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Dr. Johannes Föchterle aus Linz
DER ALBTRAUM VOM VERZUCKERTEN HEDONISMUS
Von Sophia Fielhauer
Naturwissenschaft mit Leib und Seele. Die Biologie hat es Johannes Föchterle im Gymnasium angetan, ein Medizinstudium schien dem geborenen Grazer nahe liegend. Seine Mutter lebte die Kunst, kranke Menschen bestens zu versorgen, als Krankenschwester vor. Nach 12 Semestern hatte Föchterle sein Studium beendet, die damalige Wartezeit bis zum Turnus überbrückte der angehende Arzt mit dem Präsenzdienst und als Pharmareferent.
Nur eineinhalb Jahre nach dem Studium konnte Föchterle im LKH Mariazell den Turnus mit Chirurgie starten, setzte mit innerer Medizin im LKH Hartberg fort. „Dort entdeckte ich meine Liebe zur inneren Medizin.“ In Leoben konnte Föchterle seinen Turnus 1991 beenden. Doch ein Arbeitsplatz war in der Steiermark nicht zu finden und der junge Arzt wanderte ins LKH Steyr ab. In der Kardiologie, Elektrophysiologie und beim Implantieren von Schrittmachern machte sich der junge Arzt einen Namen. Er spezialisierte sich auch im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz auf das literarisch wohl meist traktierte Organ – das Herz. Der Möglichkeit einer zusätzlichen Diabetes-Ausbildung im Linzer AKH, folgte Föchterle mit Freuden - 2001 schloss er sie nach drei Jahren ab. Das Leben als Diabetologe nahm seinen Lauf. „Von Diabetes war damals noch gar keine Rede. Die Diabetologie war ein Stiefkind, es gab sehr wenige Spezialisten. Hingegen war der Bedarf enorm.“
Gleich nach der Ausbildung eröffnete Johannes Föchterle – ausgestattet mit einem Kassenvertrag - als Facharzt für Innere Medizin seine Linzer Ordination, die seit nunmehr neun Jahren die größte Institution ihrer Art in Oberösterreich ist. Spezialgebiete: Stoffwechsel, Diabetes und Ernährung.
Das Übergewicht nimmt einen sehr hohen Stellenwert in Johannes Föchterles Arbeit ein: „Wir bieten Diäten an und führen Bioimpedanz-Analysen durch. Alle zwei Wochen erfolgt eine Kontrolle, wo wir uns vergewissern, dass die Patienten gesund abnehmen - nicht Muskeln, sondern Fett abbauen“.
Stolze 150 Patienten strömen täglich zu Dr. Föchterle, rund 20 Prozent sind Diabetiker Typ 2, einige wenige Typ 1. Mit fünf Mitarbeitern – eine Ärztin zur Ausbildung in innerer Medizin, eine MTA-Kraft, die das gesamte Labor betreut und zwei Damen an der Rezeption - wird der Ansturm auf die Praxis von Montag bis Freitag Vormittag plus Dienstag und Mittwoch Nachmittag bewältigt.
Die Nummer fünf ist das „Mädchen für Alles“, wie der Diabetologe scherzhaft bekennt. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und die Ehefrau von Dr. Föchterle. Das Ehepaar hat einander in Steyr kennen und lieben gelernt.
Johannes Föchterle, 48, lebt vor, was er seinen Patienten sanft predigt – ein gesundes Leben mit viel Sport. Wie sein Salzburger Kollege Dr. Raimund Weitgasser (siehe Juni-Ärzteporträt), Präsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG), ist Johannes Föchterle ein passionierter Läufer. „Ich glaube, Raimund Weitgasser ist schneller als ich. Wir sind beide beim Berliner Marathon mitgelaufen.“
Es war Föchterles erster Marathon. Derzeit ist der Mediziner aber vor allem zweirädrig unterwegs, mit seinem Rennrad und dem Mountainbike. Pro Woche absolviert der Mediziner einmal Lauftraining, schwitzt dreimal auf dem Rad und geht einmal ins Fitnessstudio zum Krafttraining. „Ich mache sieben Stunden Sport pro Woche. Das muss ich meinen Patienten auch vorleben.“ Bei 1,83 Metern wiegt Johannes Föchterle schlanke 75 Kilogramm, ist natürlich Nichtraucher. „Ich schaue, dass ich das Idealgewicht halte, esse gesunde Mischkost und viel Fisch.“ Dabei ist der Mediziner kein Feind alkoholischer Genüsse, allerdings in „Maßen statt Massen“.
Mit Vorliebe ist Föchterle in der Südsteiermark unterwegs, vor allem entlang der südsteirischen Weinstraße. „Die Önologie ist eine Liebe von mir.“ Sein Interesse gilt dem Weißwein, denn „steirischer Rotwein ist kein Thema für mich“. Das Ehepaar Föchterle hat einen 12-jährigen Sohn und eine 14-jährige Tochter. Während der Familienvater seine sieben Stunden wöchentlichen Sport betreibt, bleibt seiner Frau neben Praxis und Kinderbetreuung zumindest einmal Walken pro Woche. Obwohl der Arzt seinen Patienten doch als perfektes Vorbild dienen kann, ist die Realität eine andere:
„Die meisten erfreuen sich eines hedonistischen Lebensstils. Die Diabetiker wissen sehr viel, doch den Therapie-Vorschlägen wird leider zuwenig Folge geleistet.“ Schuld an der berüchtigten Volkskrankheit Diabetes ist der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Krieg: Autos, öffentliche Verkehrsmittel, Nahrungsüberfluss, immer weniger Bewegung. „So ist der Diabetes erst entstanden. Mit all dem Fastfood, Fett, den Süßwaren und Konditoreien.“ Bleibt die Vorbildwirkung und Hoffnung, dem Über- ein schlankes und überzeugendes Gegengewicht zu bieten.
Das kleine Lebenslexikon:
Meine liebsten Patienten…
…schreiben mir sogar aus dem Urlaub eine Ansichtskarte!
Diabetiker (z.B. und Raucher) gewinne ich…
--- mit Einfühlungsvermögen
Mein Ausgleich…
…Familie, Sport und lesen
Meine Freizeit verbringe ich…
…am liebsten mit meiner Familie
Mein Fehler…
… Ungeduld
Ich verreise…
…am liebsten in Österreich (v.a. Südsteiermark)
Ich würde gerne…
…lange gesund bleiben
Mein Wunsch an die Menschheit…
…keine Kriege mehr und Umweltschutz
Meine größte Stärke…
…Konsequenz und Durchhaltevermögen
Nach meinem Tod…
… hoffe ich auf eine Wiedergeburt |