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Hofrat Prim.Dr. Johann Ecker
Ärztliche Direktor am Krankenhaus Gmunden
IM MORGENGRAUEN LIEGT DIE RUHE
Von Sophia Fielhauer
 Medizinische Familienbande kann Johann Ecker keine aufweisen. Der Vater wirkte in der Linzer Chemie, die Mutter als traditionelle Hausfrau. In der Stahlstadt 1952 geboren, absolvierte Ecker – dem Lockruf naturwissenschaftlicher Fragestellungen erlegen - sein Medizinstudium in Wien. Des Menschen Innerstes als Leidenschaft: Eckers Ausbildung zum Allgemeinmediziner folgte dessenthalben der Wechsel in die Innere Medizin des LKH Vöcklabruck.
Ein Studienaufenthalt in Deutschland ebnete den Weg Richtung Diabetes: „In Düsseldorf und München habe ich bei den renommiertesten Vertretern für Diabetes und Stoffwechsel gelernt“. Zurück nach Oberösterreich und ins LKH Vöcklabruck zog es Johann Ecker als Facharzt, er blieb zehn Jahre. Seit 1995 ist Dr. Johann Ecker als Leiter der Internen Abteilung im Landeskrankenhaus Gmunden zugange, 2003 übernahm der Mediziner zusätzlich die Funktion als ärztlicher Direktor. Wie sehr Johann Ecker mit seinem Fach eins ist, gar Herz und Seele, und immer noch beeindruckt, spürt jeder Gesprächspartner: „Die Innere Medizin ist ein so breites, anspruchsvolles und vielfältiges Fach“.
Eine längerfristige Begleitung und Betreuung der Patienten ist Johann Ecker äußerst wichtig, gerade „für chronisch kranke Menschen ist eine Bindung essentiell“. Die „neue Dimension“ in der Diabetiker-Therapie ist das Qualitätsmanagement. Praktische Ärzte in Oberösterreich werden seit Jahren im Rahmen des „Disease-Management“-Programm in der Diabetiker-Versorgung geschult, vor allem bei der Betreuung von Typ 2 Diabetikern. „Die Allgemeinmediziner stellen die Koordination sicher, sie sind unsere wichtigsten Partner“, weiß der Experte.
Vorbei ist die dunkle Zeit, in der Diabetiker zur verschwindenden, unbeachteten Größe in der Medizin gehörten.
„Früher haben die Ärzte erst bei Komplikationen reagiert. Doch freilich ist die Koordination, die systematische Behandlung und das Wechselspiel zwischen Standardisierung und Individualisierung entscheidend. Das sind in der Praxis die Leitlinien im Umgang mit Patienten und Angehörigen.“ Der Schwerpunkt liegt in der Systematik, wie Johann Ecker betont.
Viele seiner Patienten kennt der Diabetologe so genau wie ihre Vorbefunde, weiß über persönliche Hochs und Tiefs im Krankheitsverlauf Bescheid. Vertrauen zwischen Arzt und Patient ist für Ecker keine hohle Phrase. Auch außerhalb von Krankenhäusern hat der Mediziner in Vertrauensbildung - im besten Sinne des Wortes – langjährige Erfahrung. Zehn Jahre lang machte sich Ecker als Vertrauensarzt einer Diabetiker-Selbsthilfegruppe in Vöcklabruck einen Namen, seit 1997 unterstützt er aktive Diabetiker in Gmunden.
Was Johann Ecker in Zukunft noch mehr am Herzen liegen wird, ist das Alter: „Wir müssen uns um dieses Thema kümmern, die Menschen werden immer älter, natürlich auch die Diabetiker. Der Therapieerfolg wird in Wahrheit zu Hause entschieden, die Betreuung muss im häuslichen Umfeld und in Pflegeeinrichtungen gut laufen. Schließlich müssen auch viele Angehörige die Insulintherapie übernehmen“.
Mit dem Ende des Spitalsaufenthalts wird der Diabetiker nicht sich selbst überlassen - das kann Johann Ecker zumindest im Landeskrankenhaus Gmunden mit seinem „integrierten Ansatz der Versorgung“ garantieren.
Als ärztlicher Leiter des LKH Gmunden und Leiter der Inneren Medizin, hat Ecker täglich eine Vielzahl von Terminen zu absolvieren. Freilich sind auch alle Betten seiner Station belegt. „Für mich ist entscheidend, die richtigen Handlungen zur richtigen Zeit zu setzen. Der Vormittag ist meinen Patienten gewidmet, Besprechungen lege ich auf den Nachmittag oder sie finden sehr früh morgens statt.“ So wichtig wie Eckers Zeitmanagement, ist sein Team: „Ohne meine guten Mitarbeiter, die viele Aufgaben übernehmen, wäre die Doppelfunktion nicht möglich“.
Langschläfer sind unter Ärzten rar gesät. Dass nicht alle Mediziner aus Leidenschaft Frühaufsteher sind, ist verständlich. Doch Johann Ecker ist passionierter Morgenmensch, sein Tag beginnt um fünf Uhr morgens. „Ich bin ein Mensch, der früh morgens startet und diese Zeit wegen der Ruhe genießt. Um 6.30h bin ich im LKH, lese und schreibe E-Mails und orientiere mich über Befunde. So gehe ich mit einem guten Plan in den Tag hinein.“ Den Abend versüßt Ecker ein Buch, „dann gleite ich in den Schlaf“.
In Gedanken ist der Mediziner gerne in anderen Ländern unterwegs, der Roman „Kinderfrau“ über Griechen in Konstantinopel hat ihn kürzlich in Gedankengeschwindigkeit reisen lassen. Faszinierend: „In Büchern die Stimmung anderer Länder einzufangen, in die ich später auch real verreisen will“.
Eckers Reisen führen bevorzugt in den Westen, etwa nach Kalifornien, zum Mittelmeer zieht es den Mediziner regelmäßig. In schönster Erinnerung ist die Bretagne.
Die zwei Töchter, Kinderärztin und Rechtsanwältin, sind aus dem Haus. Mit seiner Ehefrau zelebriert Johann Ecker täglich das gemeinsame Frühstück um 5.30h und ein „ruhiges Abendessen zu zweit“. Was beiden an Freizeit bleibt, wird gerne am Wochenende im Salzkammergut genutzt. „Ich unternehme Bergwanderungen und der Traunsee liegt vor meiner Haustür, damit kann ich mich sehr unkompliziert sportlich betätigen.“
Wie viele Diabetologen, will auch Johannes Ecker ein Vorbild sein - auf jeden Fall was die Ernährung betrifft: „Wenn ich jemanden berate, ist es wichtig, sich auch bewusst mit der Nahrung auseinanderzusetzen. Ich gehe sehr gern in den Supermarkt, aber weniger zum einkaufen, als mir damit einen kritischen Produktüberblick zu verschaffen“. Dem Diabetologen liegt nichts an der Neuerschaffung des Patienten, der individuelle Lebensstil darf nicht zerstört werden. „Ein Patient soll seinen Stil weiter leben können. Wir müssen herausfinden, wie hoch die Anforderungen im Beruf sind, wie oft am Tag gegessen und wie die Freizeit gestaltet wird.“
Zum Wesen des Patienten muss auch seine Insulin-Therapie passen. Pumpen sind für Johann Ecker eine sehr gute Entwicklung, die er bereits seit den 80er-Jahren kennt. Auch Insulin-Pens stuft der Diabetologe sehr positiv ein. „Die Pumpe verschafft einen variablen Tagesrhythmus, hilft im Beruf und Sport. Doch die Patienten müssen elektronische Geräte mögen. Wir wollen niemanden zur Pumpe überreden, doch wer sie zwei Wochen zur Probe hat, will sie nicht mehr hergeben – das habe ich zumindest noch nie erlebt. Sein Traum für die Zukunft: „Die Blutzuckermessung ohne Nadel und Stich wäre schön“.
Das kleine Lebenslexikon:
Meine liebsten Patienten…
… sind gut informiert und haben Ziele
Diabetiker (z.B. und Raucher) gewinne ich…
… durch Verständnis und Sicherheit
Mein Ausgleich…
… Familie, Garten, Lesen
Meine Freizeit verbringe ich…
… im Salzkammergut
Mein Fehler…
… für manche bin ich zu schnell
Ich verreise…
… gerne in den Süden und Westen
Ich würde gerne…
… gesund bleiben
Mein Wunsch an die Menschheit…
… Frieden und die Welt für die Kinder bewahren
Meine größte Stärke…
…Ruhe und Verlässlichkeit
Nach meinem Tod…
… geht es weiter |