorbehandelten Patienten zu einer frühzeitigen Verbesserung der diabetischen Retinopathie bei Typ-1-Diabetes führen kann und positiven Einfluss auf die Regression bei Typ-2-Diabetes eröffnet. Die DIRECT-Ergebnisse bestärken damit den Einsatz von Candesartan besonders bei hypertensiven Diabetikern bzw. kardialen Risikopatienten.
Die Daten der einzelnen Teilstudien im Überblick:
DIRECT-Prevent 1 (n = 1.421, Typ-1-Diabetiker ohne diabetische Retinopathie)
• Retinopathie-Inzidenz bei 2 ETDRS*-Stufen Veränderung: 18 % Reduktion unter Candesartan (primärer Endpunkt, p=0,0508)
• Retinopathie-Inzidenz bei 3 ETDRS-Stufen Veränderung: 35 % Reduktion unter Candesartan (post-hoc Analyse, p=0,003)
• Nebenwirkungen auf Plazebo-Niveau
DIRECT-Protect 1 (n = 1.905, Typ-1-Diabetiker mit milder bis moderater diabetischer Retinopathie)
• Retinopathie-Progression bei 3 ETDRS-Stufen Veränderung: keine Veränderung unter Candesartan im Vergleich zu Plazebo (primärer Endpunkt, p=0,85)
• Nebenwirkungen auf Plazebo-Niveau
DIRECT-Protect 2 (n = 1.905, Typ-2-Diabetiker mit milder bis diabetischer Retinopathie)
• Retinopathie-Progression bei 3 ETDRS-Stufen Veränderung: 13 % Reduktion unter Candesartan (primärer Endpunkt, p=0,2)
• Retinopathie-Regression unter Candesartan 34 % besser als unter Plazebo (sekundärer Endpunkt, p=0,009)
• Nebenwirkungen auf Plazebo-Niveau
In allen drei Teilstudien wurde gezeigt, dass sich das Niveau der Retinopathie mit zunehmender Studiendauer unter Candesartan statistisch signifikant weniger verschlechterte und stärker verbesserte als unter Plazebo. Die gepoolten Daten der drei Studien wurden genutzt, um den Effekt auf den frühen Beginn einer Mikroalbuminurie bei normotensiven oder vorbehandelten hypertensiven Diabetikern zu untersuchen. Damit wurde erstmals der Einsatz eines AT1-Rezeptorblockers zur Primärprävention einer Mikroalbuminurie untersucht. Die Daten zeigen, dass die Behandlung mit Candesartan keinen Einfluss auf das Eintreten einer Mikroalbuminurie hat. Der in der Candesartan-Gruppe etwas niedrigere Blutdruck (im Bereich von 2 – 4 mmHg) hat die Ergebnisse nur leicht beeinflusst. Es verändert sich jedoch nicht die Gesamterkenntnis, dass die Effekte bei der diabetischen Retinopathie blutdruckunabhängig sind und über die Ergebnisse einer einfachen Blutdrucksenkung bei Diabetikern hinausgehen.
DIRECT ist ein internationales Studienprogramm, das an 309 Studienzentren in 30 Ländern mit 5.231 Patienten für mindestens vier Jahre durchgeführt wurde. Das Programm besteht aus drei doppelblinden, randomisierten und plazebokontrollierten Studien: DIRECT-Prevent 1 (n=1.421) untersuchte den Effekt von Candesartan bei der Prävention der Retinopathie (primärer Endpunkt) bei normotensiven Typ-1-Diabetikern; DIRECT-Protect 1 (n=1.905) untersuchte den Effekt von Candesartan auf die Progression der Retinopathie (primärer Endpunkt) bei normotensiven Typ-1-Diabetikern, die bei Studienbeginn bereits eine Retinopathie vorwiesen; DIRECT-Protect 2 (n=1.905) untersuchte den Effekt von Candesartan auf die Progression der Retinopathie (primärer Endpunkt) bei normotensiven oder behandelten hypertensiven Typ-2-Diabetikern mit Retinopathie. Die primären Endpunkte wurden in allen drei Studien mithilfe einer vorher festgelegten Änderung auf der ETDRS-Skala zur Bewertung der Retinopathie gemessen.
Das DIRECT-Studienprogramm wurde durchgeführt und gesponsert von Takeda Pharma und AstraZeneca
*Inzidenz
Die Inzidenz ist ein Ausdruck aus der medizinischen Statistik, der die Häufigkeit von Neuerkrankungen beschreibt. Unter Inzidenz versteht man die Anzahl neu aufgetretener Krankheitsfälle innerhalb einer definierten Population in einem bestimmten Zeitraum.
Der Begriff "Inzidenz" wird in darüber hinaus auch generell als Maß für die Häufigkeit eines bestimmten Merkmals bzw. Ereignisses verwendet.
Hintergrund
In der medizinischen Fachliteratur ist mit der "Inzidenz" häufig die Inzidenzrate gemeint. Die Inzidenzrate bezeichnet den Anteil der Personen, die in einem bestimmten Zeitraum erkranken, bezogen auf die Population, die dem Erkrankungsrisiko ausgesetzt ist. Die Inzidenzrate ist dimensionslos und wird meist auf der Basis von 10n (oft 1.000 oder 100.000) Personen berechnet, und zwar nach folgender Formel:
Ij = Nj/Pj
mit:
IJ = Inzidenz im Zeitraum j
NJ = Menge neu aufgetretener Krankheitsfälle im Zeitraum j
PJ = Personen unter Risiko im Zeitraum j
Als Zeitraum j wird in der Regel 1 Jahr definiert
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Studie untersuchte in 25 Ländern die Fettleibigkeit in Europa
Dick, dicker, deutsch
In der Bundesrepublik leben im EU-Vergleich die meisten Übergewichtigen: Drei Viertel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen wiegen zu viel. Bei der krankhaften Fettleibigkeit liegen aber andere vorn - die Griechen. Die Österreicher kommen bei der Studie relativ gut weg.
Die Deutschen sind die dicksten Europäer. Dies ist das Ergebnis einer Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO), aus der die "Süddeutsche Zeitung" vorab zitiert. In der Bundesrepublik sind 75,4 Prozent der Männer und 58,9 Prozent der Frauen zu schwer. Zum Vergleich: In Italien liegen die Zahlen bei 51,4 Prozent (Männer) und 34,5 Prozent (Frauen). In Österreich sind rund die Hälfte der Männer und etwa 40 Prozent der Frauen übergewichtig. . Als übergewichtig gilt, wessen Body Mass Index (BMI, siehe Kasten) größer als 25 ist. Liegt der BMI über 30, sprechen Mediziner von Fettsucht oder Adipositas.
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Zumindest bei den besonders Dicken, den Fettsüchtigen, schneidet Deutschland laut der IASO-Studie im EU-Vergleich aber besser ab. "Die Deutschen führen nicht bei Fettleibigkeit", sagte Vojtech Hainer, der Präsident der European Association for the Study of Obesity (EASO), zu SPIEGEL ONLINE. Die Griechen, die Einwohner einiger osteuropäischer Länder und die Briten lägen weiter vorn. Nach Geschlechtern getrennt betrachtet liegen Männer aus Zypern und Frauen aus Tschechien vorne. "In Deutschland gibt es zwar nicht die niedrigsten Adipositas-Raten, aber sie sind auch nicht an der Spitze", sagte Hainer.
Von den deutschen Männern haben knapp 53 Prozent einen BMI zwischen 25 und 30 und gelten deshalb als übergewichtig, bei 22,5 Prozent liegt der BMI über 30. Damit liegt Deutschland bei den fettleibigen Männern im EU-Vergleich auf Platz sechs. Die fettleibigen Frauen landen mit einem Anteil von 23,3 Prozent auf Platz vier der EU-Rangliste. Zusätzlich 35,6 Prozent sind allerdings übergewichtig. Den vermeldeten Spitzenplatz belegten die Deutschen also nur durch die Kombination von übergewichtigen und adipösen Erwachsenen. In der Alpenrepublik ist der Anteil der Adipösen bei Männlein und Weiblein mit etwa 15 Prozent gleich hoch.
Näher an USA - aber noch nicht gleichgezogen
Aussagen, die Deutschen hätten beim Übergewicht mit den USA gleichgezogen, wie sie nach der Berichterstattung der "Süddeutschen Zeitung" beispielsweise von der Nachrichtenagentur ddp getroffen wurden, hält Hainer für problematisch. "Das glaube ich nicht. Daten, die das belegen, habe ich noch nie gesehen", sagte er. "Von allen Industriestaaten sind die USA das Land mit dem höchsten Anteil von Fettleibigen."
Die Studie gibt für den Anteil fettleibiger Erwachsener in den USA 31 Prozent bei Männern und 33 Prozent bei Frauen an. Auch für Jungen und Mädchen soll dort der Adipositas-Anteil jeweils jenseits der 30-Prozent-Marke liegen.
Die IASO hatte für ihre neue Europastatistik Angaben aus allen EU-Staaten ausgewertet, wobei aus Deutschland Zahlen des Gesundheitsberichts aus dem Bundesgesundheitsministerium, des Bundes-Gesundheitssurveys und des Bertelsmann-Gesundheitsmonitors einflossen.
Berthold Koletzko, Ernährungsmediziner an der Universität München, führt die hohe Übergewichtigenrate der Deutschen auch auf den Bierkonsum zurück: "Deutsche und Tschechen sind die fleißigsten Biertrinker", sagte er der "Süddeutschen Zeitung", gleichzeitig führten sie die Übergewicht-Statistik an. Bier biete zusätzliche Kalorien, die nicht sättigten - das trage zur Entstehung von Übergewicht bei.
Fettleibigkeit gilt in Ländern wie den USA mittlerweile als eines der größten Gesundheitsrisiken überhaupt, sie ist für Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich. Zu den möglichen Folgen von Übergewicht gehören unter anderem Diabetes, Herz- und Kreislaufprobleme sowie übermäßige Belastungen von Knochen und Gelenken. In den USA wurden die finanziellen Folgen der Fettleibigkeit kürzlich auf 90 Milliarden Dollar beziffert.
Die Fettsucht-Epidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Die "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS) hat ergeben, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind. Bei rund 6,3 Prozent liegt eine Adipositas vor. Der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen ist im Vergleich zu den Referenzdaten aus den Jahren 1985-1999 um 50 Prozent gestiegen.
Forscher versuchen schon seit längerem, mögliche genetische Ursachen von Fettsucht zu identifizieren. Den bisher wohl besten Beleg für einen Zusammenhang zwischen Genom und Gewicht haben Andrew Hattersley und Timothy Frayling von der Peninsula Medical School in der vergangenen Woche im Magazin "Science" beschrieben: das sogenannte FTO-Gen. Fraglich ist noch, welchen Einfluss es genau hat - jeder sechste Europäer könnte betroffen sein.
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Die "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS) hat ergeben, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind. Bei rund 6,3 Prozent liegt eine Adipositas vor. Der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen ist im Vergleich zu den Referenzdaten aus den Jahren 1985-1999 um 50 Prozent gestiegen.
Es reiche wohl nicht aus, den Menschen zu sagen, dass sie weniger essen und mehr Sport treiben müssten, sagt Liang. Um das Problem der ausufernden Verfettung zu stoppen, seien tiefgreifende soziale Veränderungen nötig. So müssten Städte und Dörfer fußgängerfreundlicher werden und sich die Industrie auf gesündere und kalorienärmere Nahrungsmittel umstellen.
Quellen: IASO, Der Spiegel, Süddeutsche Zeitung
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In Deutschland wird erstmals eine Ausbildung für Diabetikerwarnhunde angeboten
Eine gute Nase für Gefahr
Von Peter Illetschko
Finn ist ein kluger Hund. Sonst würde er nicht merken, wenn Frauerl Simone Oberenzer Unterzucker hat. Dann leckt er ihre Hand – und bringt ihr, wenn sie gerade schläft, Blutzuckermessgerät und gezuckerten Fruchtsaft.
 Er ist ein stolzes Tier. Als erster Hund Deutschlands wurde Finn zum Diabeteswarnhund ausgebildet – ein Trend aus den USA, einem traditionell hundeverrückten Land. In Europa werden bereits in Großbritannien, Schweden und den Niederlanden Vierbeiner trainiert, den Hypo von Frauchen oder Herrchen zu erkennen – auch auf Kosten der Krankenkassen. Simone Oberenzer, 27-jährige Typ-1-Diabetikerin, hatte davon gehört und bemühte sich um eine Ausbildung für Finn, die sie schließlich im Ausbildungszentrum „Prodigal Service Dogs“ in Helena in den USA fand. Nun bietet die ehemalige Theologie-Studentin diese Ausbildung selbst in einer Hundeschule in Bremen an. Für zwölf bis 18 Monate Hypo-Riechtraining zahlt man rund 6000 Euro. Nicht wenig, wie auch Oberenzer zugibt, aber gleichzeitig betont, dass Ausbildungen für Hunde, zum Beispiel für Rollstuhlfahrer, bis zu 20.000 Euro kosten.
 Diabeteswarnhunde werden nach dem Vorbild der Drogenspürhunde ausgebildet. Das Signal kann sich der Besitzer aussuchen: an der Hand lecken, stupsen, scharren – vieles ist möglich. Die Fähigkeiten eines Vierbeiners sind vielfältig. Die Tiere reagieren in der Regel nur auf den Besitzer. Das sei in Einzelfällen auch schon ohne Ausbildung passiert, erzählt Oberenzer. Die Hundetrainerin berichtet vom Fall einer 47jährigen Typ-2-Diabetikerin, die durchschnittlich zwei Unterzuckerungen pro Woche hat. Dabei schwitzt sie stark und ist verwirrt – leider vor allem nachts.
 Im vergangenen Jahr zeigte die siebenjährige Mischlingshündin Susie erstmals ungewöhnliches Verhalten während der Hypos ihrer Besitzerin. Susie stupste sie an, bis sie wach wurde. Nach dem Aufwachen hat die Frau ihren Blutzucker getestet – ihr Wert lag bei 36 mg/dl.
Oberenzer erzählt auch die Geschichte einer 34-jährigen Diabetikerin, die Hypowahrnehmungsstörungen hat und bei nächtlichen Unterzuckerungen nicht aufwacht. Deren dreijähriger Golden Retriever, Natt, wird dabei immer sehr unruhig. Bei nächtlichen Hypos bellt und scharrt er an der Schlafzimmertür und hört erst damit auf, wenn der Blutzucker seines Frauchens wieder höher ist. Für das British Medical Journal kontrollierte die Frau zwei Mal während eines solchen Vorfalls ihren Blutzucker. Es ergaben sich Werte von 29 mg/dl und 34 mg/dl.
Für die Forscher stand damit fest, dass Hunde Unterzuckerungen wahrnehmen können. Denn in Susies und Natts Fall konnten die Hunde Unterzuckerungen bemerken, bevor ihre Besitzer die Symptome bemerkten. Kurz danach wurden die ersten Hundetrainings entwickelt.
 Nicht jeder Vierbeiner sei zum Diabetikerwarnhund geeignet, weiß Oberenzer. Hunde, die einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb haben, „könnten für einen Hasen am Feld den Besitzer in Stich lassen.“ Hunde mit starkem Menschenbezug- Schäfer, Collies oder Labradors aber auch viele Mischlinge – seien dagegen prädestiniert für den Job. Eine Testphase vor Trainingsbeginn müssen aber auch diese Hunde durchlaufen. „Schließlich wollen wir ja keinen Irrtum begehen.“ Das Geld der Kunden und letztlich auch ihr Leben verbieten es.
Infos:
Gabi Rosenbaum, Kontakt: 0049-421 534548
Simone Oberenzer, Kontakt: 004-541 1208777
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NEU: Diabetes Information für Migranten
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Interview mit DGKS Michaela Pinkhart, Krankenhaus Göttlicher Heiland, Wien
Diabetesschulung für Migranten – warum es manchmal nicht so einfach ist!
„Oft haben die Köchinnen der Großfamilien, aus denen neu entdeckte Diabetiker stammen, selbst einen erhöhten Blutzucker.“ erzählt DGKS Michaela Pinkhart. Das ist nur eines der Probleme, mit denen sich die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Diabetesberaterin täglich auseinander setzen muss. Im Interview erzählt sie, warum es manchmal nicht so einfach ist, sie sich aber trotzdem nicht unterkriegen lässt.
Diabetes Austria: Frau Pinkhart. Sie sind diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie haben die Zusatzausbildung zur Diabetesberaterin absolviert. Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
Michaela Pinkhart: Ich habe im Krankenhaus Göttlicher Heiland die Leitung der Betreuung von Typ 1 und Typ 2 Diabetikern aber auch jene der Gestationsdiabetikerinnen, Frauen die an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt sind, von pflegerischer Seite über. Typ-1-Diabetiker sind bei uns eher die Ausnahme. Außerdem habe ich gerade beim Aufbau einer Gestations-Diabetesambulanz im Krankenhaus St. Joseph mitgeholfen.
Diabetes Austria: Bieten sie auch Diabetikerschulungen an?
Michaela Pinkhart: Ja, wir kümmern uns um neu erkannte Typ-2-Diabetiker aber auch um Patienten die eine Wissensauffrischung brauchen. Die Diabetesgruppenschulungen sind im KH göttlicher Heiland für jeden Diabetiker und selbstverständlich auch für Angehörige kostenlos. Dabei ist mein Schwerpunkt im Fachbereich „Professionelle Fußpflege“ zu finden. Außerdem bieten wir einmal in der Woche eine Schwangerschafts-Diabetesbetreuung an.
Diabetes Austria: Wo sehen Sie die Probleme in der Betreuung von ausländischen Diabetes-Patienten?
Michaela Pinkhart: Da gibt es ein paar Punkte die immer wieder schwierig sind! Die Ernährung spielt hierbei eine große Rolle. In Ländern wie der Türkei oder im ehemaligen Jugoslawien wird weißes Gebäck, wie z.B. Fladenbrot lieber gegessen, als ballaststoffhältige, dunkle Produkte. Weißbrot ist nicht an sich schlecht, verstehen Sie mich nicht falsch, aber es fehlt eben an Ballaststoffen und es sind schnellwirksame Kohlehydrate. Gemüse wurde früher, um es haltbarer zu machen, und weil der nächste Supermarkt nicht gleich ums Eck liegt, in Öl eingelegt – auch hier fehlen die Ballaststoffe. Und leider kommt auch die Bewegung oft viel zu kurz.[
Diabetes Austria: Übergewicht spielt ja generell eine große Rolle bei Typ 2 Diabetikern. Wie versuchen Sie da, alte Muster zu durchbrechen?
Michaela Pinkhart: Großfamilien sind in der Türkei und im ehemaligen Jugoslawien sehr häufig. Da kocht dann zum Beispiel die Schwiegermutter für alle das Essen und auf spezielle Wünsche wird eher weniger eingegangen. In diesem Fall lade ich mir gerne die „Köchin der Familie“ ein und messe mit ihr gemeinsam ihren Blutzucker – oft ist dieser dann auch zu hoch. In diesem Fall erklären wir dann, welche gesündere Möglichkeiten es bei der Zubereitung von Mahlzeiten gibt.
Diabetes Austria: Welche Probleme gibt es noch?
Michaela Pinkhart: Das Schmerzempfinden ist anders. Das klingt jetzt seltsam, aber Mitteleuropäer stechen sich eher als Südländer, die Schmerzgrenze ist eine niedrigere! Oft wird auch mit Schmerz anders umgegangen, der Schmerz wird mehr gezeigt.
Diabetes Austria: Und ist die Sprache ein Problem bei der täglichen Arbeit?
Michaela Pinkhart: Die Sprache kann eine riesengroße Barriere sein. Die Tendenz, dass die Patienten kein Deutsch sprechen, ist höher als jene, dass sie deutsch sprechen können oder mit einem geeigneten Dolmetsch kommen. Dieser Umstand macht die Diabetesschulung schwer bis unmöglich. Im Göttlichen Heiland steht nicht extra ein Übersetzer zur Verfügung und so muss man sich manchmal mit fremdsprachigen Mitarbeitern aushelfen. Unser fremdsprachiges Personal spricht sehr gut deutsch und wir können die Ressource, dass sie noch eine oder mehrere andere Sprachen sprechen, nutzen.
Diabetes Austria: Ärgert Sie, wenn Patienten schlecht oder kein deutsch sprechen können?
Michaela Pinkhart: Am Anfang hat mich das sehr geärgert. Aber ich bin draufgekommen, dass ärgern auch nicht hilft. Wenn ich jetzt einen Patienten habe, der nicht deutsch sprechen oder verstehen kann, dann mache ich mir einen Termin für den nächsten Tag aus und bitte ihn oder sie mit einem Übersetzer zu kommen. Das spart Zeit und Nerven und im Regelfall funktioniert das auch ganz gut. So hat eine Schulung auch mehr Qualität für den Betroffenen.
Diabetes Austria: Haben männliche Patienten mit ihnen ein Problem weil sie eine Frau sind?
Michaela Pinkhart: Eigentlich eher selten. Einmal hat mir ein Patient nicht die Hand gegeben, weil ich eine Frau bin. Er ist dann aber extra noch mal zurückgekommen um mir zu erklären, dass das mit seiner Religion zu tun hat und um sich zu entschuldigen.
Zu gewissen Zeiten darf ich als Frau auch keine andere Frau berühren oder es dürfen gewisse Körperteile nicht abgedeckt werden - da muss dann an mir oder am Spritzschwamm demonstriert werden wie man richtig spritzt.
Wenn man sich mit dieser für uns sehr fremden Kultur und Einstellung ein wenig auseinandersetzt, kann man besser Verständnis dafür aufbringen.
Diabetes Austria: Wenn wie gerade jetzt Ramadan ist, darf ein Moslem erst essen, wenn die Sonne untergegangen ist. Wie erklären sie da die richtige Vorgehensweise?
Michaela Pinkhart: Ich versuche dem Patienten zu erklären, dass das mit Diabetes nicht möglich ist. Bei Schwangeren versuche ich Mittelwege zu finden. Also zum Beispiel, dass man schon ab Mittag essen darf. Aber im Großen und Ganzen hab ich da eher keine Schwierigkeiten.
Diabetes Austria: Gibt es Blutzuckermessgeräte mit Gebrauchsanweisungen mit anderen als den gebräuchlichen Sprachen englisch oder deutsch?
Michaela Pinkhart: Es gibt jetzt ein neues Blutzuckermessgerät, das türkisch spricht. Und Gebrauchsanweisungen in türkisch oder jugoslawisch gibt es zum Runterladen im Internet oder bei Beratungsstellen. Einige Firmen machen sich auch die Mühe und übersetzen die Texte. Die müssen die Patienten aber extra anfordern.
Diabetes Austria: Gibt es Infobroschüren über das Thema Diabetes in anderen Sprachen?
Michaela Pinkhart: Einige wenige Firmen bieten bereits fremdsprachige Broschüren an. Leider noch nicht ausreichend. Aber man merkt, dass die einzelnen Firmen sehr bemüht, sind ihre Broschüren zu übersetzen.
Diabetes Austria: Welche „besondere“ Betreuung können sie den Patienten bieten?
Michaela Pinkhart: Wenn Patienten von mir ein Blutzuckermessgerät bekommen, dann suche ich ein paar für den Patienten geeignete Geräte aus und lasse dann die Patienten entscheiden, welches das Beste ist für sie. Sie bekommen dieses Gerät für eine Woche mit nach Hause und danach können sie entscheiden ob sie es weiterverwenden wollen oder doch eine anderes Gerät möchten. Wenn ich mir ein Auto kaufe, dann möchte ich es ja auch zur Probe fahren oder wenn ich etwas bei einem Versandhaus bestelle, dann kann ich es auch 2 Wochen lang zurück schicken, wenn ich nicht zufrieden bin.
Ca. 80 % der Patienten entscheiden sich nach dieser „Probezeit“ für ein anderes Gerät.
Und das ist gut so, denn nur wenn sie mit dem Blutzuckermessgerät zufrieden sind, werden sie es auch regelmäßig verwenden.
Diabetes Austria: Was würden sie sich wünschen, wenn sie einen Wunsch frei hätten als Diabetesberaterin?
Michaela Pinkhart: Ich würde mir einen jugoslawisch und türkisch Sprachkurs für mich wünschen um mit meinen Patienten besser sprechen zu können. Diese Einstellung hatte ich zugegeben nicht immer. Heute würde ich diesen Menschen gerne mehr bei der Bewältigung ihrer Erkrankung helfen.
Diabetes Austria: Wie schauen ihre persönlichen beruflichen Zukunftspläne aus?
Michaela Pinkhart: Ich schreibe gerade an einer Zusammenfassung aller Blutzuckermessgeräte und Stechhilfen mit Beschreibungen. Nicht mit Vorteilen und Nachteilen sondern vollkommen wertfrei. Ebenfalls in diesem Buch sollen Schritt-für-Schritt Anleitungen enthalten sein, da in der Schulung genau das vermittelt wird und dann zu Hause sehr oft nicht mehr umgesetzt werden kann. Und vielleicht finde ich auch jemanden, der mir dieses Handbuch in andere Sprachen übersetzt.
Diabetes Austria: Vielen Dank für dieses Interview.
Das Interview führte Veronika Rehák
Die Firm LIFESCAN bietet Infobroschüren zu den Themen
• Was ist Diabetes? Was ist Insulin?
• Blutzuckerselbstkontrolle
• Hypo- und Hyperglykämie
in den Sprachen Türkisch, Kroatisch, Serbisch und Russisch an.
Kurzanleitungen zu den Blutzuckermessgeräten One Touch Ultra 2 und One Touch Ultra Easy sind ebenfalls in Türkisch, Serbisch und Kroatisch erhältlich.
Infobroschüren zum Thema „Gestationsdiabetes“ sind ebenfalls in serbisch und kroatisch erhältlich.
NOVO NORDISK hat die Anleitung zum Novo Pen 4 in türkisch übersetzt und fordert auf Anfrage aus anderen Niederlassungen Infomaterial in anderen Sprachen an. Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 008 009 kann ebenfalls fremdsprachiges Infomaterial angefordert werden.
Broschüren in türkischer Sprache zum downloaden HIER anklicken
ROCHE bietet mehrsprachige Betriebsanleitungen (englisch, spanisch, portugiesisch, spanisch, türkisch) direkt auf der
Homepage www.akku.check.at an.
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Sprache und Kulturunterschiede behindern lückenlose Therapien von Migranten in Österreich
Diabetes braucht einen Dolmetsch
Von Peter Illetschko
Gazal (auf deutsch: Rehauge), eine Putzfrau aus Anatolien, die frühmorgens in der Diabetesambulanz eines großen Spitals in Wien sauber machte, erhielt eines Tages einen Hilferuf von einem Arzt. „Wir haben gerade drei muslimische Frauen im Wartezimmer, die haben bei der Anmeldung schon kein Wort Deutsch verstanden, bitte hilf uns.“ Gazal übersetzte. Die Kurzzusammenfassung ihrer Arbeit: Eine Frau litt an Schwangerschaftsdiabetes. Die zweite, stark übergewichtig, wusste noch gar nicht, dass sie Zucker hatte. Sie kam mit erhöhtem Blutdruck ins Spital und hatte Zucker-Nüchternwerten von 300 mg/dl und mehr. Die dritte hatte die Diagnose Diabetes schon vernommen, bisher aber nicht verstanden, was das genau für sie bedeutet. Umstellung der Ernährung? Blutzucker messen? Sport? Da müsste sie ja „rausgehen“, ausgeschlossen. Sie schüttelte ungläubig den Kopf , als man ihr andeutete, dass sie die Krankheit nicht mehr los werde und bei fehlendem Management mit weiteren Gesundheitsproblemen rechnen müsste.
Eine Szene, die wohl typisch ist für die Behandlung von zuckerkranken Migranten in Österreich. Viele ausländische Mitbürger, vor allem Muslime, seien der deutschen Sprache nicht mächtig, sagen Ärzte. Manche Kollegen lassen daher Dolmetscher kommen, um Informationen über die Krankheit und Therapievorschläge bereden zu können. Manche müssen auf ein Spitalspersonal mit Migrationshintergrund zurückgreifen. Dass dabei viele Informationen „unter den Tisch fallen“, wie es ein Arzt frustriert ausdrückt, scheint logisch.
Der Idealzustand wäre: Ärzte, die mit den Zuckerkranken in ihrer Muttersprache reden können. Einzelinitiativen wurden bereits gestartet.
 Der Wiener Diabetologe Günter Sokol hat versucht, diesen Weg mit seinem aus Bosnien-Herzegowina stammenden Assistenten Senad Cardaklija zu gehen. Er konnte die Patienten in der Muttersprache über die Krankheit aufklären – und hielt auch Vorträge. Ein Turnusplatz in Deutschland für den jungen Arzt war aber das vorzeitige Ende von Sokols Integrationsprogramm.
Das Frauengesundheitszentrum FEM Süd hat mit der türkischsprachigen Pharmazeutin Serpil Özsoy auch eine Expertin, die in der Muttersprache vieler Migranten Auskunft geben kann. Diabetesschulung darf sie aber als Pharmazeutin keine machen. Sie verweist auch auf eine Gesundenuntersuchung durch türkisch oder serbisch oder kroatisch sprechende Ärzte, die bald im zehnten und fünfzehnten Wiener Gemeindebezirk möglich sein soll.
Seit Jänner 2007 gibt es türkischsprachige Schulungen bei
Schwangerschaftsdiabetes im Wilhelminenspital und in der Semmelweisklinik.
 In der Wiener Rudolfsstiftung arbeitet eine türkischsprachige Jungärztin und wird auf den Schwerpunkt Diabetes ausgebildet. Auf Initiative des Diabetes-Spezialisten Guntram Schernthaner wird eine neue Diabetes-Informationsbroschüre produziert, die in die wichtigsten Migranten-Sprachen (Türkisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) übersetzt werden soll. „Ein Basis, auf der man einmal aufbauen kann“, lobt Schernthaner.
826.013 Migranten leben laut Zahlen der Statistik Austria vom April 2007 derzeit in Österreich – österreichische Staatsbürger mit Einwanderungshintergrund nicht mitgerechnet. Das lässt auf eine Diabetikerzahl von 40-50.000 schließen, weil im Durchschnitt immer etwa fünf Prozent einer Bevölkerungsgruppe Zucker haben. In Anbetracht dessen scheinen Einzelinitiativen doch zu wenig zu sein, sagen Experten. Die Stadt Wien meint jedenfalls, genug zu tun.
„Das sehe ich ganz und gar nicht so“, meint Peter P. Hopfinger, Herausgeber von Diabetes Austria und Gründer der Initiative „Soforthilfe für Menschen mit Diabetes“. Einzelinitiativen seien „ein Tropfen auf dem heißen Stein. Menschen mit Diabetes und auch deren Familie brauchen kontinuierliche Information. Immer auf dem neuesten Stand und mit der Möglichkeit, interaktiv zu werden. Zum Beispiel: Ein Expertenforum wie auf diabetes-austria.com, wo Patienten kostenlose, rasche und kompetente Hilfe von Experten bekommen.“ Hopfinger weiter: „Wir planen deshalb in Kürze eine mehrsprachige europäische Diabetes-Plattform im Web einzurichten.“
Diabetologen sehen die Ursachen des Problems aber nicht allein im Gesundheitssystem. Man müsste schon bei der ärztlichen Versorgung in den Heimatländern der Migranten beginnen – sie sei besonders schlecht. Gesundheitsvorsorge gebe es keine, auch keine Aufklärung darüber, was Krankheitsmanagement bedeute. „Die Leute gehen erst zum Arzt, wenn ihnen etwas fehlt. Dann kriegen sie Medikamente und von denen erwarten sie, dass sie die Gesundheit wieder vollkommen herstellen“, sagt Sokol. Bei Diabetes bekanntlich ein nicht erfüllbarer Wunsch. Der Grund liege auch in der mangelhaften Bildung. „Viele ausländische Mitbürger können weder schreiben noch lesen“, sagt Schernthaner.
Er unterstreicht auch die Problematik, die erkrankten Migranten vom Sinn einer gesünderen Ernährung zu überzeugen. „Gesunde Ernährung ist meist teurer als ungesunde. Viele Migranten sind so arm, dass sie sich das nicht leisten können.“ Erschwerend kommt dazu: Die oft noch unbekannte, westliche Fastfood-Kultur würde es den ausländischen Mitbürgern nicht gerade einfach machen, zum Salatteller oder zum Früchtekorb zu greifen.
Auch der von vielen muslimischen Mitbürgern gepflegte Ramadan würde bei der Diabetes-Betreuung leider auch Probleme verursachen. Die gläubigen Patienten, die da untertags fasten, würden nachts, wenn ihnen das Essen wieder erlaubt ist, besonders große Mengen essen. Was für eine optimale Zuckereinstellung ganz schlecht wäre. Da würden selbst große Mengen schnell wirksamen Insulins nicht helfen. „Man muss den Leuten aber ihren Glauben lassen, wir müssen sie nur aufklären, was das für ihre Krankheit bedeutet.“
Anders gesagt: „Es geht nicht nur darum Sprachbarrieren zu durchbrechen, sondern auch Überzeugungsarbeit zu machen,“ so der Tenor vieler Ärzte. Sokols ehemaliger Assistent Cardaklija glaubt die Gründe zu kennen. „Viele Migranten leben in so einer Art eigener Welt, weit weg von der Integration. Das mag an ihnen liegen oder an unserer Gesellschaft. Das weiß ich nicht.“ Eine Basis wären für ihn „gleichsprachige Ärzte, damit die Arzt-Patient-Beziehung entstehen kann.“ Nur damit würde die „Mauer“ fallen, vor der viele österreichische Diabetologen stehen würden, die nicht Türkisch oder Serbokroatisch sprechen. Der Willen zu einer langfristigen Behandlung und einem Erfolg versprechenden Diabetes-Management sei in jedem Fall da, man müsse ihn nur „rauslocken“.
www.diabetes-sokol.at
www.wien.gv.at
www.statistik.at
www.fem.at
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Für Zuwanderer, die noch keinen Versicherungsschutz haben, sind Messstreifen nicht leistbar
Zucker kann zu teuer sein
Von Peter Illetschko
270 Migranten mit Diabetes allein in Wien ohne Versicherungsschutz? Keine unrealistische Zahl. Bei Amber-Med, einer medizinischen Betreuungseinrichtung vom Roten Kreuz und der Diakonie Flüchtlingsstelle, die seit 2004 etwa 2700 Zuwanderer ohne Krankenversicherung betreut hat, schätzt man die Zahl der Zuckerkranken unter den Patienten auf acht bis zehn Prozent. Die Zahl alleine findet man im engagierten Betreuungsteam noch nicht schockierend. Das Problem seien vielmehr die bei der Zuckerkrankheit relativ hohen Betreuungskosten: Die für die „Einstellung“ der Diabetiker benötigten Messstreifen zum Beispiel sind meist zu teuer, um sie dauerhaft den nicht versicherten Patienten zur Verfügung zu stellen. Ein Streifen kostet mehr als einen Euro. Das wären bei drei Messungen täglich mehr als 90 Euro im Monat. „Wenn wir Messstreifen für einen Monat haben, ist das schon Grund zur Freude. Was aber kommt danach?“ meint man bei Amber-Med. Die betroffenen Migranten können sich die Messstreifen schon gar nicht leisten.
Für Amber-Med sind es jedenfalls nicht die von Diabetologen auf Diabetes Austria beklagten Sprachbarrieren, die die Behandlung von diabetischen Zuwanderern schwierig macht. „Wir haben genügend Dolmetscher, die helfen.“ In der Beratung versucht man auch die Ernährungsgewohnheiten der Migranten zu ändern. „Weil die für die Diabetes-Behandlung oft nicht adäquat sind.“ Man stößt aber auch hier auf finanzielle Grenzen: „Klar, dass sich arme Menschen eher Kartoffel kochen als einen Salat zubereiten.“ Ein Befund, den Mitarbeiterinnen von Peregrina, einem Wiener Bildungs-, Beratungs- und Therapiezentrum für Immigrantinnen, teilen.
Sie wehren sich gegen Aussagen, Migranten, die kein oder nur schlecht Deutsch sprechen, seien am mangelhaften Management ihrer Erkrankung „selber schuld“. „Dieses Urteil ist mir zu einfach“, sagt Sanda Schmidjell, die bei Peregrina vor allem psychologische Betreuung anbietet. Zuwanderer hätten, egal welche sprachlichen Voraussetzungen sie mitbringen, die gleichen Rechte auf umfassende Behandlung wie gebürtige Österreicher. Wer den Arzt nicht oder nur unvollständig versteht, laufe Gefahr, die vorgeschlagene Therapie falsch umzusetzen. Was definitiv Gesundheit gefährdend sei. Daher sollten Dolmetschdienste in Spitälern dringend eingeführt werden. Das gelte nicht nur für Diabetes-Ambulanzen.
Insgesamt leiden nach vorsichtigen Schätzungen rund 50.000 Migranten in Österreich an Diabetes. Die Behandlung ist auch bei versicherten Zuwanderern, wie Diabetes Austria bereits berichtete, aus mehreren Gründen nicht am Stand, den Österreicher, die zuckerkrank werden, erwarten dürfen. Vor allem die sprachliche Barriere scheint hier kaum überwindbar. Es gebe zu wenige türkisch, serbisch oder kroatisch sprechende Ärzte, klagen Zuwanderer-Organisationen. Nur selten werde ein Dolmetscher hinzu gezogen. In Spitälern müssten häufig Putzfrauen übersetzen, wobei nicht selten Informationen über die Erkrankung und ihre zahlreichen Komplikationsmöglichkeiten regelrecht unter den Tisch fallen würden.
Als Pauschalurteil bezeichnet Schmidjell letztlich auch die Darstellung, muslimische Frauen dürften gar nicht Deutsch lernen und schon gar nicht alleine, ohne ihre Ehemänner zum Arzt gehen. „Das kann es schon geben. Ich kenne aber auch sehr viele Kopftuch tragende, muslimische Frauen, die alleine zum Arzt gehen.“ Worauf sie und Gamze Ongan von Peregrina zusätzlich aufmerksam machen wollen, ist das in der Gesellschaft manifestierte Machtverhältnis zwischen Arzt und Patientin, das bei schlecht Deutsch sprechenden Migrantinnen problematisch sei. „Da ist der Gott in Weiß, da die Frau. Doppelt schwierig, wenn sie noch dazu nicht ganz gut Deutsch spricht und aus dem Ausland kommt.“
Deshalb sollte das Österreichs Gesundheitswesen auf die Migranten zugehen – und es nicht von den Einwanderern verlangen. „Man fordert von Zuwanderern, die Arbeit haben, dass sie Sozialversicherung zahlen. Also haben sie auch das gleiche Recht auf vollwertige Behandlung.“
amber.diakonie.at/
www.peregrina.at
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